13.10.2019, Wieder in Äthiopien

Fast ein halbes Jahr waren wir in der Schweiz, so lange hat es gedauert bis Niggi sich soweit erholt hat, dass wir ohne Angst ein weiteres Abenteuer starten können. Der Abschied viel uns schwer, hatten wir in der Alters-WG uns so wohl gefühlt, hatten wir so viele schöne Kontakte mit Freunden und auch unsere Familie war uns wieder näher gekommen. Was wird auf uns zukommen? Ist das Auto noch in Addis? In welchem Zustand?

Flughafen ZH

Am Dienstag Morgen, den 8.10. landeten wir in Addis Abeba und Afrika empfing uns. Es begann, dass der Taxifahrer mehr für die Fahrt ins Hotel verlangte, als es üblich ist. Natürlich wusste ich den Preis, so dass er notgedrungen einschlug. Das Hotel wusste er nicht, obwohl er 2 Minuten vorher ganz fest versicherte, dass er den Weg wüsste. Ich versicherte ihm, dass ich ihn leiten kann. In der Nähe des Hotels musste er aber fragen, in welcher Seitengasse es liegt. Beim Bezahlen meinte er, er müsse mehr Geld bekommen, hätte er doch das Hotel gefunden. Bei soviel Logik konnte ich nur noch ja sagen und ihm ein Trinkgeld geben.

Nach einer Dusche ging es zur Mercedes Vertretung, um die grosse Überraschung zu erleben. Unser Auto war noch da, keine kleinen und große Besucher hatten unser Auto heimgesucht. Schnell die Batterie angeschlossen und schon summte der Motor. Was für ein Wohlklang. Ein riesengroßer Stein viel uns vom Herzen. Eine Carwäsche und unser Auto sah wie neu aus.

In den nächsten 3 Tagen stauten wir in Addis von Ost nach West, von Süd nach Nord und umgekehrt. Wir brauchten noch eine Autoversicherung für die nächsten Länder, die wir besuchen wollen, wir mussten ein VISA für Kenia besorgen (das enorm schnell, unbürokratisch und sehr freundlich ausgestellt wurde) und eine SIM-Karte, damit wir wieder online sind. Natürlich mussten wir uns von allen verabschieden und uns bedanken, die uns geholfen haben. Ohne ihre Hilfe hätten wir es nicht geschafft.

Todmüde gingen wir nach einem Bier zu Bett.

Wir wollen zum Semien Gebirge und dort ein paar Tage Treccken. Auf den Weg dorthin nimmt uns die äthiopische Landschaft gefangen.

Neben der Landschaft bewundern wir die riesigen Euphorbien, die gerade blühen und die Aloe.

Als wir die ersten Dschelladas (Rotbrustpaviane) am Straßenrand entdecken, bin ich so aufgeregt, dass ich nur 1 Foto etwas wird, das ich euch zeigen kann. Alle anderen sind verwackelt oder unscharf oder man sieht gerade noch ein Tier, das wegspringt.

Die Dornen von den Dornakazien erinnerten uns an die Reifenpannen unserer 1.Afrikatour 1980. Wie haben wir diese Bäume verflucht!

Auf den Feldern ist bald die Hirse reif.

Auf unserem Speiseplan steht Mittags und Abends Avocado und Papaya. Hmm, reif geerntet schmecken sie sehr fein. Gestern war Sonntag, so dass viele Äthiopier frei hatten oder die Zeit genutzt haben, ihre TukTuk zu waschen. Ein paar Kamikazefahrer weniger auf der Straße!

Halten wir irgendwo an, so sind wir nicht allein. Sofort kommen Äthiopier, um uns zu begrüßen und vor allem unser Auto zu bewundern. Auch interessiert es sie, was wir essen, wie wir leben und so beobachten Sie uns, bis wir bye bye sagen.

