01.09.2021, Calvinia

Alle Südafrikaner haben drei große Hobbys. Zu allererst steht “braaien”(zu gut deutsch grillen vor allem von Fleisch und Bratwürsten mit viel Holz und Holzkohle), dann “zelteln” und zu guter letzt “Off-Road 4×4 fahren”. Das Gute an diesen Hobbys ist, dass man sie mühelos miteinander verbinden kann. Da alle Südafrikaner diese nationale Kultur betreiben, ist es eine Sensation, dass braaien einmal verboten werden kann. ( Hier gab es plötzlich auftretende Winde, die die Brandgefahr erhöhten.) Deshalb versteht ihr auch, dass ein Mann mit Kochschürze abgebildet ist.

Wie unterscheidet sich das Braaing (gesprochen “brai-ing”) vom Grillieren in anderen Ländern wie zum Beispiel Iran? Gemeinsam ist ganz sicher, dass Fleisch auf den Grill kommt und Männer die Hauptpersonen sind. In Südafrika stehen sie zusammen vor dem Braai und haben eine Dose oder Flasche kühles Bier in der Hand. Fachmännisch beobachten und diskutieren sie den Bratvorgang von Fleisch und das von Frauen vorbereitete Gemüse und Kartoffeln in Alufolie. Frauen sitzen ein wenig abseits (Rauchvermeidung!) auf Campingstühlen, genießen ein Glas Weißwein und haben den Tisch mit Tischdecke, Teller und Besteck und den weiteren Zutaten wie Saucen und Salate gedeckt und tratschen über Gott und die Welt. Als Desert gibt es “koeksisters”(klebrig süßes Gebäck) oder “melktart” (Käsekuchen mit Zucker und Zimt).

Im Iran wird Teppiche und Kissen auf dem Boden ausgebreitet. Männer sitzen zusammen in der Nähe der Grillstelle mit einem Glas kühlen Saft oder heißen Tee in der Hand und beobachten und diskutieren das Bräteln der Schaschliks, während die Frauen ein wenig abseits auf den Teppichen sitzen (Rauchvermeidung) und gemütlich mit einem Glas Saft oder heißem Tee über Familienangelegenheiten tratschen. Vor sich auf dem Teppich die Fladenbrote, von ihnen vorbereitete Salate, Tomaten, Kräuter, Obst, je nach Jahreszeit Pfirsiche oder Melonen, ausgebreitet. Gegessen wird mit der Hand. Sehr große Unterschiede!

Vom Meer fuhren wir wieder nordwärts Richtung Stellenbosch, wollten wir doch diese berühmte Weingegend sehen, erleben und vor allem den Wein kosten. Die Weindegustation war eher enttäuschend, weil mir der billigere Wein von dieser Gegend, im Spar gekauft, besser mundet als der neue, speziell gekelterte Wein im Weingut.

So erreichten wir die Klein Karoo, eine Halbwüste und plötzlich kam es uns vor, als wären wir im falschen Film: “Mad Max” mit Tina Turner und Mel Gibson.

Gelandetes UFO mit Außerirdischen
Mutprobe:Verabreichung einer Schnupftabakdosis mit Hammerschlag

Leider waren wir zeitlich zu früh an diesem Platz, denn am 1. Oktober findet ein kleines, intimes, familiäres “burning man” Festival mit nur 800 Personen statt . Vor Covid feierten hier 14 000 Menschen!

Ein klein wehmütig nahmen wir Abschied von diesem speziellen Ort und erinnerten uns daran, dass wir nach Südafrika gereist waren, um die “wild flowers” zu sehen. So reisten wir zurück in die Cederberge. Die wilde Pracht der Blumen empfing uns.

Wir waren gefangen im Duft von Honig, Zwiebeln und Maggikraut. Überall Blumen in allen Farben!

Schon in Vorzeiten haben San (Buschmänner) hier gewohnt. Sie haben

gejagt
getanzt

und gemalt.

Nach dem Erkunden von frühzeitlicher Kultur fragte ich mich, ob es uns nicht gelänge, andere Orte mit spezielleren Pflanzen zu entdecken. Sollten wir nicht doch noch probieren, Lithops, “lebende Steine” zu finden?

