24.11.22 Haifa

Unsere Fähre steht vor dem Hafen in Haifa. Um 4:00 Uhr wachten wir auf, als der Anker herunter ratterte. Wir konnten noch ein wenig schlafen, leider ohne das Schaukeln des Schiffes. Der Meeresgott Poseidon war uns gnädig gestimmt und hielt sein dreizackigen Stab 🔱 fest in der Hand, so dass wir auf kleinen Wellen bei gutem Wetter zwei Nächte und ein Tag das Meer überqueren durften.

Fähre in Mersin vor der Abfahrt: Warten, warten,
Warum das Warten nicht angenehm ausharren?

Das offizielle Abfahrtsdatum wäre der Montag, der 21.11. vom Mersiner Hafen gewesen, aber wegen zu hohen Wellen musste die Fähre von Haifa kommend langsamer fahren, so dass wir erst am Dienstag zum Hafenbüro der Fähre aufgerufen wurde. So hatten wir einen Tag länger Zeit in diesem wunderschönen Land zu bleiben. Wie Schweizer so sind, waren wir eigentlich schon eine Woche vorher in der Gegend von Mersin, um genügend Zeit zu haben, falls etwas unvorhergesehenes passieren würde.

So besuchten wir die kleinen historischen Schmankerln, die wir auf dem Weg von Konya nach Mersin fanden. Es machte uns enorm Freude auf Entdeckungsfahrt zu gehen, alleine frühchristliche Kirchen aus dem 4. Jh. zu bestaunen, in römischen Tempeln zu wandern. Türkei ist voller Zeugnisse aus zig-tausender Jahre Geschichte.

Für mich ist auch die Entdeckung der Natur immer ein Erlebnis. Vor allem, wenn vor dem Kloster sich eine Gottesanbeterin „sonnt“ oder war sie auf Beute aus?

Nach so einem ereignisreichen Tag mussten wir uns am Strand im Dörfchen Tasucu, in der Nähe von Silifke, erholen und einkaufen.

Was für eine Überraschung! Alles war zweisprachig angeschrieben: türkisch, klar, und russisch! Auf dem Markt sahen wir fast nur Russinnen einkaufen. Dieser Abschnitt der türkischen Riviera liegt in russischer Hand. Auch Russen fliehen vor dem Winter 🥶! Oder vor dem Krieg?

Langsam wurde ich auch schon ungeduldig. Meine Vogelliste von „Birds of the Middle East“ beinhaltete bis anhin erst 1 ! Vogel, den ich bestimmen konnte. O.K., es war ein Gänsegeier, worauf ich sehr stolz bin, aber es ist doch sehr wenig. Habe ich Falken, Bussarde oder andere Vögel entdeckt, konnte entweder Niggi nicht halten oder sie waren schon zu weit weg und entzogen sich dadurch ihrer Bestimmung. So fuhren wir in ein kleines Naturschutzgebiet um ein Flussdelta und zu einer Lagune. Und wirklich wir entdeckten einen sehr seltenen Vogel, nämlich Porphyrio porphyrio (Purpurhuhn, zu den Rallen gehörend und ungefähr so gross wie ein Birkhuhn). Eine Stunde beobachteten wir ihn. Einfach ein wunderschöner Vogel! Ausserdem Aquila pomarina (Schreiadler) und Pycnonotus xanthopygos (Gelbsteissbülbül). Von diesen dreien will euch eine Abbildung zeigen. Fotografieren konnte ich sie nicht, weil ich leider kein so gutes Tele habe. Nur die Flamingos (Phoenicopterus roseus) in der Lagune konnte ich festhalten. Nun habe ich schon 10 Vögel auf der Liste!

Purpurhuhn
Schreiadler
Gelbsteisbülbül

Da wir noch Zeit hatten, besuchten wir noch die Felskirche von der Heiligen Thecla, die mit dem Apostel Paulus als Junge verkleidet wanderte und dann als Einsiedlerin in der Nähe von Mersin in der Höhle lebte und starb. Auch in Maalula, in Syrien, soll sie begraben sein. Dank Google erfahren wir mehr, erkennen, dass wir schon in Maalula waren und sind wieder einmal unendlich traurig, wie ein Krieg ein Ort, ein Land, seine Menschen zerstört.

Wie gesagt, wir besichtigten noch römische Städte.

Aquädukt
Felsengräber
Tal des Todes, überall Höhlengräber
Für die Nachkommen, damit sie wissen, wer begraben wurde

Wir hatten ja einen Tag mehr Zeit, so fuhren wir nochmals an einen Strand und wurden wie üblich von Hunden begrüsst. Sie sind gross und sehen „gfürchtig“ aus, aber sie sind sehr lieb.