20.05.2019, Addis Abeba

Sonntag in einer afrikanischen Großstadt ist nicht gerade lustig, lieber einen Ausflug in die nähere Umgebung machen. Mit dem Ehepaar Gloor, das mit uns nach Ägypten aufgebrochen war und die ich hier in Addis wieder traf, fuhr ich Richtung Süden nach Tiya. Warum nicht gleich mit einem UNESO Kulturerbe beginnen?

Wunderbare gemeißelte Stelen (Grabsteine) aus einer uralten äthiopischen Kultur konnten wir entdecken.

Grabstele von einer Frau
Grabstele von einem Mann

Dann ging es zurück zur Adadi Mariam, einer Felskirchen aus dem 12. Jahrhundert, die von der Erdoberfläche nach unten ausgehoben wurde. Wenn das Kreuz nicht den Mittelpunkt zeigen würde, würde man nicht sehen, dass hier eine Kirche steht. Über Treppen muss man heruntersteigen, um in die Kirche zu gelangen.

Auf der Heimfahrt begegneten uns sehr schwer beladene Esel.

18.05.2019, Addis Abeba

Wenn ich schon in Addis Abeba bin, dann muss ich unbedingt in das National Museum gehen und „Lucy“ guten Tag sagen, Lucy, die missing link zwischen affenartigen und Homos, hier in Äthiopien in den 70-er Jahre entdeckt und genannt Lucy, weil die Anthropologen in dieser Zeit den Beatles Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ liebten. Die Ausstellung ist gut gestaltet. Zuerst können die Knochenfundstücke bewundert werden,

dann in einer anderen Vitrine das Modell

und zu guter letzt „Lucy“ wie sie gelebt hat.

Aber es interessiert mich auch das neue Addis Abeba. So erkundete ich eine Mall und war überrascht, dass Kindergartenkinder auch einen Ausflug dorthin hatten, denn sie besuchten die Spielhölle so wie ich.

Wieder einmal flippern! Und das mit AcDc Outfit! Hat mich gerade ein paar Jahre jünger gemacht.

16.05.2019 Addis Abeba

Kaum zu glauben, gestern dauerte die Verlängerung des Autos bis November nur 1 1/2 h! Mehr nicht!

Meine Vorbereitung Arztzeugnis für Fahruntüchtig von Niggi, die Einwilligung der Verlängerung von Mercedes und die Erinnerung der Zollbeamtin, dass Niggi mein Mann ist (hatte keine Heiratsurkunde dabei) und seine Einwilligung, dass ich Autofahren darf, all das half, dass wir (der Fixer und ich) in so kurzer Zeit wieder draußen standen. Wenn ich pessimistisch bin, war es zu schnell und die böse Überraschung kommt immer November. Aber ich bin optimistisch und Äthiopien zeigt seine funktionstüchtigen Beamtinnen und Beamten.

Zu Mittag gab es Injera (Sauerteig-Fladenbrot aus Treff) mit Wot (Soße) und Lamm (keine Fastenzeit), nur mittel scharf, d.h. Nase lief, aber keine Schweissbildung auf Oberlippe oder Stirne.

Danach Kaffee und

Hmm. Da ich frei bin, habe ich mir das Museum vom roten Terror angesehen. Ein wichtiges Zeugnis, wie Politik Menschen zerstören können.

14.05.2019 Addis Abeba

Fliegen heißt für mich in letzter Zeit „joggen“, sehen wie gut ich noch im sprinten bin. Früh genug war ich am Flughafen, kein Anstehen beim Einchecken, kein Anstehen bei der Gepäckkontrolle, einfach relaxed abreisen! Nur hatte der Abflug von Zürich 40 Minuten Verspätung, so dass ich zum Umsteigen in Wien genau 30 Minuten hatte, wobei das Abflug Gate nach Addis mit einem Shuttlebus zu erreichen war, der nur alle 10 Minuten fährt. Von 7 Personen, die von Zürich nach Addis wollten, haben es 3 Personen zum Flugzeug geschafft und ich war eine davon!

Der Flug war angenehm, hatte ich drei Sitze zur Verfügung und konnte so richtig gehend schlafen. Welcher Luxus!

