26.07.2021, Windhoek

Ich sitze auf einem Plastikstuhl auf dem Mercedes M+Z Motors Areal über mir das Schild „Costumers not allowed in the Workshop Areal“ und genieße die warme Sonne und die kühle Luft, während Niggi mit den Automechanikern unseren Mercedes Sprinter umkreist, diskutiert und mechanische Probleme erörtert. Keine Sorgen, bitte, unser Bänz hat nur kleine Probleme, wie das hintere Rücklicht reparieren, gebrochene Aufhängung des Dieselpartikelfilter zu ersetzen, und, wie kann es anders sein, die vorderen Stoßdämpfer zu wechseln, die wir erst erneuert haben. So sieht Niggi den Mechaniker zu und hofft ein klein wenig von ihnen zu lernen.

Wir sind seit letzten Freitag wieder in Afrika! Schwer war der Abschied von unseren Kindern und Enkelkindern, nicht einfach war es unseren Freunden „tschüss“ zu sagen. Wie schön war jedes Treffen und wie sehr wurden wir verwöhnt! Aber uns zieht es wieder weiter. Wie nah Fernweh und Heimweh in meinem Herzen beieinander liegen! Kaum sind wir in der Schweiz, dann träume ich von Reisen und sind wir in einem fremden Land gelandet, frage ich mich, wie es meiner Familie und Freunden geht. Ich vermisse sie.

Wann beginnt eine Reise? Mit dem Kauf eines Reiseführers? Nein, denn früher, las ich die ersten Seiten im Flugzeug mit einer nebeligen Vorstellung von dem Land. Überraschung war groß geschrieben. Die erste Nacht im Hotel war gebucht, so dass der Taxifahrer wusste, wohin er mich vom Flughafen bringen sollte, aber alles andere war mehr oder weniger offen. Vor allem keine Vorausplanungen, keine Reservationen, keine Verpflichtungen, die mich von Anfang festhielten und für Neues keinen Platz ließen, frei zu reisen, bleiben wie lange ich wollte, das Land fühlen in dessen Tempo. Auch mit der Erkenntnis nicht alle Highlights gesehen zu haben.

Also, startete die Reise für mich mit dem Kauf eines Flugtickets? Nein, denn die Flugtickets waren billiger, wenn man diese Monate im Voraus buchte und vor allem war in früheren Zeiten der Flug ausgebucht und bestimmte so, ob die Reisezeit um ein oder einige Tage kürzer war. Ärgerlich, nicht wahr?

Vielleicht begann die Reise mit dem Bauchgefühl, mit der Sehnsucht ein Land zu besuchen, in dessen Kultur einzutauchen, fremde Gerüche aufzunehmen, exotisches zu essen, den Sound zu hören, der Kitzel immer etwas Neues zu erleben.

Heute ist die Frage leicht zu beantworten. Eine Reise beginnt mit einer Anmeldung für einen PCR-Test und ist dieser positiv, so ist das Flugticket nutzlos. Man bleibt 14 Tage in Quarantäne zu Hause und fragt sich, wo habe ich die Viren aufgeschnappt oder stimmt das Testergebnis? Ist das Ergebnis negativ, werden die Koffer fertig gepackt und es kann losgehen. Zwischen Durchführung vom Test (Nasenbohren) und Nachricht des Testergebnisses vergehen Stunden mit Zittern und puren Stress, was mache ich, wenn …. Ich bin einer übermächtigen Macht ausgeliefert. Deshalb fühle ich mich vor dem Test krank, habe Schnupfen, Halsschmerzen und Kopfweh, aber kaum ist das Resultat bekannt, werde ich gesund.

Es ist kalt! Zwei Jacken halten mich warm.

Es war so schön unseren Bänz wieder zu sehen. Schnell war das Warten in der kalten Flughalle, das langsame Vorwärtsgehen in der Schlange zum Fiebermessen, Passkontrolle, PCR-Test-Abhacken vergessen, das Abholen hatte geklappt und bald konnten wir unser Gepäck in unser Auto verstauen. Noch den Einkauf erledigen, leider kein Bier, da Corona bedingt Alkohol von Donnerstagabend bis Montagmorgen nicht verkauft werden darf. Als nächstes fuhren wir auf dem Campingplatz von Düsternbrook, nur eine Stunde von Windhoek entfernt. Dann kam die Arbeit! Alles einräumen, was wir mitbrachten, altes neu sortieren. Ich fühlte mich reich. Was wir alles besitzen, kam mir in den Sinn. Ich brauche nichts mehr, um zufrieden zu sein.