Jetzt kommt das Signal aufzuladen. Schnell packen wir unsere Sachen und fahren in das gelobte Land. Das erste neue Land, wo wir noch nie waren.

14.11.22 Konya

Beim letzten Blogbeitrag habe ich euch geschrieben, dass wir Thessaloniki ansehen wollen. Das haben wir am nächsten Tag auch wirklich getan. Wir parkten ausserhalb der Stadt auf dem riesengrossen IKEA-Parkplatz und fuhren mit dem Bus in die Stadt. Das war eine weise Voraussicht, denn die Stadt überquillt von Autos, LKWs und Motorräder.

Alte griechisch-orthodoxe Kirchen eingeengt in Neubauten,
römische Triumphbögen, errichtet nach gewonnener Schlacht,
Freiheitsheld,
„Weisser Turm“, Wahrzeichen von Thessaloniki, errichtet von dem grossen Architekten Sinan.

Der kurze Tagesaufenthalt lies uns nur einen klitzekleinen Teil von Thessaloniki sehen, aber uns hat die Stadt unheimlich gefallen. Wir fuhren noch ein wenig aus der Stadt und übernachteten auf einem Parkplatz eines Klosters, das nur von einem einzelnen Mönch gepflegt wird. Er lud uns zum Tee ein. Wie haben wir uns verständigt? Er sprach perfekt deutsch, das er als Gastarbeiter in Deutschland gelernt hatte.

Ein kleines Highlight am Tag war, „Safran“-Krokus und riesengrosse Eicheln mit ihrer Hülle zu finden.

Kaum waren wir in der Türkei, suchten wir den Basar in Busra auf. Eigentlich shoppen wir beide nicht gerne und sind froh, wenn wir nicht all zu viel Zeit in Läden verbringen müssen. Aber durch die engen Strassen einer türkischen Altstadt, durch den Basar zu schlendern, ist absolut ein Vergnügen.

Was für ein Angebot!
So viele verschiedene Dattelsorten. Wir kosteten mehrere und alle schmeckten verschieden.
Wer die Wahl hat, hat die Qual! Wir entschieden uns für zwei Sorten. Das nächste Mal …
Gewürze, schon der Duft lässt einen von „1001 Nacht“ träumen.
Nichts für Vegetarier! Aber keine Bange die türkische Küche kennt enorm viele vegetarische Gerichte. Wir probieren gerade Auberginen-, Zucchini-, Tomaten-, Bohnen-Eintöpfe aus. Alles „delicious“!
Zum Glück – leider – bin ich Diabetikerin. Mein Gewicht bleibt, aber ich hätte so gerne diese himmlischen Süssigkeiten probiert.
Der Traum von Mädchen und Jungen. Oder nicht?
Das Warenangebot ist so gross, dass der Geschäftsraum nicht langt. So muss der Bürgersteig her halten.

Die Altstädte von Bursa und Cumalikicik besitzen UNESCO-Weltkultur Status. Zwei weitere auf unserer Liste und die Jagd geht weiter ….

Aber die Türkei hat nicht nur alte Städte zu bieten. Die Städte boomen, die neuen Wohnvierteln sind riesig. In nachhaltige Energien wird investiert. Wir haben noch nie so viele Flügel von Windräder auf der Strasse gesehen.

Auf unserer Reise kamen wir auch in Kütahya, der Porzellan und Kachelstadt an. Springbrunnen, öffentliche Brunnen und sogar Kioske sind mit Kacheln verkleidet.

Wir besuchen die Grosse Moschee , die 1410 errichtet wurde. Die Holzsäulen wurden vom grossen Baumeister Sinan durch antike Marmorsäulen vom nahen Zeustempel ersetzt.

Wenn die Säulen vom Zeustempel aus der antiken Stadt Aizanoi stammen, dann müssen wir ja den Tempel uns ansehen. Nichts wie hin.

Das dachte der Fotograf und das Brautpaar auch.
Und das wurde im 1. Jh. errichtet, ohne Mörtel und Kran!
Sehr viele schön gemeisselte Grabstelen umgaben den Tempel.
Wenn Römer etwas gebaut haben, dann hält das auch 2000 Jahre. Wie sieht das mit unseren Bauwerken aus?
Halten unsere Stadien oder Theater so lange?
Und dann ging es weiter ins Innere von Westanatolien.

Hier könnten wir die Ruinen des Reiches der Phryger besichtigen. Keine Ahnung von diesem Grossreich. Aber als wir lasen, dass Midas einer ihrer Könige war und dass der Gordische Knoten von ihrem 1. König stammte, fiel uns all die Sagen und Erzählungen ein.

