18.02.2019, Letzte Nacht in Kairo

Jeden Morgen verlassen wir das Hotel, gestärkt mit Omlett und Fladenbrot und einer Tasse Tee, um ein Viertel der riesigen Metropole mit über 22 Millionen Einwohner zu erkunden.

Kairo im Mogendunst

Am 1. Tag hatten wir das Alte Ägypten der Pharoenen angesehen und am 2. Tag entschieden wir uns das koptische zu erkundigen. Wir liefen fast 3 km am Nil entlang bis wir das Ziel erreichten. Dachten wir, es gäbe eine Promenade mit Spaziergänger, dann täuschten wir uns gewaltig. Kaum Jemand schlenderte mit uns und genoss den Blick auf den längsten Fluss der Erde, mit seinen kleinen, schmalen Gärten an den Ufern. Die Bänke waren Schlafbetten für Obdachlose, eingehüllt in Decken mit leeren Wasserflaschen als Kopfkissen.

Das koptische Viertel wurde streng bewacht und trotzdem waren die Besucher nervös. Als ein kleines Kind eine Zuckerwattetüte platzen liess, erstarrten alle und blickten ängstlich zum Ort des Knalles. Lächeln entspannten sie sich, als sie merkten, dass nichts passiert war.

Der Heilige Georg wir auch hier sehr verehrt
Adam und Eva im Paradies

Das koptische Museum war ein kleines Highlight, sahen wir doch Objekte aus dem Beginn des Christentums.

Kairo ist eine chaotische, überbordende, lebendige Stadt mit einem nicht endenden Verkehr. Die Autofahrer kommunizieren mit der Hupe, die Fussgänger überqueren die Strassen todesmutig in der Hoffnung, dass die Bremsen der Autos Das moslemische funktionieren. Eigentlich wird mit allen Möglichen Transportmittel gefahren, transportiert oder von diesem Waren verkauft.

22 Millionen Tuktuks schwirren durch die Gassen
Einhändig ! flitzen Brotausträger durch das Getümmel und können uns mit der Fahrradklingel zur Seite scheuchen
Durch die engen Gassen quetscht sich derTouristenbus

Das moslemische Viertel mit seinen Moscheen gefiel uns ausserordentlich.

Auch hier gibt es ein Museum, das uns zum Staunen brachte.

14.02.2019, Ankunft in Kairo

Wir sind wieder unterwegs! Diesmal geht es nach Afrika! Für wie lange? Das wissen wir nicht. Wir wollen bis Südafrika, Namibia fahren, aber wer weiss schon, was uns morgen erwartet? Wir haben auf der letzten Reise gelernt, je langsamer, desto besser. Die Gebiete, die wir uns näher, länger angesehen haben, blieben in lebhafter Erinnerung. So lautet dieses Mal die Devise gemütlich, sich Zeit nehmen und die Tage geniessen.

Aber schon der Abschied aus der Schweiz zeigte uns, man kann nicht alles vorbestimmen. Er verlief gar nicht so geruhsam wie wir es vorbereitet hatten. Das Schiff, das unser Auto nach Alexandria bringt, war gefunden, die Agentur in Venedig und wir waren bereit, die Weiterreise von Venedig nach Kairo war gebucht, aber plötzlich gab es Komplikationen. Wir hatten keine Visa, unsere Pässe waren in der ägyptischen Botschaft in Bern, der Konsul war nicht da, d.h. keine Unterschrift. Nun hiess es zu improvisieren. Niggi fuhr alleine am Montag nach Venedig und verlud am Dienstag das Auto und fuhr mit dem Zug nach Mailand, während ich nochmals in Sarnen übernachten durfte, am Dienstag nach Luzern fuhr, am Bahnhof vom Kurier die Pässe überreicht bekam, zum Gleis 7 sputete und 5 Minuten später fuhr der Zug nach Mailand ab.

Dieses Mal fahren wir nicht alleine. Freunde aus Sarnen, Heidi und Werner, wagen es mit uns die Reise anzutreten. Werner wollte noch eine schöne Kappe erstehen, aber er war nicht ganz zufrieden.

Nach einem guten italienischen Abendessen flogen wir am Mittwoch von Mailand ohne Probleme nach Kairo.