Dürstenbrook

Am Sonntag machten wir durch die vertrockneten Berge eine kleine Trekkingtour. Wie grün wir Namibia in Erinnerung hatten! Nun ist alles braun, hellbraun das hohe Gras, dunkelbraun die Akazien, nur noch kleine Blätter erinnern daran wie der Baum vor vier Monaten ausgesehen hat.

Corona beherrscht das Leben mehr als je zuvor. Sechs Mitarbeiter im Management der großen Garage starben! Restaurants sind zu, nur für take-away offen, wenige Menschen, Autos sind auf der Strasse, ab 21:00 Uhr ist Ausgehverbot, die Malls sind leer, da nur Geschäfte geöffnet sind und der Food-Court geschlossen ist. Auf dem Campingplatz in Windhoek gibt es einige Touristen, aber die Deutschen fehlen, weil sie daheim in Quarantäne müssen, sie haben ihre Reise verschoben oder gecancelt. Touristen sind gern gesehen und dürfen im ganzen Land reisen.

Cotyledon (Schweinsohr)
Bleistiftbaum (Euphorbia)

Es ist wunderbar wieder Pflanzen und Tiere zu entdecken.

Eine kleine Eidechse kriecht aus ihrem Versteck.
Auf der Bagatelle Lodge leben auch zahme Kudus.

Nun sind wir auf dem Weg nach Südafrika. Wir durchqueren die Kalahari mit den roten Dünen.

Natürlich müssen wir einen Stop in der Bagatelle Lodge machen. Zu schön sind die Erinnerungen vom Januar.

Gute Nacht!

12.03.2021, Windhoek, Flughafen

Wir sind wieder einmal in Windhoek und ich möchte euch gerne von den letzten Highlights erzählen, aber jetzt komme ich in Schwierigkeiten, denn ein Highlight für mich ist nicht eines für euch. Das beste für mich in der letzten Zeit war der Kauf von Flugtickets in die Schweiz. Ja, wir fliegen heute am 12.03.2021 nach Zürich! Ich, wir freuen uns irrsinnig auf unsere Familie, auf unsere Freunde. Ich bin fast krank vor Sehnsucht nach unseren Enkelkinder und Kinder. PCR-Test (negativ), Vorbereitungen für das Abstellen unseres Bänz in Windhoek in ein Autohotel, 2 1/2 Tage putzen (Wüstensand überall), das Ganze machte mir nichts aus, Hauptsache ich kann meine Familie bald in die Arme schliessen. So hatte ich auch keine Zeit im Blogg weiter zu schreiben, denn neben dem Organisieren und Putzen auf dem Campingplatz in Windhoek „mussten“ wir mit Touristen (hauptsächlich mit Schweizern! und Deutsche) viel palavern, quasseln und berichten. Waren wir bis anhin gewöhnt, alleine auf Camptingplätzen zu sein, war es hier fast voll von Touristen.

Ein anderes Highlight war der Besuch vom Etosha NP. 7 Tage fuhren wir von West nach Ost und versuchten Tiere zu entdecken und zu besichtigen. Kaum Touristen trafen wir auf den Campingplätzen oder auf den Straßen. Wir waren allein im Park, der die Grösse von der halben Schweiz hat. Ich weiss, gar nicht was Namibier von der Schweiz denken, denn wenn wir uns auf den Campingplätzen anmeldeten, dann meinten die Rezeptionistinnen, natürlich Schweizer. Und wirklich, von den 4 Autos auf dem Campingplatz waren zwei aus der Schweiz, ein anderes aus Deutschland. Die Tiere waren gar nicht mehr Autos gewöhnt, so dass sie nicht scheu und eher neugierig auf uns reagierten.

Ein schwangeres Oryx Weibchen ist am Morgen erstaunt, dass wir vorbei fahren
51 ! Oryx genießen die Mittagszeit. Ein paar Springböcke suchen Schutz bei den Spiessböcken.
Immer wieder kreuzten Steppenzebras unseren Weg.
Und plötzlich liegen zwei Löwinnen am Straßenrand und lassen sich nicht bei ihrem Nickerchen stören.
Ein junger Schabrackenschakal überquert seelenruhig die Strasse.
Zwei Blackfaced Impala, Mutter und Kind, schmusen miteinander.
Sicher war es für uns ein besonderes Erlebnis eines der sehr scheuen Nashörnern fotografieren zu können.
Eines der vielen Giraffen, die uns über den Weg liefen.

Natürlich interessierte ich mich für die vielen verschiedenen Vogelarten. Niggi musste immer wieder anhalten, damit ich den Vogel bestimmen und in meiner Liste eintragen konnte. Was nicht so einfach ist, denn diese hatten nicht immer die Geduld und waren schneller weggeflogen, bis ich sie zuordnen konnte. Aber immerhin bin ich jetzt 150 Vögel bestimmt.

