03.10.2018 Wladiwostok, Abfahrt

Ja, wir sind am „Ende der Welt“, das habe ich immer als kleines Kind gedacht, wenn ich von „Wladiwostok“ gehört habe, ein magischer Ort, in weiter Ferne, sehr kalt, wie eben Sibirien. Hier leben nur Menschen, weil sie hier leben müssen, trostlos, ohne Entkommen, am „Ende der Welt“, am Ende der transsibirischen Eisenbahn. Ein weiterer Traum war mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren, ja nach Peking, aber nicht nach Wladiwostok, weil eben …

Träume zu verwirklichen, ist ja ein Thema unserer Reise. So ließen wir unser Auto in Irkutsk, kauften Lebensmittel ein, und am Freitag morgen ging es los, mit der transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok zu fahren.

Noch ein Becher Nescafé im Wartesaal bis es Einsteigen heißt.

Der Schaffner kontrolliert Zugbilette, dann geht es los. 4 Tage und 3 Nächte durch Sibirien hoppeln.

10 Tips für eine Reise mit der Transib zu reisen:

Viel Wodka mitnehmen, weil man dieses Wässerchen braucht, um Freundschaften zu besiegeln, den Abend abzuschließen, ….

Viele Teebeutel vom Lieblingstee, da es in jedem Wagon ein Samowar gibt und man viel Zeit hat, Tee zu trinken

Zucker, um den Tee zu versüßen, je nach Geschmack

Wasser, um nicht immer Wodka, Bier oder Tee zu trinken, auch zum Zähneputzen sehr nützlich

Brot, Salami, Käse, um nicht immer den Weg zum Restaurant auf sich zu nehmen

Obst, Kekse, Schokolade, Süßigkeiten, um die eigene Zeit und die Zeit der Mitreisenden zu versüßen

Waschlappen für die Morgen- und Abendtoilette, Desinfektionsmittel für Hände, Parfüm,

Toilettenpapier und Feuchttücher, wenn man das harte Toilettenpapier von der russischen Eisenbahn nicht mag

Untere Etagenbetten beim Kauf des Tickets reservieren, da man sonst die lange Fahrt oben im Bett verbringt

Lesestoff, Bücher, Rätselhefte, Kartenspiele, die Reise ist lang und die sibirische Aussicht beschränkt sich auf Birken, Lärchen und Kiefer und nochmals ….

25.09. Insel Ol’chon, Baikalsee

Zuerst einmal, wir sind an einem wunderschönen Ort in Russland am Baikalsee, eigentlich an unserem Ziel, nachdem wir die Mongolei aus Zeitgründen gestrichen haben. Aber es reizt ja uns schon, Vladivostok zu sehen.

So haben wir uns in Irkutsk entschlossen, Tickets für die transsibirische Eisenbahn nach Vladivostok zu kaufen (alles per Internet, super Website) und mit dem Flugzeug wieder zu unserem Auto, das wir ja leider in Irkutsk einstellen müssen, dorthin zurückzukehren.

So haben wir bis zur unserer Abfahrt Zeit, am Baikalsee Urlaub zu machen. Was liegt nicht näher, als auf eine Insel zu fahren, Sandstrand, Baden, Wandern zu genießen?

Auf dem Markt in Irkutsk konnten wir uns mit wunderbaren Gemüse und Obst eindecken. Es gab auch Pilze (kleinste Menge!).

Am Abend noch ein Bier in einem deutschsprachigen Pub trinken

und schon ging es zur Insel Ol’chon.

Mit einer kleinen Fähre (maximal 7 Autos)setzten wir auf die Insel.

Das Wasser vom Baikalsee, dem größtem Süsswassersee der Welt, ist so klar, dass es dunkelblau glitzert.

In Irkutsk haben wir Freunde wieder getroffen, die wir im Pamirgebirge in Tadjikistan kennengelernt hatten und auch mit einen Mercedes Sprinter unterwegs sind. Mit ihnen entdecken wir die Insel.

Unser erstes Ziel war der Schamanenfels, am Gottes-Kap, einer wichtigen Pilgerstätte der um den See lebenden Bajurten.

Aber wir waren nicht allein! Chinesen, Japaner, Koreaner wollten auch den Sonnenuntergang verewigen.

Überhaupt schon auf den Weg zur Insel haben wir viele Kraftorte gesehen und auf der Insel gibt es immer wieder Orte, die hervorgehoben werden.

Am Ort wird mit den Geistern Wodka geteilt oder auch Geld gespendet. Ich finde es toll, dass Geister auch in ihrer Welt Wodka trinken können.