Heute morgen aus unserem Hotelzimmer in Kairo Downtown. Das alte Kairo zerfällt.

So besuchten wir das alte „ägyptische Altertumsmuseum“, um die Handwerkskunst aus dem Alten Ägypten zu bewundern.

Es ist einfach fantastisch! Die Schätze aus der Grabkammer des Pharaos Tutankhamun bewundern und Nofretete bestaunen zu können. Super! Selbst Niggi war begeistert und so konnte ich zwei Stunden (manche empfehlen zwei Tage) durch das Museum wandeln.

Das Museum ist riesig

und einmalig in seiner Sammlung und in seiner Ausstellung. Wo kann man tausende Kunstschätze in Vitrinen bewundern?

Aber bald gibt es ja eine neues Museum, trotzdem wird das alte mit viel Mut renoviert.

Wer will, kann schon einmal sich in der Entzifferung von Hieroglyphen probieren.

30.01.2019, Sarnen

Wir sind ganz kribbelig. Bald geht es weiter! Die Überfahrt nach Ägypten klappt, d.h. unser Auto darf von Venedig aus nach Alexandria das Mittelmeer überqueren. Die Abfahrt ist auf den 14.02. geplant. Nur wir dürfen nicht auf das Schiff. Aber wir werden von Venedig mit dem Zug nach Mailand fahren und per Flugzeug nach Kairo fliegen.

Es war so viel vorzubereiten. Das Carne de passage ist fertig, die Visa bekommen wir nächste Woche, das Auto ist kontrolliert, eine Zwischenwand zwischen Fahrerkabine und Wohnraum wird nächste Woche eingeschoben, Kontakte mit Fixer sind erstellt, die uns beim Auslösen vom Auto aus dem ägyptischen Hafen helfen sollen.

Nicht das letzte Selfie!

23.12.2018, Sarnen

Unsere Reiseroute mit dem Auto.

Seit fast einem Monat sind wir wieder „daheim“. Es ist einfach überwältigend so viele Freunde, Bekannte zu treffen und zu hören, schön euch zu sehen, ist die Reise gut verlaufen, bleibt ihr oder wohin geht es als nächstes. Wir haben euren Blog verfolgt, es war spannend eure Berichte zu lesen. Dann erzählen wir von einigen wunderbaren Erlebnissen, von den liebenswürdigen Menschen und tauchen in unseren Erinnerungen ein. Wir sind enorm dankbar für diese Begegnungen auf unserer Reise und freuen uns, das Gute weitergeben zu können.

Wir können bei einem Freund wohnen, der uns grosszügig sein Haus zur Verfügung stellt und uns als WG- Bewohner grossmütig aufgenommen hat. Super, denn so haben wir einen ruhigen Ort unsere nächste Reise in Angriff zu nehmen.

Wir planen mit einem befreundeten Ehepaar, die den gleichen Mercedes Sprinter haben wie wir, im Februar eine Reise nach Südafrika zu starten. Wir wollen die Ostroute nehmen, d.h. die Länder Ägypten, Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, … durchqueren, um nach Kapstadt zu gelangen. Und schon geht die Arbeit los, Schiffsreise nach Ägypten suchen und buchen, Pässe und Impfpässe kontrollieren, Visa beantragen, Moskitonetz einbauen, ……

Anfangs Dezember konnte Niggi noch den Schnee geniessen und ein paar schöne Skitouren unternehmen, aber seit 2 Tagen vernichtet Wärme und Regen das weisse Wunder. Klimaveränderung kann nicht geleugnet werden.

Bild von der Hohmatt ( Obwalden) Richtung Berner Oberland

Wir wünschen allen frohe, besinnliche und friedliche Weihnachten 🎄 und einen guten Start ins Neue Jahr 🎉.

12.11. Daheim in der Schweiz

Nach 9 Monaten sind wir wieder in der Schweiz angekommen. Wir genießen jede Minute mit unseren Kinder und Enkelkinder. Langsam nehmen wir Kontakt mit unseren Freunden auf. Wir haben ja Zeit! Manchmal habe ich das Gefühl, als ob ein schwerer Theatervorhang die Reise und das Jetzt trennt. Wir können ihn kurz aufziehen und auf eine Bühne blicken, wo wir Szenen von Orten und Menschen sehen können, Begegnungen, die durch unsere Erinnerung lebendig werden, aber nur für kurze Zeit, dann fällt der Vorhang wieder zu und wir sind wieder im Jetzt, das uns bekannt ist.