Doubled-Banded Sandgrouse
Purple Roller
Black Korhan, Niggis Lieblingsvogel. Er passte am Wegesrand erhöht auf einem Stein uns ab und begleitete uns laut zetern bis er genug hatte.

Natürlich haben wir noch viel mehr verschiedene Tierarten fotografiert, aber Niggi meinte, mehr kann ich euch nicht zumuten. So will ich euch noch ein paar Landschaftsbilder zeigen.

Eigentlich hat es diesen namibischen Sommer sehr viel geregnet und alle Farmer waren froh. Auch wir, hatten wir eine grüne Wüste gesehen und Gnus, die aus Etosha NP in den Süden auswanderten. Nur in Nordwesten von Namibia, an der Grenze nach Angola, hat es fast nichts geregnet. Auch in Angola fiel dieses Jahr der Regen aus, so dass die Stauseen und Flüsse wie der Cunene zu wenig Wasser führen. Alle andere Stauseen sind 100 % gefüllt, was als Ereignis gefeiert wird.

So waren wir ein wenig enttäuscht, als wir den Epupa Wasserfall besuchten. Was für ein kleiner Rinnsal! Eigentlich donnern hier riesige Wassermassen vom Cunene herab.

Von der Angola Grenze ging es wieder südwärts und wir besuchten den Waterberg, einen speziellen Tafelberg, wo wir wandern wollten. Müssen wir doch für die Schweizer Berge trainieren!

Nun sind wir am Flughafen und stehen am Gate, wartend auf unseren Flug. Leider muss ich aufhören und freue mich, euch die vielen anderen Fotos in der Schweiz zu zeigen.

Bis bald!!!

21.02.2021, Cornie Camp, Nähe Epupa Falls, Grenze Angola

Heute ist Sonntag und wir haben nach fast 2 Wochen Wüste entschlossen einen Ruhetag am Fluss Kuene einzulegen, chillen, schreiben und Wäsche zu waschen.

Nach Swakopmund ging es weiter der Küste entlang zu der zweit größten Robbenkolonie (Arctocephalus pusillus) an der Südafrikanischen Küste, wo sich nur bis zu 100 000 Tiere sich in einer Bucht tummeln. Die größte Kolonie ist in Südafrika mit einer halben Million ! Tiere.

Schon von weitem haben wir das wie Ziegen Gemeckere anhörende Rufen der jungen Seehunde vernommen und vor allem den Geruch der Tiere wahrgenommen.

Sich Sonnen nach einem Tauchgang im eiskaltem Benguelastrom tut gut!
Wo ist meine Mami?
Endlich darf ich trinken!

Auf der Fahrt von der Küstenwüste in die Landwüste begleiteten uns Welwitschias, die hier scheinbar ihren Traum an Lebensbedingungen gefunden haben, viel Platz, viel Sonne und viel Nebel, keine Konkurrenz.

Größte Welwitschia mirabilis die wir entdeckten!
Blühende weibliche Welwitschia, welch ein Glück sie zu finden!
Blätter so dick und hart, dass selbst hier in der Wüste kein Tier sie anknabbern möchte.
Eine besonders schöne Welwitschia mirabilis in der Abendsonne.

Wenn wir Tiere der Wüste sehen und beobachten können, dann fällt mir der Film von Walt Disney „die Wüste lebt“ ein, der mich als Kind sehr beeindruckte.

Klippschliefer (Procavia capensis)
Plötzlich flogen an die 30 Braunadler um uns!

Schon früher lebten hier Menschen vom Stamm, der Damara und San, als Jäger oder später auch als Nomaden mit ihren Tieren. Ihre Felsmalereien und Felsgravuren geben uns ein wenig Hinweis, wie sie damals gelebt und welche Tiere sie gejagt haben.

Oryx, gut an den Hörnern zu erkennen. Schön auf dieser Darstellung ist auch der lange Schweif des Tieres zu sehen!
„White Lady“, ich finde die Bezeichnung richtig. Warum soll nicht einmal eine Frau, Wert gewesen sein, als Schamanin oder Hirtin abgebildet zu werden?
Felsgravuren mit Fußabdruck! Soll der Fuß die Unterschrift des Künstlers sein?
Beweis, dass die damaligen Bewohner auch gerne reisten: ein Pinguin von der Küste.
Nicht ein Löwe, sondern ein Mann, der sich als Löwe verkleidet hat, um Jagdbeute zu erbitten. Oder sich zu bedanken? Gut erkennbar, dass es sich um einen Menschen handelt, sind die 5 Zehen und der überlange Schwanz.
Zum Glück haben schon andere Menschen die Gravuren in der Wüste entdeckt! Übrigens ein weiteres UNESCO World Heritage können wir abhaken.