Wer suchet, der findet …
Pflanzen, eingebuddelt in der Erde, 10 Rappen groß.

Und da! Der erste Lithops!

Wieviele Lithops sind auf diesem Foto? Die größten waren 1/2 Rappen groß.

Nach diesem Erfolgserlebnis lachte uns eine Schildkröte, die des Weges kam, aus.

Da hilft nur noch braaien und unter die Bettdecke kriechen. Die Abende sind immer noch sehr kühl. Fiel doch Schnee in den Bergen.

26.08.2021, Stellenbosch

Wir haben einen Ruhetag, es regnet! Der Himmel liebt dieses Jahr das südliche Afrika! Endlich wieder einmal Regen!

Alles ist groß in Südafrika. Immer noch fasziniert uns die Weite, die Massen der Blumen und deren Schönheit. Wir besuchen den West Coast NP.

Auch Buntböcke lieben Blumen
Bin ich gut getarnt?
Niggi’s Lieblingsvogel, Black Korhan, ist auch hier. Er genießt die Blumenwelt wie wir und reklamiert nicht, wenn wir ihn fotografieren. (Sonst fast immer!)
Selbst Leuchttürme stehen mitten im Blumenmeer
Wieder einmal können wir Flamingos bewundern

So fahren wir nach Kapstadt uns können den Tafelberg begrüßen. Wir haben enormes Glück, dass die Wolkenhaube nur wie Wattebausch ihn bedeckt.

So gelangen wir ans Kap der guten Hoffnung, wo sich zwei Ozeane treffen, der Atlantik mit dem kalten Benguela Strom und der warme Indische Ozean.

Der südlichste Punkt unserer Afrikareise ist erreicht! Von nun an geht es für uns nur noch in nördliche Richtung weiter. Für den Continent Afrika ist Cape Agulhas (S 34.829357°, E 20.009001°) südlichster Landzipfel.

Dank der beiden verschiedenen Weltmeere gibt es eine nur hier vorkommende Vegetation. Ein Highlight! Für Niggi heisst es wieder einmal anhalten und geduldig warten.

Aber sind diese Proteen nicht wunderschön? Und sie blühen jetzt! Genau, wenn ich hier bin! Für euch nur eine klitzekleine Auswahl!

Natürlich muss ich den Afrika Pinguin fotographieren, der nur hier an der Küste vorkommt.

Ein Teenager, die restlichen warmen Babyfedern im Nacken, lässt sich geduldig bewundern.
Und auch die Klippschliefer, Dassie, genießen die Sonne.

Und ich? Ich bin am Beobachten von Walen in der Hermanus Bucht, die diesen schönen Tag lieber unter Wasser verbringen wollen und nur ab und zu eine kleine Wasserfontäne in die Luft spritzen, um zu sagen, wir sind da!

Da sind mir die kleinen Vögel, wie der farbenprächtige Southern Red Bishop (Oryxweber) lieber, der sich kurz zeigt und wieder zu seinem Harem, manchmal bis zu sieben Weibchen, verschwindet.

18.08.2021, Lambert‘s Bay

Heute herrscht wirklich kein gutes Wetter. Es ist bedeckt und leichter, feiner Nieselregen lässt uns eher an eine kalte Dusche erinnern. Wir beschliessen die Cederberge zu verlassen und gegen die Küste zu fahren.

Letzer Blick vom Pass nach Wuppertal, einer kleinen Ansiedlung, deren Gründer aus dem deutschen Wuppertal stammten.

Heute sind die meisten Blüten geschlossen, da der Himmel bedeckt ist und ein kühler Wind bläst. Aber wir sind trotzdem fasziniert von der Vielfalt der Pflanzen. Blaue Blumen beherrschen die Szenerie. Wie ein blauer Dunst schweben sie über der Ebene.

Als einzelne Pflanze sind sie so zierlich, klein und zart gebaut.

Heliophila coronopifolia, Brassicaceae

Ein letzter Blick! Mit Wehmut und Begeisterung sehen wir ein riesiges Feld von orangenen Blumen.