Eine wichtige Grabstätte
Midas-Monument in Midas-Stadt
Ausgehöhlter Tufffelsen mit Grabkammern (hellenistischer Zeit)
Eine Grabkammer aus phrygerischen Zeit.
Blick zum heutigen Dorf
Manchmal haben wir Glück beim Erkunden. Ein wunderschöner Rittersporn! Das Besondere an der Blume war, dass der Stengel total dürr war und solch eine schöne Blüte hervorbrachte.
Jedes Kind in der Türkei kennt ihn: Nasreddin Hoca (Hodscha), der im 13. Jh. gelebt hat, haben soll. Er ist wie Till Eulenspiegel, Simplicissimus oder Don Quichote, bauernschlau, Narr und Idealist. Seine Geschichten sind witzig, lehrreich, philosophisch. Warum sitzt er verkehrt auf seinem Esel? Hoca meinte dazu: Ich möchte nicht in dieselbe Richtung schauen wie der Esel.
Konya

In Konya muss man das Mevlana-Kloster besuchen, wo der Mystiker Celaleddin Rumi, (Mevlana, unser Meister), der als Volksheiliger verehrt wird, begraben liegt. Hier hat er gelebt und gelehrt und die „Bruderschaft der Tanzenden Derwische“ gegründet.

Mauer um das Mevlana-Kloster
Sarg vom Celaleddin Rumi
kunstvolle Kalligrafie
Decke des Schreins
Puppen in Klosterzellen zeigen das Leben zu Zeiten des Mystikers

Nun bin ich müde und morgen geht es weiter ….

07.11.22 Thessaloniki

Auf die Plitvička Seen (Kroatien) habe ich mich schon gefreut, waren wir schon einmal dort im Februar 2018 auf unserer Reise nach Zentralasien und machten eine kleine Wanderung im Schnee.

Laut Aussage des Nationalpark Personals hat es seit damals fast kein Regen und Schnee gegeben. Es wäre ein einmaliges Erlebnis gewesen.

So ist auch meine Erinnerung vom Nationalpark: romantisch, wild und sehr kalt.

1. Blick Herbst 2022

Heute ist diese Gegend immer noch faszinierend romantisch und wild.

Dieses Mal war es wärmer.
Das kalkhaltige Wasser überzieht jeden Ast und es verrottet fast nichts.
Forellen tummeln sich im klarem Wasser.
Die Bachamsel fühlt sich auch hier wohl.
Misteln mit Früchten zeigen den nahen Winter an.
Leider gab es von ihm nur Warnschilder. Gerne hätte ich einen Braunbär gesehen und natürlich fotografiert!

Und dann ging es zur Küste nach Zadar. Ein kleines Städtchen, das seine historische Altstadt erhalten konnte.

Das Schöne ist, dass Zadar „lebt“ und nicht ein Museumsdorf geworden ist.
Heute war Schulausflug!

Von den kroatischen Küstenstädten gefällt mir Split am besten. Eine quirlige Stadt, in der ein Bummel Spass macht.

Split in der Abendsonne

Nach diesem schönenAusflug wurde leider das Wetter schlecht. Es stürmte und regnete heftig. So entschlossen wir uns, Bosnien, Montenegro, Albanien zu durchfahren. Alle drei Länder sind sehr arm, was man am Abfall an den Strassenrändern sieht. Müll grenzt die Strassen ein. Aber wir nehmen uns vor, auf der Heimreise mehr Zeit in diesen Länder zu verbringen.

Heute wurde das Wetter viel besser und wir verbrachten den Tag mit einem langen Strandspaziergang in Thessaloniki.

Von unserem Stellplatz können wir das Lichtermeer von Thessaloniki bewundern.
Eine von den wilden Katzen, die auch die Sonne nach dem starken Regen geniesst.

Morgen wollen wir noch die Highlights von Thessaloniki ansehen und dann geht es in die Türkei!

27.10.-31.10.22, Plitvička Seen

Endlich sind wir am Mittelmeer, an der Adria in Kroatien.

Jedes Mal, wenn ich an das Mittelmeer komme, überfällt mich eine Ruhe und am liebsten würde ich gar nicht mehr weiterreisen, sondern nur noch das Meer ansehen, den Wellen zuhören und in das Wasser eintauchen. Manchmal denke ich, dass dies mit Epigenetik zu tun hat. Meine Vorvorfahren haben mir die Liebe zum Mittelmeer vererbt.

Der Abschied vom Engadin viel uns sehr schwer. Niggi konnte sich kaum von den Bergen lösen. Am liebsten hätte er seine Wanderschuhe angezogen und wäre tagelang trekken gegangen. Verstanden habe ich es, denn die Farbenpracht der Wälder ist einmalig. Die Natur ist einfach faszinierend. Drei Flechtenarten auf einem kleinem Holzblock!