Und dann ging es wieder einmal auf 4×4 Routen weg von jeder Zivilisation hinein in die Einsamkeit der Wüste und ein weiteres Abenteuer stand uns bevor.

Zuerst erfreuten wir uns an das sprießende Grün!

Nach 2 Tagen kamen wir in das Hoanib Valley. Die Route führte direkt im Flusslauf des Hoanib weiter, was in der Wüste normal ist, weil ja Flüsse selten bis kein Wasser führen oder weil die Flussläufe prähistorisch entstanden waren. Da es aber im Januar so stark geregnet hatte, war die Piste zugewachsen und kaum zu erkennen. Schilf, höher als unser Auto musste durchquert werden. Und plötzlich ging es nicht mehr weiter. Ein riesiger, tiefer See im Flusslauf versperrte uns den Weg. Also zurück, neue Route finden. Aber immer wieder erwiesen sich die neuen Routen als Sackgassen. Berge rechts und links verengten das Tal. Was jetzt? Wie kommen wir aus dem Tal? Zum Glück sahen wir eine neue Route auf der Landkarte, die auch aus dem Tal führte, nur mit 50 km Umweg. Eigentlich nicht schlimm, nur waren wir mit wenig Sprit von der letzt möglichen Tankstelle gefahren, damit wir nicht zu viel Gewicht mitführten. Schaffen wir die 50 km Umweg? Selbst Niggi runzelte die Stirn und atmete tief ein und aus. Es bleibt uns nichts anderes übrig, meinte er. Also zurück zur Abzweigung! Aber denkste, so schnell ging es dieses Mal nicht, denn Niggi, schon leicht müde, es war auch schon 36° heiss, machte im Sand einen Fehler und schon steckten wir fest. Nun hieß es in der Hitze, Räder ausbuddeln, Sandbleche legen, 1 m fahren, Sandbleche finden, Sandbleche ausgraben, Sand von den Rädern schaufeln, Sandbleche platzieren, 1 m rollen, Sandbleche suchen, …… Das ganze Spiel wiederholten wir fünf mal.

Nach 2 Stunden war es geschafft! Nun konnten wir zurück fahren. Da, was hören wir? Ein Landcruiser kommt uns entgegen, Einheimische auf unsere Route. Wir berichten von dem Problem „See“ und er meint, er wisse vielleicht eine versteckte, zugewachsene Route. Wir sollen doch nachfahren. Und wirklich, durch Schilf, Busch kämpfend erreichen wir wieder die Route. Einmal mehr schwörte ich mir, keine abgelegenen Pisten zu fahren.

Kaum waren wir auf der Piste, musste der Reifen von unseren Helfern gewechselt werden. Gerne helfen wir dieses Ungemach behelfen.

Nun schnuppern wir angolanische Luft und bewundern die Landschaft, die Natur. Der Fluss bildet die von Menschen gezogene Grenze.

Hier stimmt der Name des Gebirges: Zebraberge
Halbzahme Stachelschweine werden in einem Camp gefüttert

11.02.2021, Swakopmund

Gestern war ein toller Tag für mich! Mein Bruder organisierte eine Videokonferenz und meine ganze Familie nahm teil! Früher erhielten wir ab und zu einen Luftpostbrief, den wir nach langem Anstehen in der Hauptpost in einer Hauptstadt unter „poste restante“ in einer Kiste fanden oder auch nicht, sortiert in der Abteilung „Mr, Mrs, Herr, Frau, Familie, Niklaus, Sibylle, An“ unter dem strengen Blick der Postangestellten.

Danach speisten Niggi und ich fürstlich: bayerisches! Krustenbrot mit deutscher Butter, Gelbwurst oder Metwurst, mit Essiggurken und Senf! Klingt für euch allen selbstverständlich, für uns einmalig. Das geht nur, weil wir in Swakopmund sind, dem südlichsten deutschen Badeort, wo wirklich mehrheitlich deutsch gesprochen wird und in den Supermärkten Rollmops und Sauerkraut verkauft wird. Die Geschichte ist hier ein wenig stehen geblieben oder anders verlaufen als im restlichen Namibia.

