26.07.2021, Windhoek

Ich sitze auf einem Plastikstuhl auf dem Mercedes M+Z Motors Areal über mir das Schild „Costumers not allowed in the Workshop Areal“ und genieße die warme Sonne und die kühle Luft, während Niggi mit den Automechanikern unseren Mercedes Sprinter umkreist, diskutiert und mechanische Probleme erörtert. Keine Sorgen, bitte, unser Bänz hat nur kleine Probleme, wie das hintere Rücklicht reparieren, gebrochene Aufhängung des Dieselpartikelfilter zu ersetzen, und, wie kann es anders sein, die vorderen Stoßdämpfer zu wechseln, die wir erst erneuert haben. So sieht Niggi den Mechaniker zu und hofft ein klein wenig von ihnen zu lernen.

Wir sind seit letzten Freitag wieder in Afrika! Schwer war der Abschied von unseren Kindern und Enkelkindern, nicht einfach war es unseren Freunden „tschüss“ zu sagen. Wie schön war jedes Treffen und wie sehr wurden wir verwöhnt! Aber uns zieht es wieder weiter. Wie nah Fernweh und Heimweh in meinem Herzen beieinander liegen! Kaum sind wir in der Schweiz, dann träume ich von Reisen und sind wir in einem fremden Land gelandet, frage ich mich, wie es meiner Familie und Freunden geht. Ich vermisse sie.

Wann beginnt eine Reise? Mit dem Kauf eines Reiseführers? Nein, denn früher, las ich die ersten Seiten im Flugzeug mit einer nebeligen Vorstellung von dem Land. Überraschung war groß geschrieben. Die erste Nacht im Hotel war gebucht, so dass der Taxifahrer wusste, wohin er mich vom Flughafen bringen sollte, aber alles andere war mehr oder weniger offen. Vor allem keine Vorausplanungen, keine Reservationen, keine Verpflichtungen, die mich von Anfang festhielten und für Neues keinen Platz ließen, frei zu reisen, bleiben wie lange ich wollte, das Land fühlen in dessen Tempo. Auch mit der Erkenntnis nicht alle Highlights gesehen zu haben.

Also, startete die Reise für mich mit dem Kauf eines Flugtickets? Nein, denn die Flugtickets waren billiger, wenn man diese Monate im Voraus buchte und vor allem war in früheren Zeiten der Flug ausgebucht und bestimmte so, ob die Reisezeit um ein oder einige Tage kürzer war. Ärgerlich, nicht wahr?

Vielleicht begann die Reise mit dem Bauchgefühl, mit der Sehnsucht ein Land zu besuchen, in dessen Kultur einzutauchen, fremde Gerüche aufzunehmen, exotisches zu essen, den Sound zu hören, der Kitzel immer etwas Neues zu erleben.

Heute ist die Frage leicht zu beantworten. Eine Reise beginnt mit einer Anmeldung für einen PCR-Test und ist dieser positiv, so ist das Flugticket nutzlos. Man bleibt 14 Tage in Quarantäne zu Hause und fragt sich, wo habe ich die Viren aufgeschnappt oder stimmt das Testergebnis? Ist das Ergebnis negativ, werden die Koffer fertig gepackt und es kann losgehen. Zwischen Durchführung vom Test (Nasenbohren) und Nachricht des Testergebnisses vergehen Stunden mit Zittern und puren Stress, was mache ich, wenn …. Ich bin einer übermächtigen Macht ausgeliefert. Deshalb fühle ich mich vor dem Test krank, habe Schnupfen, Halsschmerzen und Kopfweh, aber kaum ist das Resultat bekannt, werde ich gesund.

Es ist kalt! Zwei Jacken halten mich warm.

Es war so schön unseren Bänz wieder zu sehen. Schnell war das Warten in der kalten Flughalle, das langsame Vorwärtsgehen in der Schlange zum Fiebermessen, Passkontrolle, PCR-Test-Abhacken vergessen, das Abholen hatte geklappt und bald konnten wir unser Gepäck in unser Auto verstauen. Noch den Einkauf erledigen, leider kein Bier, da Corona bedingt Alkohol von Donnerstagabend bis Montagmorgen nicht verkauft werden darf. Als nächstes fuhren wir auf dem Campingplatz von Düsternbrook, nur eine Stunde von Windhoek entfernt. Dann kam die Arbeit! Alles einräumen, was wir mitbrachten, altes neu sortieren. Ich fühlte mich reich. Was wir alles besitzen, kam mir in den Sinn. Ich brauche nichts mehr, um zufrieden zu sein.

Dürstenbrook

Am Sonntag machten wir durch die vertrockneten Berge eine kleine Trekkingtour. Wie grün wir Namibia in Erinnerung hatten! Nun ist alles braun, hellbraun das hohe Gras, dunkelbraun die Akazien, nur noch kleine Blätter erinnern daran wie der Baum vor vier Monaten ausgesehen hat.

Corona beherrscht das Leben mehr als je zuvor. Sechs Mitarbeiter im Management der großen Garage starben! Restaurants sind zu, nur für take-away offen, wenige Menschen, Autos sind auf der Strasse, ab 21:00 Uhr ist Ausgehverbot, die Malls sind leer, da nur Geschäfte geöffnet sind und der Food-Court geschlossen ist. Auf dem Campingplatz in Windhoek gibt es einige Touristen, aber die Deutschen fehlen, weil sie daheim in Quarantäne müssen, sie haben ihre Reise verschoben oder gecancelt. Touristen sind gern gesehen und dürfen im ganzen Land reisen.

Cotyledon (Schweinsohr)
Bleistiftbaum (Euphorbia)

Es ist wunderbar wieder Pflanzen und Tiere zu entdecken.

Eine kleine Eidechse kriecht aus ihrem Versteck.
Auf der Bagatelle Lodge leben auch zahme Kudus.

Nun sind wir auf dem Weg nach Südafrika. Wir durchqueren die Kalahari mit den roten Dünen.

Natürlich müssen wir einen Stop in der Bagatelle Lodge machen. Zu schön sind die Erinnerungen vom Januar.

Gute Nacht!