28.01.2023, Al Khobar (KSA)

Wir haben viel Zeit, Selfie zu üben, spazieren zu gehen, zu lesen oder ein Museum, wie das King Abdulaziz Center for world culture (Ithra) zu besuchen. Wir sind von der Architektur ganz begeistert.

Ithra
Es ist Freitag und viele besuchen das Center
Eingang
Auch im Museum gibt es gestylte Cafés
Im Ithra gibt es Museen und Theater. Der Informationsdesk ist aus Holz gefertigt und wird fachmännisch begutachtet.
Ein Museum behandelt die einwöchig dauernde Flucht vom Prophet Mohammed aus Makkah nach Medina.
Faszinierender Blick auf das Center in der Nacht

Warum haben wir so viel Zeit? Unser lieber Bänz wollte einfach nicht mehr. Anfang dieser Woche passierte dieses Malheur: wir wollten zu einer Parklücke an den Strand einbiegen, Picknick hatten wir schon eingekauft, der Magen knurrte und da machte es einen Knall und nichts ging mehr. Wir standen zum Glück nicht auf einer der sechs- oder achtspurigen Autobahnen und die Autos konnten auf dem Parkplatz uns ausweichen. Während wir so ratlos da standen und uns fragten, was da gerade passiert war, kam schon Polizei und mit Google Translate konnten wir unsere Situation erklären. Sie organisierten einen Abschleppwagen, während wir noch geschockt waren. Schnell wurde der Bänz aufgeladen und zur nächsten Mercedes Garage gebracht.

In der Garage wurde schnell das Übel lokalisiert: die Seitenwelle der Hinterachse war abgemurkst.

und auch festgestellt, solches Ersatzteil bekommt man nur in Deutschland oder in der Schweiz, aber nicht in Saudi Arabien. Nun hatten wir schon seit geraumer Zeit Kontakt mit einem Freund aus der Schweiz, der KSA besuchen wollte und wir wollten uns treffen. So fragten wir ihn an, ob er dieses Ersatzteil uns mitbringen könnte. Und wirklich! er konnte das Ersatzteil in Stans abholen, von Zürich nach Dubai fliegen, durch den Zoll bringen und nun warten wir auf die Übergabe am Dienstag. Inshallah!

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn der Bruch vor ein oder zwei Wochen passiert wäre! Da waren wir wirklich im Outback um Felsbilder oder besonders schöne Wüstenlandschaften zu besuchen.

Zeitschrift vor 3000 Jahren
Vorne nichts,
dafür auf der anderen Seite
Pferde,
Kühe waren wichtig
Schön ist es nach der Einsamkeit wieder Kontakt mit der Zivilisation zu haben.
Red Dunes in der Nähe von Riyadh.
Und dann waren wir in Riyadh!
Eines der modernen Bauten
Besuchten Ad Dir‘iyah, die erste Hauptstadt, UNESCO Kulturerbe,
grösste Stadt aus Lehm erbaut
Konnten Kalligraphen bei der Arbeit zusehen (schreibt gerade Eskarina)
Kalligrafie in höchster Vollendung
nach einem Museumsbesuch muss man sich stärken

Wir hoffen, dass wir weiterhin so unendlich viel Glück haben und die Ersatzteile eingebaut werden können, dass der Bänz wieder schnurrt und wir wieder sagen können: on the road again.

15.01.2023, Najran

Ich sitze in einem Café, allein, arabische Pop-Musik unterhält mich und es ist angenehm kühl. Mein Kopftuch und meine langen Kleider wärmen mich. Draussen ist es sommerlich warm und es gibt kein Schatten. Hier in Saudi Arabien lieben die Menschen die Kälte und moderne Gebäude, was verständlich ist, herrscht die meiste Zeit im Jahr sommerliche Hitze. Dieses Wüstenklima bestimmt das tägliche Leben. Am Morgen zwischen 8:00 und 9:00 beginnt das Leben auf der Strasse. Autos fahren von Tür zu Tür. Gelaufen wird nichts. Um 12:30 ruft der Muezzin zum Gebet und die Strassen sind bis 16:00 Uhr, wenn er wieder zum Gebet ruft, leer. In dieser Mittagszeit ist alles zu, vielleicht ein paar Supermärkte oder riesige moderne Malls sind offen. In einer Stadt in der Nähe von Makkah (Mekka) waren sogar alle Tankstellen über Mittag zu und wir mussten wie viele andere weit ausserhalb der Stadt fahren, bis wir eine fanden.