Vom Oranje-River fuhren wir nach Oranjemund, dem südlichsten Punkt an der Küste von Namibia, ein Ort, der seit einiger Zeit wieder als Tourist besucht werden darf und nicht mehr als Sperrgebiet gilt. Der Fluss Oranje hat Diamanten von Südafrika seit Jahrhunderten mitgeführt und an seiner Mündung abgelagert, die jetzt hier gesucht wird, natürlich streng von der staatlichen Diamantenförderungs-Gesellschaft. Unser Auto wurde auch nach Diamanten durchsucht, aber wer kann diese schon finden!

Ein Sperrgebiet hat auch Vorteile, Orynx dürfen nicht gejagt werden und können sich auf dem Spielplatz vergnügen

Der Benguela Strom, der von der Antarktis kommend an der Küste von Namiba entlang strömt, führt sehr kaltes Wasser mit, das sauerstoff- und nährstoffreich ist, aber dazu führte, dass eine riesige Wüste an der Küste entstand. So tummeln sich Pelikane, Flamingo, African Pinguine, Damara Seeschwalben, Südafrikanische Seerobben am Strand, gleichzeitig findet man Wüstenpflanzen und ich war wieder in meinem Element, beobachten, bestimmen und auflisten.

Mesembryanthemum

Wenn wir reisen, dann befassen wir uns auch mit der Geschichte des Landes. Die Deutschen haben sehr stark ihre Spuren im Bau der Küstenstädte hinterlassen. Es ist selten, dass man in Afrika so schöne Städtchen wie Lüderitz oder Swakopmund mit Häusern um 1900 errichtet, geschmückt mit Jugendstilelementen, findet.

Lüderitz
Strasse in Lüderitz
Keine Seltenheit deutsch beschriftete Häuser
Swakopmund
Swakopmund
Wunderschön verziertes Haus in Swakopmund

An der Uni Zürich hatte ich als Diplomarbeit den täglichen Temperaturverlauf bei Lithops erforscht. In einer riesengrossen Klimakammer auf dem Dach des Instituts im Botanischen Garten hatte ich die mit Temperaturfühlern gespickten kleinen Pflanzen den namibischen Wüstenklima ausgesetzt, am Tag unter sengender Sonne und in der eiskalten Nacht unter sternklaren Himmel. 40 Jahre danach wollte ich diese Pflanzen in ihrem Lebensraum finden. Zuerst besuchten wir das „Lithops Research and Conservation Foundation Center“ in Alte Kalköfen. Eine wahre Pracht an südafrikanischen und namibischen Lithops.

Lithops, hier ganz einfach zu finden. Sie werden auch lebende Steine geannt, so einmalig sind sie in ihrer Umgebung getarnt.

Auf einer Farm, wo wir übernachteten, erzählten wir ihnen von meinem Interesse an Pflanzen, insbesondere an Lithops. Sie meinten, natürlich kennen sie diesen Enthusiasmus an Lithops, hätten sie doch auch Lithops auf einer Ebene ihrer 16 000 ha grossen Farm, nur wüssten sie nicht, ob die Lithops die 7! jährige Trockenzeit überlebt hätten, aber da es ja diesen Januar wieder einmal ! geregnet hätte, könnten sie sich vorstellen, dass wir eine Pflanze finden könnten. Und wirklich unsere Schatzsuche hatte Erfolg!

Nach einer Stunde unter brennender Sonne auf dem Feld der Farm habe ich zwei ganz junge Pflanzen gefunden!

Jetzt geht es nordwärts Richtung Etosha Nationalpark!

30.01.2021, Oranje-River, Noordoewer

Juhu, der 100. Vogel wurde von mir bestimmt und ist auf meiner Liste gespeichert worden! (Ich weiss, für jeden Ornithologen ein pipifax!) In Äthiopien hatte ich mir drei Apps, nämlich eMammals, eTrees, eBirds vom südlichen Afrika heruntergeladen und seit dem wird beobachtet, bestimmt und in Listen gespeichert. Niggi findet es manchmal zu viel des Guten, wenn er mal wieder ein Bremsmanöver einleiten muss, wenn ich ein Tier, eine besondere Pflanze am Wegrand sehe, aber er freut sich auch, wenn wir das Lebewesen benennen können und gibt den Tieren oft einen neuen Namen, wie zum Beispiel für den Northern Black Korhan (Weissflügeltrappe), der bei Störung auffliegt und laut zeternd mitfliegt, bis er seine Meinung genügend kundgetan hat und abdreht, den nennt er Reklamirie.

Ist er nicht farbenprächtig? Southern Red Bishop (schon der Name!), auf deutsch Oryxweber. Ein so schönes Männchen kann nicht nur ein Weibchen haben, nein bis zu sieben zählt sein Harem.