Bernina

Die ganze Reise geht es bei uns schon so: weisst du noch, als wir …, kannst du dich erinnern, als wir …, wie hiess doch noch einmal … . Als wir das Bernina-Massiv sahen, erinnerten wir uns, wie wir vom Diavolezza den Gletscher überquerten, um zur Bovalhütte zu gelangen. Ein anderes Mal wanderten wir zur Tschiervahütte. Immer tolle Erinnerungen, aber mit dem Wissen, dass wir dies nicht mehr wiederholen können. Sei es, dass durch Klimaerwärmung die Gletscher nicht mehr überquerbar sind, sei es, dass ich zu alt bin. Erinnerungen können für die Zukunft brutal sein.

Kurzer Überblick von der Berninagruppe
Abschied von der Schweiz

Nach 40 Kehrwendungen sind wir auf dem Stilserjoch. Ist es das letzte Mal, dass ich Schnee in diesem Winter spüre?

Villa Mani

In Italien übernachten wir neben der Villa Mani, der Sommerresidenz des letzten Dogen. Wahnsinn, so ein kleines Sommerhäuschen.

Wandelhalle

Beeindruckend fanden wir die Fotoausstellung von Pasolini, der dieses Jahr 100 Jahre alt, wenn er nicht 1974 umgebracht worden wäre.Natürlich erinnern wir uns an seine Filme, natürlich erinnern wir uns an seine Person. Zum Glück hilft uns Wikipedia unsere Wissenslücken ein wenig aufzufüllen. In der Nacht diskutieren wir über Faschismus, Sexualität und Gewalt.

Foto: Pasoliniin Rom, 1952. Welche Armut!
Markttag in Italien
Bald ist Allerheiligen/Allerseelen. Blumenschmuck für die Gräber.

Morgen wollen wir im Nationalpark auf den Spuren von Winnetou und Old Shatterhand wandeln. Die Plitviče Seen waren der Drehort des „Schatz im Silbersee“ von Karl May.

22.10.-27.10.2022, jetzt geht es richtig los

Wir haben vielen „tschüss“ gesagt, ein paar Tränen vergossen, für einige keine Zeit mehr gefunden, uns zu verabschieden. Sorry, aber es kribbelte zu sehr in den Füssen, Reifen. Aber jetzt sind wir wieder on the road again.

Der 1.Stopp führt uns nach Klosters im Engadin.

Gleich wird fotografiert, um euch die einheimische Tierwelt zu zeigen.

Die Yaks standen leider nicht Modell, sind ja auch nicht einheimisch. Sie vergruben ihre Köpfe in Futtertröge und streckten uns die Schwänze entgegen.

Morgen geht es zum Nationalpark und dann nach Italien.

17.10.-22.10.22 Start Hamburg

Um 4:00 Uhr früh am Montag, den 17.10. klingelt Niggis Handy, um uns zum Aufstehen aufzurütteln. Ich war schon wach, konnte vor Aufregung erst gar nicht schlafen und schlummerte ein wenig, denn heute beginnt unsere Reise in den fernen Osten, nach Arabien. Aber nicht ohne unseren „Bänz“, der in Hamburg abgeholt werden wollte!Dort in seinem Ursprungswerk gab es für ihn eine Schönheitskur, während wir auf Mallorca mit Enkelkinder, Tochter und Schwiegersohn Ferien machten und das Leben in einer Grossfamilie genossen.

So fährt man in der DBB nach Hamburg, geschützt vor Licht und Viren.

Die Reise mit der DBB verläuft super und wir kommen pünktlich, kein Witz !, in Hamburg an und können unseren „Bänz“ in die Arme schliessen. Die 1. Nacht verbringen wir an der Elbe.

Hamburg, St. Pauli

Wir dachten, wenn wir schon wieder im Norden von Deutschland sind, warum nicht auch den Ort besuchen, wo unser Sohn vor 37 Jahren geboren wurde, nämlich Goslar. Langsam entwickeln wir uns zu Slow-Driver. So ist der 1. Stop nicht Goslar sondern Lüneburg. Wie werden wir von diesem Städtchen überrascht! Mittelalter lässt Grüssen. Gut erhaltene und restaurierte gotische Backstein-Giebelhäuser, barockes Rathaus sind Zeugnisse einer Stadt und ihrer Bürger, die durch Salzhandel reich wurden. Nicht auszudenken ist es für mich, dass nachdem 2. Weltkrieg ernsthaft diskutiert wurde, die Altstadt komplett abzureissen und neu aufzubauen. Gott sei Dank gab es damals schon Stimmen dagegen und der Begriff „Denkmalschutz“ entstand.