Dann geht es zurück in die Zivilisation zu den Webervögeln und Aloen

Aloe khamiesensis

ans Meer, das tosend an den Klippen bricht

zu Meeresvögeln, wie Dominikanermöwen

oder Kaptölpel, die hier in Lambert‘s Bay gerade brüten. Welch ein Glück wir wieder haben!

Eine riesige Kolonie und jeder kennt seinen Platz
Zärtliches Werben zwischen einem Päarchen

Meine Vogelliste wächst heute mit den Eilseeschwalben, die mit ihrem gelben Schnabel und der Sturmfrisur gut zu bestimmen sind. Ein erfolgreicher Tag geht zu Ende.

17.08.2021, Cederberg

Was gibt es schöneres als ein Quivertree-Wald? Wir unternehmen einen kleinen Ausflug dorthin und werden belohnt!

In Nieuwoudtville, einem kleinen Ort im Namaqualand, bekommen wir sehr gute Informationen über die Region und vor allem kann ich endlich ein Botanikbuch über die „wild flowers“ kaufen, um die Blumen bestimmen zu können. Ich bin in meinem Element, dazu ein Glas Weißwein, was will ich mehr?

Im nahen Oorlogskloof Nature Reserve wollen wir ein wenig wandern. Die kleine Tageswanderung dauert sieben Stunden. Da der Trail Leopardentrail heißt, ist auch klettern und kraxeln angesagt.

Aber auch in anstrengenden Abschnitten erfreuen uns Blumen und Eidechsen, so dass wir eine kurze Zeit zum Atmen kommen.

Zurück auf die Hauptstraße durchfahren wir eine Alle von Zedern, für uns ein Erlebnis, für Europa normal, aber nicht für das südliche Afrika, wo dichter Baumbestand eine Sensation ist, weil entweder das Klima für Bäume zu heiss und zu trocken ist oder weil die menschlich bedingte Abholzung zu gross ist.

So fahren wir in die Cederberge, südlich von Nieuwoodtville. Die tiefen Täler sind atemberaubend.

Es muss einmal gesagt werden, Niggi verdient als Fahrer für seine Geduld mit mir ein enormes Lob. Jedes Mal, wenn ich irgend eine neue Blume entdecke, jedes Mal, wenn ich ein besonders schönes Pflanzenmeer sehe, hält er an und wartet, bis ich fotografiert habe und wieder eingestiegen bin, um beim nächsten Ausruf „Stop“ zu bremsen.

Aber die Fynbosh-Vegetation ist auch einmalig! Nicht wahr?

Die Cerderberge sind nicht nur für BotanikerInnen reizvoll, sondern sie sind ein Eldorado für Mountainbiker, Offroadfahrer und WanderInnen. (Mountainbikerinnen und Offroadfahrerinnen bin ich niemals begegnet.) So packten wir unsere Wanderschuhe aus, um zum Maltese Cross zu gelangen. Mitten in einem Tal ragt ein Fels auf, der an ein Kreuz erinnert.

Wenn wir schon im Wanderparadies sind, müssen wir noch eine weitere Attraktion besuchen, den Wolfsberg Arch. Drei Stunden kraxeln waren angesagt, dann zeigte sich der Felsenbogen in weiter Ferne, um uns nochmals die Dimension seiner Größe zu zeigen und uns daran zu erinnern, dass wir ihn erst in einer Stunde mit zügigem bergauf und bergab erreichen würden. Und wir haben es geschafft! Mittagessen unter einem vom Wind erschaffenem Rock Arch! Imposant reicht das aus einem Fels erschaffene Tor über uns auf!

Eigentlich gab es noch andere schöne Felsformationen, die uns aber erst auf dem Rückweg auffielen.

Nach weiteren vier Stunden laufen kamen wir müde zu unserem treu wartendem Bänz an.