Auch die Nester der Sociable Weaver (Siedelweber) bewundern wir immer wieder. Selbst in Köcherbäumen, Aloe dichotoma, werden riesige Einfamilienreihenhäusernester gemeinsam gebaut, zusammen wird auch gegessen, aber geschlafen wird getrennt!

Sociable Weaver mit leicht hellblauen Schnabel und schwarzer Gesichtsmaske
Da brauchen sie gute Ortskenntnisse, dass sie ihr Nest finden

Wir sind am Oranje-Fluss, dem zweit längsten Fluss Afrikas, an der Grenze zu Südafrika. Wir könnten über den Fluss waten, schwimmen und dann wären wir in einem anderen Land, aber tun es natürlich nicht, denn in Coronazeiten verstehen die Behörden keinen Spass. Uns kommt es wie in Tatschikistan vor, als wir nach Afghanistan über den Punjab sehen konnten und den Menschen zu winkten, aber die Gemeinschaft der Menschen wurde politisch von dem Fluss getrennt.

Auf unsere Fahrt hierher, mussten wir natürlich wie es sich für Schweizer gehört den Vulkan Brukkaros besteigen, der sich aus einer Ebene erhebt, die nach dem vielen Regen blüht. Welche Pracht!

Um 6:00 Uhr machten wir uns auf den Weg, denn um 10:00 Uhr erreichte das Thermometer schon die 30° Marke und dann wurde es so heiss, dass ein gemütliches Wandern nicht mehr möglich war. Außerdem bläst der Wind so stark, dass man mit dem Trinken nicht mehr nachkommt.

Das nächste Highlight war der Köcherbaumwald in der Nähe von Keetmanshoop. Da kann man ja nicht vorbei fahren, oder? Auf steinigem Untergrund, kaum Wasser, junge, alte Pflanzen, nicht mehr zum Zählen, sehr frühmorgens wandern und bestaunen und dann geht es schon weiter.

Langsam wird es richtig heiss. Der Morgen ist angenehm kühl, aber gegen Mittag wird es 40° heiss, so dass wir die Klimaanlage im Auto schätzen. Erst gegen Abend um 6:00 Uhr kühlt es sich ab. Nach der abendlichen Dusche muss man sich ganz schnell abtrocknen, sonst wird das Badetuch nicht nass.

So bewundern wir den Fish River Canyon, den zweit größten Canyon der Welt nach dem Gran Canyon in den USA, am Vormittag, wenn das Licht noch nicht so grell ist und vor allem, wenn es noch nicht so heiss ist. In den Canyon zu steigen, ist von November bis April strengstens verboten, schon viele Menschen sind dann verdurstet. Vorsichtig schaue ich 500 m hinab. Weil es so stark regnete, führt der Fluss Wasser, nicht klar, sondern mit viel Sediment.

Heute konnte ich mich im Oranje-Fluss abkühlen und morgen geht das Abenteuer weiter. Wir wollen eine Kanufahrt unternehmen, natürlich mit Guide.

Abendstimmung im Köcherwald

24.01.2021 Maltahöhe

Schon wieder Blumen! Aber wir konnten gestern Namibias einzigartiges kurzlebiges Wunder mit Staunen betrachten.

Wir verliessen schon früh morgens den Campingplatz und schon am Eingang musste Niggi anhalten, die Königin der Nacht (Cereus jamacaru) blühte noch! Eine Nacht lang öffnet sie ihre Blüte und dann ist es vorbei! Welches Glück ich doch hatte. Übrigens es ist ein eingeschleppter Kaktus aus Südamerika.

Dann, kaum aus Windhoek heraus, musste Niggi schon wieder eine Vollbremsung einleiten: Ammocharis coranica (Erdlilie) aus der Familie der Amaryllis. Und das am Straßenrand! Und nicht nur eine!

So fuhren wir endlich weiter und erreichten gegen Mittag Maltahöhe, die nicht nach der Insel Malta benannt wurde, nein denkste, ein Kommandant der deutschen Schutzgruppe wollte seine Ehefrau Malta verewigen. Das nenn ich Liebe!

Und da war es! Auf einer Farm kann man das weisse und rosafarbige Wunder auf einem Gebiet von 700 ha! ca. fünf Tage bewundern. Danach sind die Blüten verblüht und verschwinden, bis vielleicht im nächsten Jahr zur Regenzeit, aber nur dann, wenn es mindestens 30 mm Wasser nach einem kurzen und heftigen Gewitter auf der Ebene stehen bleibt. Also nicht jedes Jahr!

Und wir konnten es erleben, betrachten, bewundern, bestaunen.

Und hier ist sie!

Crinum paludosum (Amarylilis)
So weit das Auge reicht!