Die Insel ist wie gesagt wunderschön und jetzt gibt es fast keine Touristen. Der Herbst ist da. In der Nacht sinkt die Temperatur unter 0°, aber am Tag in der Sonne kann es schon über 10° werden.

Wir wandern und genießen die Aussicht von den Hügeln.

Die Lärchen sind gelb und zeigen, dass der Winter bald naht.

Die letzten Edelweiße blühen und die Sukkulenten verkriechen sich.

Niggi durfte Kurt’s neues Spielzeug, eine Drohne, ausprobieren. Das wäre ein Weihnachtsgeschenk, meinte er.

Zu einem Urlaub am See gehört auch ein Bad zu nehmen.

Wasserflaschen werden gefüllt. Nur sehr mutige Frauen, wagen es. Das Wasser ist unter 10° warm.

Auch in den Ferien heißt es zu arbeiten und Blog schreiben.

14.09. Cjusker Trakt (Altaij Gebirge, Sibirien, Richtung Mongolei)

Wir sind in Sibirien, bis jetzt nur Südsibirien, aber wir können uns nicht an den riesengroßen, zur Zeit leuchtend gelben Birken, grünen Tannen satt sehen. Vom Issyk Kul See waren es ja nur 1300 km Straße.

In Semej, dem letzten Ort in Kasachstan, verprasselten wie die letzten Tenge am Markt und an der Tankstelle.

Semej (Kasachstan) ist so russisch! Menschen, Häuser, Kultur!

ОптикА (Optika) heißt Optiker.

Plattenbauten und im Untergeschoss Geschäfte.

Der Grenzübertritt war schnell, kein Warten, keine Schikane. Es wird langsam langweilig!

Russland ist riesig! Km-lange Getreide- und Sonnenblumenfelder.

Habe mir ein paar Blumen zur Zierde unseres Autos geklaut.

In der ersten größeren Stadt, in Barnaul, bewunderten wir die erste russisch-orthodoxene Kirche und die kleinen sibirischen Holzhäuser mit den blauen oder weißen Fensterrahmen.

Und was konnten wir am Straßenrand erstehen? Pilze. Es gab natürlich eine Kochumstellung am Abend, Pilze mit Nudeln (nicht Nudeln mit Pilze!). Kleinere Mengen gab es nicht!

Immer wieder muss eine Kirche besucht und Kerzen angezündet werden.

Ganz in Holz!

Die Straße Richtung Mongolei gehört zu den schönsten Highways der Welt und das Altaij Gebirge zählt zur UNESCO Weltnaturerbe.

Heute morgen entdeckten wir das Geschenk von Väterchen Frost, das er uns über Nacht brachte. Unser Auto sprang nicht an, die Heizung ging nicht. In der Nacht war es -5° C, nur !, aber genug, dass der kasachische Diesel gelierte. So lagen wir im Bett bis die Sonne den Innenraum genügend aufheizte, denn gleichzeitig ging unser Gas zu Ende, so dass auch erst die Gasflasche ausgetauscht werden musste. Mit der Zeit ging unsere Heizung, der Tee wärmte von Innen und mit dem restlichen Gas aus der Gasflasche machten wir ein Feuerchen unter dem Tank. Gegen Mittag rollten wir weiter. Jetzt ist im Tank russisches Diesel, hoffentlich winterhart! Mal sehen.

11.09. Semej

Nun sind wir an der Grenze zu Russland. 1300 km durch die Steppe, quer durch Kasachstan, drei Tage Fahrt, meistens auf sehr schlechter Strasse mit Asphalt-Wellblech, Schlaglöcher, Hügel, sehr tiefer Spurrinnen, das liegt hinter uns. Der Schnitt war 50 km pro Stunde. Leider können wir keine Fotos zeigen, denn es ist schwierig diese endlose Weite mit gelben Gras festzuhalten, wenn Wolken so tief liegen, als ob sie die Erde streifen.

Es ist Herbst geworden, die Birken verfärben sich gelb. Wenn die Nachmittagssonne in einem warmen Licht erstrahlt, dann glitzern die gelben Blätter golden und der Wind lässt sie wie in einem großen Mobile schaukeln. Ich könnte stundenlang zu sehen.

08.09. Kasachstan

Wir sind wieder in Kasachstan!