Rathaus

Und dann kommen wir in Goslar an. Vor 37 Jahren war das Städtchen ein verschlafener Ort mit ein paar Bars und einigen Restaurants. Und heute, nach der Wende versehen mit dem Titel UNESCO-Kulturerbe, ist es ein Juwel einer mittelalterlichen Stadt. Uns gefiel nicht nur die Atmosphäre des Städtchens, sondern wir schwelgten in der Erinnerung der 5 Monate, die wir hier lebten, am Grenzzaun zur DDR. Wie hat sich die Welt verändert! Auch kulinarisch! Damals konnte ich nur entweder Weiss-, Rot- oder Grünkohl kaufen, dafür gab es viel Wild, das beim Wechsel der innerdeutschen Grenze auf eine Tretmine starb. Nur einmal im Monat waren die Geschäfte am Samstag bis 16:00 Uhr geöffnet, Geld konnte nur über die Bank überwiesen werden und die Auszahlung erfolgte erst mit einer telefonischen Nachfrage, ob dies korrekt sei.

Goslar von der Kaiserpfalz gesehen
Dom
Friedrich Barbarossa

Das Schöne am Reisen ist die Entdeckung von neuen Orten. Wir sind schon müde und schaffen es nicht nach Freiburg i. Br., so gelangen wir nach Lahr/Schwarzwald und werden wieder überrascht. Ein Chrysanthemendrache begrüsst uns zum diesjährigen Chrysanthemenfestival (Chrysanthenum / Gattung wurde 1753 von C. von Linné formal aufgestellt.)

Das ganze Städtchen ist mit diesen wunderschönen , farbenprächtigen Blumen geschmückt.

Nun geht es in die Schweiz. Wir wollen unsere Familie an unser Herz drücken und „Bänz“ wird technisch aufgebrezelt.

28.07.2022 Stockholm

Wir sind auf dem Rückweg nach Deutschland, in die Schweiz. Ich möchte meine Familie in Bayern besuchen, ein bisschen von dem heißen Sommer genießen und in den Bergen wandern.

Der Endpunkt unserer Norwegen-Reise der Ort Grense Jakobselv, der letzte Ort Norwegens an der russischen Grenze, ist erreicht und wir feiern dies mit einem köstlichen Apéro.

Noch einmal lässt uns die Natur staunen, unheimliche Stromschnellen, liebliche Landschaften lassen uns immer wieder anhalten. Wir fahren durch Tunnels, die unter dem Meer liegen.

Aber am schönsten für mich war der Ausflug von der Halbinsel Varanger zur Vogelinsel Hornøya.

Empfangen wurden wir von der Krähenscharbe (Phalacocorax aristotelis), dem Kormoran ähnlich.
Überall hat sie ein Nest gebaut, selbst in der Warte- und Schutzhütte.
Unter einem Stein fauchte uns ein brütendes Weibchen an.
Auch Trottellummen (Uria aalge) schauten uns argwöhnisch an, bereit zum Fliehen.
Endlich konnten wir den Papageitaucher (Fratercula artica) von ganz Nahem beobachten und fotografieren.

Aber es waren nicht diese einzelnen Vögel, sondern die vielen Tausende, die um uns schwirrten und schrien, die diese Insel so einmalig macht.

Platz ist rar.
Am Steilhang brüten sie und jeder kennt sein Nest.
Finden sie augenblicklich keinen Platz ruhen sie sich im Wasser aus oder fischen.

Dann geht es über Finnland Richtung Schweden. 450 km Einsamkeit, Seen, Wälder und Rentiere.

An der Grenze zu Finnland wurde der Reiseführer Norwegen mit dem finnischen ausgetauscht, die letzten norwegische Kronen verschenkt, Euros aus dem Safe geholt, nur dieKreditkarte blieb gleich. So informieren wir uns über die Region in Finnland, deren Gäste wir kurzfristig sind. Eine Holzkirche in Tornio, dem Grenzort zu Schweden an der Ostsee, hat uns besonders gutgefallen.

In Schweden angekommen geht das Spiel von neuem los, Reiseführer wechseln, Euro mit Schwedischen Kronen tauschen, Highlights an der Strecke nach Stockholm ausmachen. Nur Euros werden nicht verschenkt, die können wir in Deutschland ja wieder gebrauchen.