Wir waren nicht allein!

Es roch nach Holzkohle, gegrilltem Fleisch, so wie es die Namibier lieben.

Und überall kann man spielen!

Und das schönste! Keiner weiss warum, wieso diese Pflanze sich hier so wohl fühlt, dass sie sich seit Jahrhunderten hier vermehrt.

22.01.2021, Windhoek, Teil 2

Ja, Welwitschia mirabilis ist etwas besonderes und selbst Niggi fand es phantastisch, sie zu sehen, nur er meint 100 Fotos sind für den Blogg zu viel. So möchte ich euch nur noch zwei zeigen.

Welwitschia braucht auch Wasser zum Leben, so hat sie eine Pfahlwurzel wie eine Karotte, die tief in die Erde geht und oberflächliche Wurzeln, die wie ein Netz um die Pflanze gehen, um den Tau am morgen aufnehmen zu können. Der Nebel von der Küste schlägt sich auf ihre 2 Blätter, sie besitzt nur diese, und auf den Sand nieder. Dieses Wasser langt ihr! für ihr jährliches Wachstum von 4 mm bis 4 cm.

Kondensierter Tau auf einem Blatt
Letzter Blick auf das Welwitschia mirabilis Tal

Das nächste Ziel hieß: weiter die Namibwüste erkunden. So fuhren wir zu einem Arche, der von Wind geschaffen wurde. Ein weiteres Wunderwerk der Natur!

In der Nähe gab es ein „rock sculpture trail“, Skulpturen, die durch Wind und besonderer Gesteinsart entstanden sind. Natürlich mussten wir diesen ablaufen, kann man doch auf diese Weise besser Wüstenpflanzen entdecken, nicht wahr?

Eine andere Aloeart, kurz vor der Blüte
Sieht wie ein Kaktus aus, ist aber eine Hoodia gordonii
Durch dieses enge Loch in der Blüte muss die Fliege zum Bestäuben gelangen
Junger Köcherbaum, vor dem Verzweigen
Und dann kann man sich nur wundern, wie sie auf Felsen stehen können
Ein kleiner Gecko

Habe ich euch nicht erzählt, dass es regnet? Es regnete so stark, dass der berühmte Sossusvlei Canyon, der mitten in den Sanddünen liegt, überschwemmt wurde und tagelang nicht befahrbar war. Nichts wie hin, entschlossen wir uns, denn nach dem Regen kommen die Pflanzen und mit den Pflanzen kommen die Tiere!

Auf dem Weg zum Canyon überquerten wir den Wendekreis des Steinbocks. Das ist unser südlichster Punkt der Erde auf all unseren Reisen, südlicher waren wir noch nie!

Der Eingang vom Dorf Solitaire liegt verlassen. Außer einer Tankstelle, einem kleinem Hotel gibt es eine Bäckerei und dort gibt es einen super leckeren Apfelkuchen!

Und dann sahen wir die grüne Wüste! Einfach einmalig! Wie grüner Nebel schwebte das grüne Gras über dem Boden. Richtig kitschig!

Und dann entdeckten wir die Orynx
Genüsslich knabberten sie am frischen Gras
Sossusvlei unter Wasser
Auf eine Düne zu klettern ist ein besonderes Erlebnis, zwei Schritte vorwärts und ein Schritt zurück rutschen. Das geht schön in die Wadeln!
Rundherum Wasser!
Eigentlich sieht die Wüste so aus wie das Death Vlei! am Ende des Canyons
Und schon nach ein paar Tagen ist der Boden getrocknet

Nun sind wir in Windhoek wieder einmal gelandet und haben unserem Auto einen grossen Service gegönnt, Wäsche gewaschen und für die nächsten Tage eingekauft. Morgen geht es südwärts und wir sind schon gespannt, was auf uns zukommt. Wir freuen uns schon riesig!

21.01.2021 Windhoek, Teil 1

Schon so lange habe ich euch nicht geschrieben und erzählt, was wir erleben. Es tut unserer Seele gut, dass wir nicht in Vergessenheit geraten sind, wie aus den Augen, aus dem Sinn, (das darf ich schon einmal sagen, gell), wenn wir von überall Anfragen bekommen, wie geht es euch? wo seid ihr?

Uns geht es blendend! Wir sind in einem Vorhimmelparadies, in Namibia, nach vielen Dezember-, Januarregen. (Es regnet immer noch und alle finden es ist langsam genug, da alle Stauseen über 100 % voll sind und sehr viele Straßen zerstört sind. Das sind Kosten und das in dieser Corona bedingter schlechter Wirtschaftslage.)

