20.07.2018 Sarnen, OW

Viele meiner Leser und Leserinnen verstehen es nicht, dass ich über unsere Erlebnisse aus Tadschikistan berichte und gleichzeitig in der Schweiz bin, wo ich zum ersten Mal seit langem WiFi habe. (Welcher Luxus!)

Wie gesagt, bemerkten wir nach dem Trecking, dass unser Auto gar nicht mehr die Power verfügt und nur mit halber Kraft fährt. Mit einem Stosssäufzer erreichten wir Khorugh.

In der Pamir Lodge waren sie erfreut uns wiederzusehen. Dort klagten wir von unserem Problem. Sofort bekamen wir die Adresse des besten Automechanikers von Khorugh. Nun war der Tag ein Festtag, das 60 Jahre Jubiläum der Ernennung von Aga Khan zum höchsten Iman der Ismaeliten. Alles war schön geschmückt, trotzdem wechselte der Mechaniker den Dieselfilter aus. Leider brachte dies nichts. So hiess es einen Tag später um 8.00 Uhr erscheinen, um den Katalysator zu reinigen.

Aber zuerst wurde das Jubiläum gefeiert.

Strassen wurden geputzt, Gebäude geschmückt und natürlich auch die eigenen Häuser. Vor allem wurde auf den Strassen die grossen Teppiche gewaschen. Das beanspruchte eine Strassenseite. Mit Gelassenheit umkreiste der Verkehr die Frauen am Boden.

Im City Park von Khorugh, wo ein Pappelwald (!) und andere Bäume für Schatten und Kühle sorgt,

gab es ein super Konzert.

Alle waren schön gekleidet. Vor allem Frauen tanzten „ausgelassen“.

Am nächsten Tag hiess es für die Männer arbeiten. Ich als Frau war nicht erwünscht. Die Autogarage (2. von links) war noch zu.

Aber bald war der Katalysator ausgebaut und mit Wasserdruck gereinigt.

Die schwarze „Sauce“ ist die zentralasiatische Zugabe im Diesel.

Nach dem Einbau kam es trotzdem zur Fehlermeldung. Der Boardcomputer brauchte ein Update. Es wurde herumtelefoniert und siehe da, an der University of Central Asia gibt es in der Abteilung „School of Professional and Continuing Education“ eine solche Maschine. Nichts wie hin.

Auch hier wollten sie uns gerne helfen, aber leider war die Lizenz der Software im März abgelaufen und das Geld für die Weiterführung fehlt.

Nun stellte sich die Frage, schaffen wir es nach Osch (Kirgistan), wo wir das Problem lösen können? Es gibt 2 Möglichkeiten nach Osch zu gelangen: Entweder über Murgab mit 729 km und einem 4600 m Pass oder über Chumdon mit 950 km.

Beide Möglichkeiten waren riskant. Der Pass war schon arg hoch und die andere Route war sehr weit, wenn wir uns ins Gedächtnis riefen, dass das Auto nach 800 km still steht, wenn die Nachricht aufleuchtet, die nächste kompetente Mercedes Werkstatt zu besuchen. Aber, ab wann werden die Kilometer gezählt? Seit Batchor? Seit dem Auswaschen des Katalysators? Schon eher?

So haben wir uns entschlossen in die Schweiz zu fliegen und das Steuergerät hier upzudaten. Manchmal bin ich für die sichere Variante, obwohl wir wissen, no risk – no fun.

So buchten wir den Flug in die Schweiz ab Duschanbe, der Hauptstadt, und liessen unser Auto in der Obhut der Universität.

Das nächste Abenteuer wartete schon auf uns.

Wir wollten mit dem Flugzeug, einer kleinen 16 plätzigen Propellermaschine von Khorugh nach Duschanbe fliegen.

Am Samstagmorgen um 8.00 Uhr waren wir am Flughafen, denn Tickets kann man nicht vorher kaufen, denn je nach Personenzahl und Wetterbedingungen wird entschieden, ob geflogen wird. Wir hatten Glück! Wir waren 11 Personen und das Wetter war klar. Auch landete das Flugzeug von Duschanbe kommend pünktlich um 9.00 Uhr.

Tickets (Papierbüchlein) wurden verkauft

und so konnten wir in die Machine einsteigen. Selbstverständlich läuft man zum Flieger! Das Gepäck wurde am Eingang verstaut und wir konnten uns setzen.

Da der Propellerflieger nur eine bestimmte Höhe erreichen kann und die Berge höher sind, fliegt er mit Sichtkontakt zwischen den Bergen das Panj–Tal entlang. Einmal hat er auf beiden Seiten nur 20 m Entfernung!

Und schon ging es in die Luft. Unter uns ist der Panj, der Grenzfluss zwischen Khorugh und Afghanistan (links vom Fluss).

Nach einer Stunde mit ohrenbetäubenden Fluglärm erreichten wir Duschanbe.

der Simoni –Platz

der Präsidentenpalast

Trotz Hitze (35°) pilgerten wir zum Archäologischen Nationalmuseum, um den liegenden Buddha von Ajina Tepe (Süden von Tadschikistan), der 12 m lang ist, zu bewundern. Er gehört zu den grössten Buddhadarstellungen Asiens. Mir gefielen auch die Wandmalereien aus Panjakent (Buddha und Wandmalerei stammen ungefähr aus dem 7. – 8. Jahrhundert).

Bei einem kühlen Bier sahen wir mit den anderen Fussballfans das Endspiel an.

Am nächsten Tag ging es um 5.00 Uhr über Istanbul nach Zürich.

Es ist toll Kinder und Enkelkinder zu umarmen. 2 Wochen Ferien in der Schweiz!

Ein Kommentar zu „20.07.2018 Sarnen, OW

  1. Wir haben eure Reise bis jetzt immer verfolgt. Sehr informativ und interessant. Auch schöne Bilder. Es reizt uns, diese Reise auch in Angriff zu nehmen. Müssten allerdings unseren Sprinter auch noch auf „Drittweltdiesel“ umrüsten. Wir wünschen Euch weiterhin viele tolle Begegnungen.
    Sandro und Bea

    Gefällt 1 Person

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