Aus dem Reiseführer haben wir unseren nächsten Halt in Luleå Gammelstaden gefunden. Warum haben wir hier gehalten? Gammelstaden ist eine von den vielen Kirchenstädten in Schweden, aber mit 450 Häusern die größte und best erhaltenste und gehört damit zum UNESCO-Welterbe. In Schweden gab es das Kirchganggesetz, so dass die von weither bisweilen tagelang angereisten Kirchgänger Unterkunft brauchten. Nach dieser vom Gesetz verordneten Reise konnte der König seine Untergebenen informieren und Steuer einziehen. Gleichzeitig gab es Markt. Heute werden die Häuser als Sommerhäuschen vermietet oder sind im Besitz von Familien.

Kirche aus dem frühen 15.Jh.
Häuser für angereiste Kirchgänger

Und das war unsere Reiseroute von Dänemark bis zurück nach Stockholm.

20.07.2022 Varanger

Heute ist wieder einmal schlechtes Wetter, Regen, Nebel und nur 11°. Da wir gelernt haben sowohl mit dem Reiseführer und Landkarte als auch, vor allem, mit dem Wetter-Vorhersage-App die Reise zu organisieren, haben wir schon gestern den heutigen Besuch in einem Museum in Vardø geplant. Wie wurden wir von dieser Ausstrahlung des Memorials überrascht! Das Ziel der Gedenkstätte ist es, an die 91 Opfer der Hexen- Verbrennungen des 17. Jahrhunderts in Finnmark zu gedenken. Die Macht der Umsetzung von der Künstlerin Louise Bourgeois und dem Architekten Peter Zumthor lies uns den Atem nehmen.

Schon die Lage hinter dem heutigen Friedhof weist auf die Gedenkstätte der Hingerichteten.
Der damalige Gerichtshof wird als Kubus dargestellt
Sieben Spiegel, sieben Richter, verurteilen Frau oder Mann zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen
Gedenkhalle der Toten aus Jute, mit kleinen Fenster unterbrochen
Im Innern hängt an jedem Fenster, für jedes Opfer, ein Licht und an der Tafel wird ihr oder sein Name mit dessen Anklage genannt.
Und heute?

Wie in mehreren Orten in Norwegen gibt es in Vardø auch Strassenkunst.

Das Porträt wurde aus dem Verputz der Hauswand herausgekratzt.
Sieht die Zukunft so aus?
Hier ist ein Beobachtungsort für Wasservögel. Tatsächlich können wir Schwärme von Papageitaucher im Wasser und zu Luft sehen. Natürlich auch ihren Feind, der Seeadler.
Schlägt mein Herz beim Anblick eines Tieres oder Pflanze stärker, so rast es beim Niggi beim Sichten dieses alten Saab am Straßenrand.

Manchmal ist die Welt klein. Vor 5 Jahren traf Niggi Fritz aus dem Aargau, der das gleiche Auto zur selben Zeit wie wir gekauft hatte, in Schaffhausen. Er wollte nach Südamerika und wir nach Zentralasien. Und vor einer Woche trafen wir uns wieder am nördlichsten Leuchtturm der Welt.

Und so reisten wir dieses Jahr vom südlichsten Leuchtturm am Kap Agulhas in Südafrika zum nördlichsten.
Und von jetzt geht es südwärts, nicht direkt, sondern natürlich mit Schlenkern.
Zur Feier des Tages gab es King Crabs.
Einfach köstlich!

Durch Zufall entdeckte ich im Internet eine Seite, in deren der Autor beschreibt, wie er um der Kirche von Nesseby auf Varanger eine Sumpfohreule (Asio flammeus) sehen konnte. Nichts wir hin! Was sind 300 km (mit einem kleinem Umweg von 40 km, um Wattvögel zu bewundern), um eine Eule zu beobachten. Niggi zweifelte die ganze Zeit, ob wir eine Eule sichten können. Vielleicht hat sie schon wegen der vielen Ornithologen das Weite gesucht oder war schon gestorben oder hat das Revier gewechselt oder …

Kirche von Nesseby

Nein, wir sahen am Morgen zwei Sumpfohreulen, eine kleinere junge und eine größere alte. Und wir konnten sie ganz lange bei der Jagd nach Mäusen über eine abgemähte Wiese beobachten. Was für ein Glück! (Starrsinn zählt sich manchmal aus!)

Foto aus App “Der Kosmos Vogelführer”. Selber konnte ich nicht fotografieren, weil wir keinen Fotoapparat dabei haben.

Die Halbinsel Varanger ist ein Vogelparadies. Wir benutzten den gestrigen schönen Tag, um eine Bird watching Safari per pedes zu machen. (Es regnet nicht jeden Tag!)

Und schon sahen wir eine Dreizehen Möwe (Risa tridactyla) von ganz Nahem.
Nein, eigentlich viele!
Nein, ganz viele, die an der Steilküste nisten.
Nicht alle finden einen Platz im oder am Nest und sind auf Wartestellung.
Das musste ich fest halten.