So würde ich heute morgen empfangen

Als erstes war duschen angesagt, dann mit dem Taxi in die Mercedes Garage. Unser WoMo machte einen Sprung als er mich sah. Oder war das eine Einbildung? Oder war ich es?

Schnell packte ich unsere restlichen Kleider in den Koffer, begrüßte Herrn Gautschi und dann ging es schon zurück ins Hotel, ein Mittagsschläfchen war angesagt.

Blick aus meinem Hotelzimmer

Am Nachmittag ging es zu unsere „Fixer“, zu Mo und Mr Khaled. Wir besprachen das weitere Vorgehen. Morgen heißt es, die Bürokratie, den Zoll zu überzeugen und deren Genehmigung zu erreichen, dass wir unser Auto erst im November wieder fahren werden.

13.05.2019 Sarnen, Abflug Richtung Addis Abeba

Nun sitze ich im Zug nach Zürich und heute Abend geht mein Flieger nach Addis. So viel ist seit unserer Ankunft in die Schweiz am 14.04. passiert und immer wieder wurden Vorankündigungen revidiert, so dass ich manchmal nicht mehr wusste, was gilt jetzt.

Als wir am Sonntag in Zürich landeten, holte uns Florian vom Flughafen ab und wir fuhren nach Sarnen, wo Otto uns wieder anerbot, bei ihm wohnen zu können. Niggi duschte sich und fuhr dann sofort ins Kantonsspital Luzern. Dort untersuchten sie ihn und behielten ihn gleich im Spital. Seitdem leben wir getrennt, er im Spital im 12. Stock und ich in Sarnen im Unterparterre.

Die Diagnose war schnell gestellt, bakterielle Infektion der Bandscheibe zwischen den letzten beiden Lendenwirbeln. In der 1. Woche hiess es warten, ob sich die Bakterien auch außerhalb Niggi’s Körper vermehrten. Nach Lehrplan teilen sich Bakterien am idealen Ort mit idealen Bedingungen alle 20 Minuten. Das wären nach 2 Tagen so ungefähr 2.23 x 10 hoch 43. Das wäre genug, um das spezifische Antibiotikum oder Antibiotikumcocktail zu bestimmen, das diese Bakterien killen könnte. Aber die Bakterien wollten nicht.

So kam die 2. Woche und Niggi bekam die höchstwahrscheinlich wirkenden Antibiotika, nur leider fanden die Bakterien dies nicht furchterregend und vermehrten sich fleißig weiter.

Am Freitag, den 10.05., wurde Niggi operiert. Die Bandscheibe, der Nährboden der Bakterien, wurde entfernt und beide Lendenwirbel wurden mit zwei Spangen fixiert. Nun heißt es wieder warten, ob die wenigen übrig gebliebenen Bakterien vom Antibiotikum gekillt werden können.

Mit Bier aus Kamerun geht die Heilung viel schneller

Warum fliege ich dann nach Addis Abeba?

Als wir Abschied von unserem Wohnmobil nahmen, dachten wir, in einem Monat ist Niggi gesund und wir können weiterreisen. Mit Hilfe von sehr lieben Menschen konnten wir den äthiopischen Zoll überzeugen, dass wir nach einem Monat zurück seien. Was sollen wir jetzt tun? Niggi krank, das Auto in Addis, soll ich es nach Alexandria fahren, wobei ich den instabilen Sudan durchqueren müsste, allein und noch dazu als Frau? Oder sollte ich im Konvoi nach Kenia, Mombasa fahren? Beide Varianten wurden von uns verworfen, weil ich als Frau alleine in männlich orientierten Länder fahren müsste. Ausserdem gibt es einfach immer mehr Waffen. Schnell ist man zur falschen Zeit am falschen Ort.

Nun fliege ich nach Addis und versuche den Zoll zu überzeugen, dass wir erst in November weiterreisen wollen.

Über das Abenteuer werde ich die nächsten Tage berichten. Bin gespannt, wie schnell ich die Papiere mit Stempel bekommen kann.