Am liebsten möchte ich die Reise genauso wiederholen und den vielen Menschen nochmals danken, die uns so gut aufgenommen hatten, nur durch sie hatten wir so viele tolle Erlebnisse und haben so gute Erinnerungen. Uns ist es bewusst, wie viel Glück wir hatten. Nur durch die offene Art und Weise der dort lebenden Menschen haben wir Länder entdecken können, können wir jetzt von Städte und Dörfer berichten.

Wie geht es weiter? Wohin zieht es uns hin? Na, das werdet ihr wieder auf unserem Blogg weiterverfolgen können, wenn wir es selber wissen und veröffentlichen.

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Kiew, Höhlenkloster

24.10. Kiew, Ukraine

Wir kommen der Schweiz immer näher!

Von Omsk brauchten wir 3 Tage nach Samara, das an der Wolga liegt. Wir wollten russische Freunde, die wir in Mangystau, Kasachstan, kennengelernt hatten, besuchen.

Wolga, in der Nähe von Samara

Aber zuerst mussten wir über den Ural, dem Gebirge das Europa von Asien trennt. Für uns erscheint der südliche Ural nicht sehr hoch, der höchste Punkt mass nur 900 m, aber wenn man wochenlang durch eine Ebene fährt, dann wirken die Höhenunterschiede immens. Auch wirkt sich dies klimatisch aus. Wir konnten uns in der ersten Schneeballschlacht unsere Geschicklichkeit testen.

Waren wir froh endlich im Grossstadtstau von Samara zu stecken, hieß es doch, endlich nicht mehr fahren zu müssen. Ich weiß nicht, wie die Lastwagenfahrer dies aushalten, morgens aufstehen, fahren, Kaffee trinken, fahren, Mittagspause, fahren, Teepause, fahren, Schlafplatz suchen. Kaum Schritte und am Abend ist man müde.

Am Abend besuchten wir mit unseren Freunden die berühmte Bierbrauerei von Samara und testeten das Shiguli Bier, das nach den Bergen in der Nähe Samaras benannt wurde und assen Krebse, die mit Kümmel gekocht worden sind. Hmm!

Samara by night vom 24. Stockwerk.

Wir durften unser Rollinghome im Hof abstellen und bei ihnen in der Wohnung übernachten und von da an liefen wir. Welche Wohltat.

Am nächsten Abend gingen wir in die Oper und sahen die Oper „Barbier von Sevilla“ von Rossini an. Das Angebot von klassischer Kunst ist einfach einmalig in Russland.

Nun hieß es noch mit den anderen Freunden das Wiedersehen mit Wodka zu feiern.

Es wurde ein gemütlicher Abend mit stimmungsvoller Musik und Reisefilmen aus Kasachstan und der Wildnis Sibiriens. Ein Traum! Wilde Landschaften, Einsamkeit, Bären, keine Menschen, Fische, die ins Boot springen, Pilze, Abenteuer pur.

Leider mussten wir „pacca“, tschüss, sagen. Diese Gastfreundschaft werden wir nicht so schnell vergessen!

Dann ging es weiter. Zum letzten Mal erlebten wir die riesige Weite Russlands, bis wir die Grenze Ukraine überqueren konnten. Der Grenzübergang war nach 2 Stunden abgeschlossen und wir waren im 13. Land, seit unserem Reisestart.

Nun sind wir in Kiew und übernachten im Hof eines Hotels mitten in der Stadt. Gestern sind wir angekommen. Niggi träumte von einer Dusche und einer Rasur. Danach hieß es zur Oper zu eilen und Tickets für das Ballett „Spartakus“ von Aram Chatschaturjan zu erstehen. Ein Ballett mit russischer Musikund russischer Aufführung. Wo kann ein Ballett mit 60 männlichen Tänzer und ebenso vielen Tänzerinnen aufgeführt werden?