08.08.2021,Strandfontain

Gestern sind wir kurz entschlossen wieder an die Küste gefahren. Die Aussicht auf Muscheln, Austern oder Fisch essen zu können, dafür nahmen wir gern einen Umweg von 100 km in Kauf. Niggi aß zum ersten Mal in seinem Leben Abolone, eine Meeresschnecke, eine Delikatesse, die hier vor der Küste Südafrika gezüchtet und vor allem gewildert wird. Nicht nur Nashörner werden ausgerottet! Unsere waren gezüchtet. Wer sich mehr schreckliche Nachrichten über die Ausrottung von diesen wunderschönen Schnecken zu Gemüte führen möchte, findet ausführliche Artikel auf Wikipedia.

Die Küste, das Meer ist wild und der kalte Benguelastrom sorgt für Nebel. Aber auch hier blühen jetzt Blumen.

Es ist trotz Sonne kalt, wir sitzen lieber im geheiztem Auto.

Nur die Seelöwen fühlen sich wohl. Aber auch sie Sonnen sich gerne auf den Warmen Felsen.

Auf der Fahrt mussten wir natürlich nicht auf Blumen verzichten, Blümli hier, Blümli da, überall Blümli.

Die Umgebung ist nicht nur interessant wegen der zur Zeit „wild flowers“, sondern es gibt tolle Touren durchs Gebirge.

Eine kleine Wanderung führte uns zu einem Wasserfall. Leider war das Wasser zu kalt für ein kleines Bad.

Aber nicht nur die Schönheit von Blumen ließ uns anhalten,

sondern auch Vögel führten zu waghalsigen Stopps.

Paradieskraniche (Blue Crane)
Kapweber

In den höheren Regionen wechselte die Vegetation zur Fynbos, eine Vegetation, die nur hier um Kapstadt gibt. Zum ersten Mal entdeckten wir Proteas. Einfach phantastisch! Nicht eine, sondern Strauchweise!

Aber selbst auf Felsen blühen Blumen.

In den Bergregionen wird Rooibos angepflanzt, der weltweit vermarktet wird, denn nur hier wächst er. Ich trinke ihn sehr gern, Niggi bevorzugt grünen oder schwarzen Tee.

Das waren nicht die letzten Blumenfotos. Wir werden noch länger in diesem Blumenparadies bleiben.

03.08.2021, Namaqua Nationalpark

Waren wir noch fasziniert von der grössten Dattelplantage der südlichen Hemisphäre mitten in der Wüste in Klein Pella am Orange River, so wurden wir von den wilden Blumen im Namaqualand (südlich von Namibia in Südafrika) überwältigt.

Warnung an alle Leserinnen und Leser! Ab jetzt kommen ganz viele! Fotos von Blumen, die in Wirklichkeit noch viel schöner aussehen. Dieses Weltwunder der Natur begeistert nicht nur Botanikerinnen, sondern auch Niggi.

Schon seit meinem Studium wollte ich die blühende Wüste vom Namaqualand sehen, beobachten und erleben. Eigentlich fängt die Blühsaison Mitte August an, aber dank den Socialmedia erfuhr ich, dass es dieses Jahr dank dem gutem Winterregen (Juni/Juli) früher gestartet hat . Also nichts wie hin nach Springbok dem Tor der „wild flowers blooming“.

Die ersten Blumen, Vertreter der Mittagsblüher, hießen uns willkommen. Wie ihr Name sagt, öffnen sie ihre Blüten zur Mittagszeit und neigen diese der Sonne entgegen. Toll für uns, wir müssen uns nicht frühmorgens aufmachen, um sie zu sehen.

Wem wundert es, dass ich fotografierte und bestimmte, ganz in meinem Element!

Es ist einfach phantastisch tausend und abertausende von Blumen der gleichen Art auf einem Fleck zu sehen. Ganze Täler orange, gelb oder pink.

Auch Einzelgänger dazwischen sind wunderschön.

01.08.2021, Klein Pella, Namaqualand

Heute Morgen begrüßte mich die Sonne als feuerroter Ball. Die Farbe ist genau richtig für den 1.August eingestellt, kam mir in den Sinn. Vielleicht fragt sich jemand jetzt, steht ihr so früh auf? Aber nein, es war 7:30 Uhr und wir gehen um 21:00 Uhr zu Bett, also genügend ausgeruht, oder nicht?