Unterwegs fanden wir noch ganz viele Moltebeeren (Rubus chamaemorus), die wir natürlich nicht pflückten. Zeigt die Beere mit ihrer so schön rot leuchtenden Farbe uns an, ich bin noch nicht genießbar. Erst wenn die Früchte knallig gelb sind, anfangs Herbst, können sie geerntet werden. Sie gelten als Delikatesse.

Zur Zeit blüht in der Tundra das Wollgras. Wir lieben das strahlende Weiß, vor allem wenn die Sonne scheint.

Leider wuchert das schmalblättrige Weideröschen (Epilobium angustifolium) überall und verdrängt einheimische Pflanzen.

Immer wieder treffen wir auf Rentiere, die sehr scheu sind. Schnell laufen sie weg, wenn sie spüren, ich will sie fotografieren.

Die Heimreise beginnt!

15.07.2022 Nordkapp

Gestern haben wir es geschafft, wir sind am Norkapp angekommen. Genau vor einem Monat waren wir im sommerlichen Malmö und machten uns mit Skandinavien vertraut, fuhren mehrheitlich nordwärts und jetzt hört hier die Strasse am nördlichsten Punkt auf, am 71°10’21“ Breitengrad. Am 2. Januar waren wir am südlichsten Punkt in Afrika und fragten uns wie unsere Reise weitergeht.

Ein bisschen schräg ist es schon, Nebel, eigentlich warm, wenn nicht der kalte Wind wehen würde, Einsamkeit, viele Menschen, ….

Und wir sind nicht allein am Ziel der Ziele …

Eine von vier Reihen!
Norwegen ist ein phantastisches Reiseland. Es gibt für jeden etwas zu bestaunen.
Singschwan oder
Rentiere auf der Sommerweide oder
Tunnelrentiere, die sich abkühlen oder
riesengrosse Schwärme von Papageientaucher in der Luft und
im Wasser oder
Pottwale.

Fische vor allem Kabeljau wird in riesigen Mengen gefangen. Nicht nur heute, sondern schon immer war Kabeljau der Fangfisch von Norwegen.

Für die Fischer, die im Winter bei schlechtem Wetter eine Bleibe brauchten, wurden auf den Lofoten Schutzhütten gebaut, die heute Touristen mieten können.
Der Fisch wurde und wird heute noch draussen zum Trocknen aufgehängt
und nach Portugal, Italien oder sogar bis nach Nigeria verkauft.
Diesem luftgetrockneten Fisch, dem Stockfisch, nicht zu verwechseln mit dem Klippfisch, der gesalzen und so getrocknet wird, ist sogar auf den Lofoten ein Museum gewidmet.
Bei so viel Fisch gab es bei uns am Abend Pilze mit Semmelknödel.
Wo Fisch gibt, sind Möwen nicht weit entfernt. Warum nicht gleich auf dem Fenstersims nisten?
Wer auf den Lofoten seine Ferien verbringt, braucht auf keine Wohnmobilausstellung zu gehen. Alle Typen von WoMos sind hier vertreten. Unser Bänz gehört zu den kleineren. Vorsicht ist geboten auf den engen Strassen bei dreiachsigen Monster
oder vor Elche
oder vor Schildkröten.
Zum Glück gibt es noch Trolle, die am Wegesrand stehen
und auf die Urlauber aufpassen.

Ist eines meiner Ziele Tiere oder Blumen anzusehen, wie die Pflanzen im Botanischen Garten in Tromsø, dem nördlichsten Botanischen Garten der Hemisphäre, der sich auf alpine Pflanzen spezialisiert hat,

Meconopsis betonicifolia (blauer Scheinmohn, Tibet)
Cotyledon orbiculata (Rundblättriges Dickblatt, Südafrika)
Cypripedium candidum (weißer Frauenschuh, Nordamerika)

so kann sich Niggi mehr für Gletscher und Berge begeistern.

Der Svartisen-Gletscher, der zweitgrößte Skandinaviens, fließt beinahe ins Meer. Vor 100 Jahren reichte er wirklich bis ans Meer.
Niggi ließ es sich nicht nehmen bis an den Rand zu klettern.

Überhaupt ist die Landschaft grandios. Immer wieder müssen wir anhalten und die Aussicht bewundern.

Sind wir im März in den Sudan gereist, um Felsbilder zu betrachten, so mussten wir hier in Norwegen nicht so weit reisen, um die nördlichsten Felsbilder anzusehen.