Cafė, eher für Frauen
Cafė, eher für Männer

Cafės finden wir zur genüge, überall. Hier können sich Frauen mit Frauen, Männer mit Männer treffen. Restaurants gibt es auch, sogar sehr viele, aber eher als take away. Auswärts essen gehen ist nicht in, da Frauen, Familien in Nebenzimmer versteckt essen wollen und nicht alle Restaurants haben so viel Platz. Darum wird Essen abgeholt und man fährt zum Picknicken in den Park oder am Strand. Auch wir lieben diese Parks, da sie sauber sind. Viele Putzleute gehen jeden Tag, vor allem nach einem Freitag, durch die Parks und säubern sie vom liegengebliebenen Müll.

Etwas ganz seltenes! Eine Strandbar mit kalten Getränken!

Und aufgeblieben wird dann bis nach Mitternacht! Familien sitzen auf Teppiche, gestützt mit Kissen und Kleinkinder spielen und tollen auf den Plätzen. In jeder Stadt, in jedem Dorf gibt es Spielplätze. Plätze, Parks werden mit Kunstwerken geschmückt.

Oder wie hier in Jeddah kann man von der Corniche aus den höchsten Springbrunnen der Welt bewundern. Wir ergatterten noch einen Parkplatz, bevor um 16:00 alle sich zum Picknicken am Strand eintrafen.

Man legt Wert auf mit Blumen und Bäume bepflanzte Strassen, auf verzierte Kreisel, die nach Region bestimmte Themen symbolisieren.

Saudi Arabien ist stolz auf seine Kultur. So werden die alten Städte renoviert. Oder Dörfer als Herritage villages total museumsartig wieder aufgebaut.

Old Jeddah besitzt sogar UNESCO Weltkulturstatus.
Alt
Renoviert
Ob dieser Baum der Erneuerung Stand hält?
Wird sicher bald „verschönert“

Immer mehr Touristen kommen. Diese hier waren Touristen von einem Kreuzfahrtschiff, ausser dem Schweizer im Vordergrund! 😅

Renovierter Palast in At Taif

Dieses Beispiel einer gelungenen Instandsetzung mussten wir uns mit riesengrossem Umweg verdienen, denn die Stadt liegt in der Nähe von Makkah, wo Nicht-Muslime nicht einmal ein wenig in die Nähe dürfen.

Ist am Roten Meer das Klima heiss und feucht, so ist es in den Asir Mountains kühl und sogar kalt. Nebel ist in dieser Jahreszeit keine Seltenheit.

Aber auch hier werden ganze Dörfer restauriert.

Dhi Ain, Nähe Al Bahah, in meiner Karte als Ruine bezeichnet
Alt aussehende Tür, die nach Vorbild nachgebaut wurde
Rival Alma in der Nähe von Abha

Dieses erinnerte uns am meisten an Saana in Jemen.

Renovierter Marktplatz
Aber die Natur erobert sich seinen Raum zurück

Jeden Tag versuche ich besondere Tiere und Pflanzen zu bestimmen. In Jeddah waren es Fische und Meeresfrüchte aus dem Roten Meer. Auf dem Fischmarkt konnte ich mich gar nicht satt sehen.

Verkaufspersonal sind Inder oder Bangladescher.
Hosen und Kleider werden vor dem nassen Boden geschützt.
Und noch auf dem Markt werden Fische kunstgerecht ausgenommenen und entschuppt.
In den Asir Mountains habe ich diese Euphorbie entdeckt

Mantelpaviane in den Bergen zu entdecken, war nicht schwierig. Horden bevölkern die Strassenränder, da sie von vorbei fahrenden Autos aus gefüttert werden oder von den Fahrern den herausgeschmissenen Müll nach Essbarem untersuchen.