Wir campten in Upington, einer kleineren Stadt in Südafrika, gleich nach der Grenze von Namibia. Gestern überquerten wir die Grenze, was sich als sehr einfach erwies. Es haben nur zwei Grenzorte zwischen Namibia und Südafrika offen und wir dachten, das wird ein Tohabu mit einer großen Schlange von Autos geben. Aber denkste, keine Autos, keine Touristen, keine LKWs, so das die Ausreise aus Namibia nur zehn Minuten dauerte und die Einreise nach Südafrika eine Stunde, aber nur deshalb länger, weil wir einen Schnelltest, ob wir Corona hätten, unterziehen mussten. Zum Glück waren wir negativ und schon waren wir im Land am Zipfel von Afrika.

Wie üblich hieß es dann im nächsten Ort, Upington, SIM-Karte kaufen, ATM überfallen und einkaufen. Zum Abendessen gab es Bratkartoffeln, griechischer Salat (mit Feta und Oliven) und vom Niggi ein perfekt grilliertes Château Briand, dazu ein Glas Shyrah, was will man mehr? Wir sind ja auch im Land des „Brai“, des Barbecues. Jeder Platz auf den Campingplätzen hat eine eigene Grillstelle.

Wenn wir reisen, fragen wir uns am Abend, was waren die Highlights heute? Heute war das Entdecken eines Adlernestes ( Verreaux‘s (Black) eagle). Wir konnten zusehen, wie der Adler sein Junges füttert.

Ein weiteres Highlight war die Fahrt durch den Köcherbaumwald (Quivertree, der auf Afrikaans „Kokerboom“ heißt). Es war ein Wiedersehen, eine Wiedererkennung, eine Wiederbegegnung! Wir fragten uns, weisst du noch? Aber dieses Mal war es noch ein wenig anders. Wir sahen noch Quivertrees blühen, leider nicht mehr voll in der Blüte, da waren wir von der Zeit zu spät, aber dennoch, die Blüte von Aloen zeigte uns die systematische Bestimmung der Pflanze.

Auch den Oranje-Fluss haben wir schon im Süden von Namibia gesehen, fotographiert und mit einem Kanu bereist. Wieder war es faszinierend einen so riesigen breiten Fluss in einer Wüste zu sehen.

Wasser ist Leben und so wird die Wüste zu einer langgestreckten Oase am Ufer des Oranje. Weintrauben und Orangen gedeihen.

26.07.2021, Windhoek

Ich sitze auf einem Plastikstuhl auf dem Mercedes M+Z Motors Areal über mir das Schild „Costumers not allowed in the Workshop Areal“ und genieße die warme Sonne und die kühle Luft, während Niggi mit den Automechanikern unseren Mercedes Sprinter umkreist, diskutiert und mechanische Probleme erörtert. Keine Sorgen, bitte, unser Bänz hat nur kleine Probleme, wie das hintere Rücklicht reparieren, gebrochene Aufhängung des Dieselpartikelfilter zu ersetzen, und, wie kann es anders sein, die vorderen Stoßdämpfer zu wechseln, die wir erst erneuert haben. So sieht Niggi den Mechaniker zu und hofft ein klein wenig von ihnen zu lernen.

Wir sind seit letzten Freitag wieder in Afrika! Schwer war der Abschied von unseren Kindern und Enkelkindern, nicht einfach war es unseren Freunden „tschüss“ zu sagen. Wie schön war jedes Treffen und wie sehr wurden wir verwöhnt! Aber uns zieht es wieder weiter. Wie nah Fernweh und Heimweh in meinem Herzen beieinander liegen! Kaum sind wir in der Schweiz, dann träume ich von Reisen und sind wir in einem fremden Land gelandet, frage ich mich, wie es meiner Familie und Freunden geht. Ich vermisse sie.