Am Issyk Kul See besuchten wir noch das Städtchen Karakol, dem Ausgangspunkt für Trekkingtouren zum Khan Tengri, dem Herrscher des Himmels, dem Herrscher der Geister. Niggi wollte, wenn es möglich wäre, mit dem Helikopter diesen besonderen Berg (6 995 m) umfliegen. Leider hatte der noch einzige Hubschrauber vor ein paar Tagen einen Crash und der neu dazu gemietete flog nicht mehr, da die Saison zu Ende war. Es sollte nicht sein, der Berg wollte uns also nicht. So entschieden wir uns ein anderes Mal wieder nach Kirgistan zu reisen. Das Land ist so schön, das kann noch einmal besucht werden! Ausserdem wollen wir den Herbst in Sibirien erleben. Auch hier herbstet es. Die Birken verfärben sich schon gelb.

In der russisch orthodoxen Kirche, ein Schmuckstück, gebaut aus dem Holz der Tien Shan Fichten, zündeten wir ein paar Kerzen an.

Auf der Fahrt zur Grenze Kirgistan – Kasachstan mussten wir immer warten, denn es war Almabtrieb. Tausende von Schafen, Hunderte von Kühen und ebenso viele Pferde trotteten nach Hause.

Ich kann es nicht lassen, auch in unserem rollendem Haus ein bisschen zu gärtnern.

Jetzt gibt es Tomatensalat mit frischem Basilikum! Der Basilikum ist rot, aber superfein. Leider habe ich nicht so viel, ich wäre gespannt wie roter Pesto schmecken würde.

06.09. Issyk Kul See: 3. World Nomad Games (2. Teil)

Pünktlich zur Eröffnung der World Nomad Games am Sonntag, den 2.9. kamen wir in Cholpan Ata an. Leider ohne Tickets! Nur für die Eröffnung- und für die Abschlussfeier braucht es Tickets. So schlugen wir unser Nachtlager an der Beach am See auf. Ein Abendbier sollte unsere Enttäuschung lindern und siehe da, das Restaurant hatte einen riesengrossen Bildschirm mit Liveübertragung. Super! Welch eine Eröffnungsfeier! Jetzt wussten wir, warum wir stundenweise im Stau standen und die Strassen für schwarze Limousinen abgeriegelt wurden. Fünf Präsidenten waren zugegen. Selbst Erdogan war mit von der Partie, denn die nächsten Spiele finden 2020 in der Türkei statt.

Das Feuerwerk sahen wir live vom Beach aus.

Am nächsten Tag ging es los. 37 Sportarten wie Armdrücken, verschiedene Wrestlingsarten, Seilziehen, Frauenseilziehen, Adlerrennen, Adlerjagd, Hunderennen und vor allem verschieden Pferdespiele.

3 ! Tage verfolgten wir die Austragungen und es war supermegagigageil!!! Diese Spiele, diese Menschen, dieses Land sind eine totale Wucht. Wir haben uns köstlich amüsiert!

Leider können wir keine Videos zeigen. Wer mehr sehen will, sollte unbedingt den offiziellen Trailer oder YouTube Filme ansehen. Wir empfehlen vor allem Kok Boru, das nationale Pferdespiel aus Centralasien, unsere liebste vorgetragene Sportart. Hier sieht man, was Reiten heisst!

Hier einige Impressionen!

Pferde und Reiter dürfen nicht fehlen!

Natürlich gibt es Gerichte der Nomaden zu kosten:Fleischsuppe und Plov, dieses wie es sich gehört von Männer zubereitet.

Es gibt auch Nomaden, die als Transportmittel Yaks haben.

Selbst Rennen mit Adler konnten wir bewundern. Diese flogen vom Startpunkt 1 km weit bis zu einer anderen Person. Die Geschwindigkeit zählte. Nicht jeder Adler fand dies lustig und segelte mit einer königlichen Würde zum nächsten Baum.

Ein anderes Rennen war, einem Pferd zu folgen, das einen Fuchs nach sich zog. Es ist einfach bewundernswert, mit welcher Grazie diese riesigen Vögel fliegen können.

Warten auf den Einsatz!

Nicht nur Adler wurden zur Schau gestellt.

Auch Hunderennen gab es. Wunderschöne Afghanen rannten hinter dem Fuchs her. Die Hunde waren oft schneller als das Pferd und überholten trotz Vorsprung das Pferd. Die Hunde mussten abbremsen und bellten den Reiter wegen seiner Langsamkeit an.

Es gab auch Gesangs-, Musik-, Tanz- und Geschichtenerzählwettbewerbe.

Ein Lied über den Issyk Kul See wurde mit Stoffschwingen begleitet.

Für Kinder gab es Schaukeln.

Wir wurden oft in eine Jurte eingeladen und mit Händen und Füssen wurde erzählt.

Wrestling ist sehr beliebt und darf nicht fehlen.

Erinnerungsfotos von einem super Festival!

Danke Kirgistan!