46 Vogelarten konnte ich auf dieser Reise schon bestimmen. Nicht viel, wenn ich daran denke, wie viele wir täglich im südlichen Afrika sahen. Das Üben von Birding half mir jetzt, schneller die Familie der Vögel zu erkennen. Ich weiss, jeder Afrika Besucher kommt gleich ins Schwärmen, wenn ich von Hornbills und Roller erzähle, die ich hier an der südlichen Spitze von Saudi Arabien an der Grenze von Jemen sah.

Abyssinian Roller (Coracias abyssinicus)

Als ich diesen wunderschönen Vogel so nah am Strassenrand entdeckte und Niggi sofort stoppen konnte, waren wir auch ein wenig verwundert, dass hinter uns das saudische Auto auch anhielt und uns nicht überholte. War der Fahrer ein Vogelbewunderer so wie wir?

Langsam fuhren wir weiter und gaben ihm Gelegenheit uns zu überholen, aber er wollte nicht. Langsam wurde es Abend und dunkel. Wir fanden einen netten Platz zum Übernachten. So um 20:30 Uhr, als es stockdunkel war, klopfte es an unser Auto. Sicherheitspolizei meinte, wir dürften hier an der jemenitischen Grenze weit weg von einer Stadt nicht übernachten. Dangerous, bad boys, not safe, drive back to the next town hiess es. „Unser Vogel Mitbeobachter“ war auch da.

Wir mussten zusammenpacken und 40 km zurückfahren. Zum Glück sind saudi arabische Strassen gut erhalten und keine Überraschungslöcher machen das Fahren spannend. Wir fanden einen gut beleuchteten Platz an einer Kreuzung und mit Ohropax und Schlafbrille schlief ich nicht schlecht. Unser Aufpasser hatte nicht so eine bequeme Nacht in seinem Auto.

Der Sicherheitspolizist ermahnte uns, weit weg von der Grenze zum Grenzort Najran (Nadschran) zu fahren. Was wir auch taten. Viele Bumps, viele Check-points erinnerten uns, dass die Grenze zu Jemen nah wäre. Najran ist eine grosse Stadt, die in der Geschichte eine grossen Rolle als Handelszentrum der Weihrauchstrasse spielte. So können wir einen renovierten Palast und die Altstadt bewundern. Ein Visitor Center informierte uns über die Geschichte. Selbst Niggi war von der Kürze der Beschreibungen erstaunt.

Eingang zum Palast
Im Innenhof werden Informationstafeln fertiggestellt
Das historische Najran (Ukhdood)
mit Inschriften und Steingrafuren
Pferd, als die Wüste noch mit Pferden durchquert werden konnte
Signatur vom Architekt?
Selbst der Souk wird erneuert
es werden Touristen erwartet
Uhrzeit? Ganz sicher vor! 16:00 Uhr. Alles ist noch leer.
Wunderschöne Stoffe
Welcher würde zu mir passen?

Bei einer Tasse Tee lernen wir ein deutsches Ehepaar kennen. Wir geniessen es zu plaudern, über fremde Länder zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen, ist es doch sehr selten, dass wir Leute treffen, mit denen wir kommunizieren können. Englisch ist nicht weit verbreitet. Saudi Araber freuen sich aber, wenn sie uns fotografieren können.

02.01.2023,Yanbu (Saudiarabien)

Seit zwei Wochen regnet es immer wieder vor allem nachts. Nicht unbedingt an dem Ort, wo wir sind, aber wir merken es, dass es kühler geworden ist. Am Morgen ist es nur 6°, tagsüber „nur“ 13°-15°. Und vor allem bläst jetzt ein kalter Wind. Heute Morgen steckten wir sogar im dichten Nebel. Gut wir sind auf einem Hochplateau bei den Needles auf 1700 m.

Dafür sehen wir wie langsam die Wüste ergrünt. Es ist wunderschön wie die ersten Blumen blühen. Einmalig, welche Kraft Pflanzen haben, wenn es Wasser hat. Ein Jahr oder vielleicht schon länger haben sie als Samen in der Erde ausgeharrt, bis der erlösende Regen kam.