Wann beginnt eine Reise? Mit dem Kauf eines Reiseführers? Nein, denn früher, las ich die ersten Seiten im Flugzeug mit einer nebeligen Vorstellung von dem Land. Überraschung war groß geschrieben. Die erste Nacht im Hotel war gebucht, so dass der Taxifahrer wusste, wohin er mich vom Flughafen bringen sollte, aber alles andere war mehr oder weniger offen. Vor allem keine Vorausplanungen, keine Reservationen, keine Verpflichtungen, die mich von Anfang festhielten und für Neues keinen Platz ließen, frei zu reisen, bleiben wie lange ich wollte, das Land fühlen in dessen Tempo. Auch mit der Erkenntnis nicht alle Highlights gesehen zu haben.

Also, startete die Reise für mich mit dem Kauf eines Flugtickets? Nein, denn die Flugtickets waren billiger, wenn man diese Monate im Voraus buchte und vor allem war in früheren Zeiten der Flug ausgebucht und bestimmte so, ob die Reisezeit um ein oder einige Tage kürzer war. Ärgerlich, nicht wahr?

Vielleicht begann die Reise mit dem Bauchgefühl, mit der Sehnsucht ein Land zu besuchen, in dessen Kultur einzutauchen, fremde Gerüche aufzunehmen, exotisches zu essen, den Sound zu hören, der Kitzel immer etwas Neues zu erleben.

Heute ist die Frage leicht zu beantworten. Eine Reise beginnt mit einer Anmeldung für einen PCR-Test und ist dieser positiv, so ist das Flugticket nutzlos. Man bleibt 14 Tage in Quarantäne zu Hause und fragt sich, wo habe ich die Viren aufgeschnappt oder stimmt das Testergebnis? Ist das Ergebnis negativ, werden die Koffer fertig gepackt und es kann losgehen. Zwischen Durchführung vom Test (Nasenbohren) und Nachricht des Testergebnisses vergehen Stunden mit Zittern und puren Stress, was mache ich, wenn …. Ich bin einer übermächtigen Macht ausgeliefert. Deshalb fühle ich mich vor dem Test krank, habe Schnupfen, Halsschmerzen und Kopfweh, aber kaum ist das Resultat bekannt, werde ich gesund.

Es ist kalt! Zwei Jacken halten mich warm.

Es war so schön unseren Bänz wieder zu sehen. Schnell war das Warten in der kalten Flughalle, das langsame Vorwärtsgehen in der Schlange zum Fiebermessen, Passkontrolle, PCR-Test-Abhacken vergessen, das Abholen hatte geklappt und bald konnten wir unser Gepäck in unser Auto verstauen. Noch den Einkauf erledigen, leider kein Bier, da Corona bedingt Alkohol von Donnerstagabend bis Montagmorgen nicht verkauft werden darf. Als nächstes fuhren wir auf dem Campingplatz von Düsternbrook, nur eine Stunde von Windhoek entfernt. Dann kam die Arbeit! Alles einräumen, was wir mitbrachten, altes neu sortieren. Ich fühlte mich reich. Was wir alles besitzen, kam mir in den Sinn. Ich brauche nichts mehr, um zufrieden zu sein.

Dürstenbrook

Am Sonntag machten wir durch die vertrockneten Berge eine kleine Trekkingtour. Wie grün wir Namibia in Erinnerung hatten! Nun ist alles braun, hellbraun das hohe Gras, dunkelbraun die Akazien, nur noch kleine Blätter erinnern daran wie der Baum vor vier Monaten ausgesehen hat.

Corona beherrscht das Leben mehr als je zuvor. Sechs Mitarbeiter im Management der großen Garage starben! Restaurants sind zu, nur für take-away offen, wenige Menschen, Autos sind auf der Strasse, ab 21:00 Uhr ist Ausgehverbot, die Malls sind leer, da nur Geschäfte geöffnet sind und der Food-Court geschlossen ist. Auf dem Campingplatz in Windhoek gibt es einige Touristen, aber die Deutschen fehlen, weil sie daheim in Quarantäne müssen, sie haben ihre Reise verschoben oder gecancelt. Touristen sind gern gesehen und dürfen im ganzen Land reisen.

Cotyledon (Schweinsohr)
Bleistiftbaum (Euphorbia)

Es ist wunderbar wieder Pflanzen und Tiere zu entdecken.