Jäger und Rentiere
Wunderschön sind die Darstellungen der Bären
Rentiere wurden innerhalb von Zäunen getrieben, während Elche außerhalb lebten, eigentlich wie heute, 7000 Jahre später
Selbst Wale wurden so gezeichnet, als ob sie in den “Wasserstrudel” eintauchen würden
In den jüngeren Bilder kamen die Wasservögel dazu. Lustig dargestellt ist wie sich ein Kormoran seine Flügel trocknet (links unten).

Im Norden Skandinavien leben die Samen, fälschlicherweise oftmals auch als “Lappen” bezeichnet, die sich immer mehr zurückziehen mussten, bis in diesen unwirtlichen Teil Nordeuropas. Sie lebten als Halbnomaden und wohnten in Zelten. Früher hatten sie Holzhütten, deren Dächer mit Birkenrinde abgedeckt wurden. Darauf wurden Torfplatten als Isolierung gelegt.

Diese Hütten waren niedrig.
Auch Erdhügel eigneten sich als Schutz vor Wind und Kälte.
Auch heute noch werden Hütten mit Erde isoliert.
Auch futuristisch aussehende Gebäude werden errichtet, wie diese Kirche, die mit besonderen Titanplatten bedeckt wurde, um das Polarlicht zu reflektieren.
Zum tiefsten Canyon in Nordeuropa wanderten wir um 22:00 Uhr. Warum nicht? Die Sonne geht nicht unter, es wird ja nicht dunkel.

01.07.2022 Holm, Norwegen, 2 m über dem Meer

Schon ist es Juli! Und die Zeit drängt, wollen wir anfangs September doch wieder in Sarnen sein! So viel ist noch zu sehen und an das Nordkap wollen wir doch auch noch! Ich weiss es nicht, wie die vielen Touristen aus Deutschland in drei Wochen Ferien zum Nordkap und zurück fahren können. Für mich unverständlich! Für Schweden haben wir zwei Wochen gebraucht und haben sooooo viel nicht gesehen!

Grüne Strecke. Rote Strecke ist Planung.

Vor drei Tagen überquerten wir die Grenze in der Nähe von Strömsund. Die letzten Nächte in Schweden genossen wir noch an Seen mit Baden und Lagerfeuer.

Kaum über der Grenze erwartete uns Berge, Schnee und Wasserfälle. Und Fjorde! Und nochmals Fjorde!

Seen, Fjorde so nicht zu unterscheiden, nur das Wasser im Fjord ist salzhaltig. Das habe ich heute gekostet, als ich in der kalten Nordsee badete.
Die Strassen schlängeln sich den Fjorden entlang. Brücken oder Fähren überwinden das Meer. ( Ganz klein und weit in der Ferne sieht man eine von den unzähligen Brücken.)

Wohnmobile überfallen Norwegen, das wie Schweden „wild Campen“ erlaubt. So freundliche Informationstafeln habe ich noch nie in einem Land gesehen, um das Besetzen von Rastplätzen zu verhindern.

Nach Graffiti gibt es hier eine andere Darstellung von Kreativität im öffentlichen Raum: Gummimuster auf der Strasse mit dem Auto ziehen. Es muss furchtbar stinken, wenn diese Abdrücke mit angezogenen Bremsen auf die Strassen „gemalt“ werden. Aber es braucht auch fahrerisches Können!

Nordnorwegen, das sind Berge. Wunderbar für Niggi. Endlich kann er uphill stürmen und muss nicht wie in Schweden stundenlang in der Ebene tschalpen.

Ab und zu sehen wir auch Tiere. Leider nicht so wie in Afrika.

Lachse
Fuchs
ein scheues Ren im Fellwechsel

Dafür Blumen!

Moosglöckchen, das zu Ehren von Linné seinen Namen bekommen hat: Linnaea boralis. Es kommt wie der botanische Namen „borealis“ sagt, aus dem Norden kommend, in nördlichen Regionen Eurasiens und Nordamerika vor. Falls jemand immer noch nicht Herrn Linné kennt, sollte meinen letzten Blog von Öresund lesen.
Natürlich freue ich mich, wenn ich wieder einmal eine Orchidee sehe, wie das gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), das eigentlich gar nicht so selten ist.
Dagegen ist das Fuchs‘Knabenkraut ( Dactylorhiza fuchsii) eher seltener.
So habe ich mich wahnsinnig gefreut den rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) zu finden, eine fleischfressende Pflanze, die nur in Sümpfen und Mooren gedeiht. Sie fängt ihr Beute, kleine Insekten, mit dem klebrigen Saft aus ihren Blättern und verdaut dann diese. Sie braucht den Stickstoff von ihnen, weil Moore stickstoffarme Böden sind.
Um ihre Grösse abzuschätzen, habe ich den Deckel von einer kleinen Wasserflasche daneben gelegt.