Aber Regengüsse können Wadis und Senken so plötzlich mit Wasser füllen, dass die Wassermassen Autos wegspülen können. So erhielten wir von unserem Provider die Nachricht mit dem Titel „CivilDef“, dass Unwetter in unserem Gebiet vorkommen könnten und wir aufpassen sollten, wo wir parkieren. So sah die Nachricht aus:

Zum Glück gibt es Google-Übersetzer
Einmalig! Ein See in der Wüste! Nur die Enten fehlen …

So konnten wir in einem schönen Tal, dem Wadi Disah, nicht weiterfahren, weil die Strasse überflutet war. Niggi lies es sich nicht nehmen, die Durchfahrt zu wagen. Das Wasser ging bis zum Trittbrett!

Aber weit kamen wir nicht. Die Polizei scheuchte uns zurück und versperrte die Strasse mit drei Autos, damit auch wirklich keiner mehr durchfahren konnte. So kurvten wir durch den restlichen Teil der Oase, ein kleines grünes Juwel in der Wüste.

Am Morgen nach dem Regen
Wie im Paradies: Gärten mit Dattelpalmen
Hier in der Oase konnten wir auch einen Smaragdspint (Green Bee-eater) beobachten. Für uns ein Highlight!
Wadi Disah

„Was ist so schön in einer Wüste?“ wurden wir oft gefragt. Wir können es kaum beschreiben, wie schön die Landschaften sind und wie skurril der Wind Steinformationen im Laufe der Zeit geschaffen hat. Wir kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Rainbow Arch bei Al‘Ula
Elephant Rock (Al‘Ula)
Mushroom
Fenster mit Niggi
Al‘Ula vom Viewpoint aus

Al’Ula ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern die Nabatäer hatten hier vor 2000 Jahren eine wichtige Karawanenhandelsstadt und bauten Gräber für ihre Toten: Mada‘in Saleh (Hagra). Heute ist Hagra ein UNESCO Weltkulturerbe.

Für Reiche
und für ärmere Nabratäer
Innenansicht eines Grabes für eine Familie

Vorteil von touristischen Zentren ist, dass man sich einmal ein Kaffee gönnen kann (mit Popmusik!).

Mir gefallen die Kreisel! Richtig phantasievoll unterbrechen sie die manchmal eintönige Strassen, die wir auswählen mussten, damit wir schneller vorwärtskommen. Saudi Arabien ist so schön und soooo riesig!

Einer von vielen!

Wie ihr schon wisst, kann uns nichts mehr halten, wenn wir erfahren, dass man an einem Ort Rock Art und noch dazu UNESCO Weltkulturerbe bewundern können. Da müssen wir hin und wir lassen nicht locker bis wir die Felszeichnungen gesehen haben. Hier mussten wir viermal die gleiche Strecke fahren. Einmal zum verschlossenem Tor, zurück zur Polizeistation um Schlüssel zu organisieren, zurück zum Tor, öffnen und bewundern und wieder zurück zur Hauptstrasse. Dafür kennen wir jetzt auf dieser Strecke jeden Bump. Und es hat sich gelohnt! 14000 Jahr Felsgravierungen!

Löwe und Kühe
Löwe oder Pavian? Steinbock
Jagdszene: zum ersten Mal der Menschheit helfen Hunde dem Jäger
wilde Kamele

Und dann ging es wieder in einen besonderen Teil der Wüste, in eine Vulkankrater-Region: schwarze Lavamassen, erloschene schwarze Vulkane und plötzlich mitten darin ein weisser Vulkan!

Zum Glück konnten wir die erstarrte Lava umfahren.
Den weissen Vulkan konnten wir erklimmen und in den Krater hinein blicken.

Ein bisschen verwöhnen muss sein! Zum Neuen Jahr ging es nach Yanbu, ans Rote Meer. Wärme, Shoppingcenter, grüne Parks, Strand! Und Wäscherei!

Und Crevetten!

Es ist Apérozeit!