Auch wir versuchen es wieder einmal ein Selfie aufzunehmen

Hier ein paar Impressionen von Kiew, das uns sehr gefällt, nicht nur weil wir ein Ballett besuchen, japanisch essen, heiße Schokolade trinken konnten,…

Blick auf den Dnjepr
Bürgerhaus aus dem vorherigen Jahrhundert, keine Seltenheit
Alt und neu neben einander
Riesige Wandmalereien, die Stadt liebt Kunst
St. Sofia- Kathedrale (UNESCO Kulturerbe)
St. Sofia-Kathedrale
Menschen, die für die Unabhängigkeit Ukraines ihr Leben liessen. Sie werden nicht vergessen.

Und diese Sightseeing-Tour werden wir nicht machen!

14.10. Omsk, westsibirische Tiefebene

Heute begann der Tag wie schon des öfteren in den letzten Tagen mit der Frage, wie spät ist es. Zum Glück gibt es Handys mit automatischer Zeitangleichung! Wir haben wieder 1 Stunde gewonnen. Verloren? Seit unserer Abfahrt in Irkutsk wurden nicht nur der Abstand nach Hause geringer, sondern auch der Zeitunterschied. Drei Mal mussten wir in den letzten Tagen alle Uhren im Auto um 1 Stunde verstellen.

So schnell wie die Uhrzeiten sich verändern, so langsam zieht sich die Fahrt. Es sind immer noch 4500 km zu fahren! Seit 2 Tagen fahren wir durch die westsibirische Tiefebene, die 7 mal so groß wie Deutschland ist. Durch Sumpf! Beidseitig der Straße Schilf, Wasser, Birken, Schilf, Wasser, kahle Birken,… Keine Dörfer, kaum Felder.

Dafür hat der Lastwagenverkehr zugenommen. Obwohl die transsibirische Eisenbahn sehr viel Güter transportiert, wir haben einmal 2 Lokomotiven mit 70 Wagons beladen mit je 2 Container gezählt, ist die Anzahl der Lastwagen gestiegen, die Städte werden größer, mehr Menschen, mehr Ware. Das Autofahren artet in Arbeit aus, 5,6,7 Lastwägen zu überholen.

Wir übernachten nicht mehr wild, einsam, an selbst ausgewählten schönen Plätzen, sondern auch wir rasten auf Lastwagen Parkplätze (mit Dusche), wenn möglich geteert, und wenn nicht, dann so, auf demjenigen mit weniger Sumpf. Keine Wühlplätze! Wie alles in Sibirien sind die Parkplätze riesig, 30 bis 50 Chauffeure verbringen mit uns eine ruhige Nacht, denn nachts wird nicht gefahren.

Zivilisation hat auch etwas schönes! Nachdem wir Lesosibirsk, das Holzfällerstädtchen mitten in der Taiga verlassen hatten, gelangten wir nach Tomsk und aßen erst einmal Austern in einem richtig schönem, zaristischem Restaurant.

Tomsk ist berühmt für seine wunderschönen Holzhäuser aus dem letzten Jahrhundert.

Von dort ging es weiter nach Novosibirsk, das mit über 1,5 Million Einwohner die 4. gröcßte Stadt in ganz Russland ist. Diese Stadt entstand nur, weil man beim Bau der transsibirischen Eisenbahn einen günstigen Platz für die Überquerung des Ob, einem der mächtigen Flüsse Sibiriens.

Dank Internet hatten wir 2 Karten für das Ballette „Peer Gynt“ erstanden. Was für eine tolle Vorstellung! Was für ein Balsam für unsere Kulturseele!

Wir übernachteten mitten im Zentrum nahe der Oper und dem Mariott, im Jugendstil, um gleich nach derm Ballett ins warme Bett steigen zu können.

Normale Menschen reisen mit der Bahn nach Novosibirsk und kommen an den berühmtesten Bahnhof der transsibirischen Eisenbahn an.

In Russland, nein schon seit Georgien, schmücken die Städte ihre Straßen mit Standbilder, sei es von historisch wichtigen Personen (Lenin)

oder von Künstler (hier Niggi mit Anton Tschechow)

oder ironisch.

Von Novosibirsk ging es nach Omsk, das sich für die 400 Jahresfeier seit der Stadtgründung herausgeputzt hat.

Wie auch in den anderen Städten Russlands werden die Kirchen wieder aufgebaut

und im Innern mit Ikonen prächtig gestaltet.