Zum zweiten ! Frühstück gibt es bayerische Brotzeit, wie es sich gehört mit süßem Senf, und für Niggi dazu ein kleines Helles zum Genießen. Wir schwelgen zwischen zünftigen Mahlzeiten und Einsamkeiten in der Wüste Namib. Das einzige Negative, (man muss ja immer etwas zum Bremsen der Euphorie bekennen), ist, dass wir unser Englisch nicht mehr praktizieren können, es wird deutsch gesprochen.

Am 31. Dezember verließen wir Botswana mit einem negativen PCR-Test in der Tasche. Der Grenzübertritt dauerte nur 2 1/2 Stunden, ohne Ärger, Warten, Diskussionen, eine Rekordzeit! In Namibia begrüßten uns sociable weavers, sehr unscheinbare kleine Vögel, die aber zusammen zu Hunderten Reihenhäusernester bauen und miteinander leben.Und wenn kein Baum zur Verfügung steht, was in der Trockensavanne sehr schnell möglich ist, wird zusammen eine Telefonstange oder Elektromasten auserkoren.

Auch konnten wir lange ein pale chanting goshawk Pärchen beim Jagen beobachten.

Das neue Jahr wollten wir gerne ein wenig feiern, so entschlossen wir uns in ein Game Lodge (Lodge mit Wildtieren) zu besuchen und uns ein wenig verwöhnen zu lassen. Und das in der Wüste!, was gar nicht ungewöhnlich hier in Namibia ist. Namibia ist ein Highlight für Touristen. Campingplätze mit eignem Bad, eigenem Trog für den Abwasch, eigener Grillstelle und der Nachbar gerade noch in Sichtweite.

Natürlich versuchen die Lodges auch Wildtiere zu schützen. Diese ist bekannt für ihre Geparden. Wir waren von der Arbeit mit diesen Tieren enorm begeistert.

Ich durfte auch ein Kätzchen streicheln.

Bald hieß es aber wieder back to the Road, die hier super sind. Selbst die Nebenstraßen, die Pisten, sind phantastisch, kaum Wellblech und perfekt unterhalten.

Jetzt war Wüste angesagt und es stimmt, jetzt kommen viele Pflanzenfotos, aber es ist ein Erlebnis der besonderen Art, wenn die Wüste blüht. Wie viele verschiedene Arten sich an die Lebensbedingungen der Trockenheit angepasst haben und wie wir auf Pflanzen reagieren. Grün heisst Leben, Farben dienen zum Anlocken um sich fortpflanzen zu können. Und das in kurzer Zeit, denn bald ist das Wasser versickert oder verdunstet, denn bald muss wieder eine lange Dürreperiode ausgehalten werden.

Aloe! Eine Blütenpflanze / kein Baum!

Wasser kann auch im Stamm gesammelt werden.

Auch Tiere genießen das viele Grün.

Einen besonderen Campingplatz, in Felsen angelegt, fanden wir und wir fühlten uns wie Höhlenbewohner, nur luxuriöser, mit Warmwasser Dusche und Toilette.

Ein Trekking führte uns zu einem uralten Köcherbaum, der kein Baum, sondern eine Aloe, eine Blütenpflanze ist.

Auch hier waren wir nicht allein, sondern die Hunde der Lodgebesitzer begleiteten uns, die zur Belohnung Wasser und Fleisch bekamen. Liebe geht ja durch den Magen!

Nun kam der Höhepunkt meines botanischem Lebens! Seit meinem Studium an der Uni Zürich träume ich davon, einmal in meinem Leben Welwischia mirabilis in der Natur, wild, sehen zu dürfen, die nur hier in Namibia, in der Namibwüste (und Südangola) vorkommt. Sie ist die einzige Art ihrer Gattung und ihrer Familie, eine Pflanze, die ein lebendes Fossil ist, die Merkmale von Nadelbäume und Blattpflanzen besitzt, also in der Evolution zwischen diesen beiden stecken blieb.

Zuerst mussten wir Flüsse durchqueren,

Euphorbien bewundern, die wie Kakteen aussehen,

Flechten bestaunen, die vertrocknet erscheinen, aber mit ein paar Tropfen Wasser sich strecken und zeigen, welche Kraft in ihnen steckt,

oder den Dollarbusch, dessen Blätter wie Münzen aussehen.

Aber dann kam sie! Welwitschia mirabilis! Ist sie nicht wunderbar?!

Dieses Individuum ist 1 500 Jahre alt!

Es ist ein Baum mit Jahresringen, wie der verholzte Stamm es beweist.

Wie beim Nadelbaum sind die Geschlechter getrennt.

Weibliche Pflanze mit Zapfen