Eine kleine Eidechse kriecht aus ihrem Versteck.
Auf der Bagatelle Lodge leben auch zahme Kudus.

Nun sind wir auf dem Weg nach Südafrika. Wir durchqueren die Kalahari mit den roten Dünen.

Natürlich müssen wir einen Stop in der Bagatelle Lodge machen. Zu schön sind die Erinnerungen vom Januar.

Gute Nacht!

12.03.2021, Windhoek, Flughafen

Wir sind wieder einmal in Windhoek und ich möchte euch gerne von den letzten Highlights erzählen, aber jetzt komme ich in Schwierigkeiten, denn ein Highlight für mich ist nicht eines für euch. Das beste für mich in der letzten Zeit war der Kauf von Flugtickets in die Schweiz. Ja, wir fliegen heute am 12.03.2021 nach Zürich! Ich, wir freuen uns irrsinnig auf unsere Familie, auf unsere Freunde. Ich bin fast krank vor Sehnsucht nach unseren Enkelkinder und Kinder. PCR-Test (negativ), Vorbereitungen für das Abstellen unseres Bänz in Windhoek in ein Autohotel, 2 1/2 Tage putzen (Wüstensand überall), das Ganze machte mir nichts aus, Hauptsache ich kann meine Familie bald in die Arme schliessen. So hatte ich auch keine Zeit im Blogg weiter zu schreiben, denn neben dem Organisieren und Putzen auf dem Campingplatz in Windhoek „mussten“ wir mit Touristen (hauptsächlich mit Schweizern! und Deutsche) viel palavern, quasseln und berichten. Waren wir bis anhin gewöhnt, alleine auf Camptingplätzen zu sein, war es hier fast voll von Touristen.

Ein anderes Highlight war der Besuch vom Etosha NP. 7 Tage fuhren wir von West nach Ost und versuchten Tiere zu entdecken und zu besichtigen. Kaum Touristen trafen wir auf den Campingplätzen oder auf den Straßen. Wir waren allein im Park, der die Grösse von der halben Schweiz hat. Ich weiss, gar nicht was Namibier von der Schweiz denken, denn wenn wir uns auf den Campingplätzen anmeldeten, dann meinten die Rezeptionistinnen, natürlich Schweizer. Und wirklich, von den 4 Autos auf dem Campingplatz waren zwei aus der Schweiz, ein anderes aus Deutschland. Die Tiere waren gar nicht mehr Autos gewöhnt, so dass sie nicht scheu und eher neugierig auf uns reagierten.

Ein schwangeres Oryx Weibchen ist am Morgen erstaunt, dass wir vorbei fahren
51 ! Oryx genießen die Mittagszeit. Ein paar Springböcke suchen Schutz bei den Spiessböcken.
Immer wieder kreuzten Steppenzebras unseren Weg.
Und plötzlich liegen zwei Löwinnen am Straßenrand und lassen sich nicht bei ihrem Nickerchen stören.
Ein junger Schabrackenschakal überquert seelenruhig die Strasse.
Zwei Blackfaced Impala, Mutter und Kind, schmusen miteinander.
Sicher war es für uns ein besonderes Erlebnis eines der sehr scheuen Nashörnern fotografieren zu können.
Eines der vielen Giraffen, die uns über den Weg liefen.

Natürlich interessierte ich mich für die vielen verschiedenen Vogelarten. Niggi musste immer wieder anhalten, damit ich den Vogel bestimmen und in meiner Liste eintragen konnte. Was nicht so einfach ist, denn diese hatten nicht immer die Geduld und waren schneller weggeflogen, bis ich sie zuordnen konnte. Aber immerhin bin ich jetzt 150 Vögel bestimmt.

Doubled-Banded Sandgrouse
Purple Roller
Black Korhan, Niggis Lieblingsvogel. Er passte am Wegesrand erhöht auf einem Stein uns ab und begleitete uns laut zetern bis er genug hatte.

Natürlich haben wir noch viel mehr verschiedene Tierarten fotografiert, aber Niggi meinte, mehr kann ich euch nicht zumuten. So will ich euch noch ein paar Landschaftsbilder zeigen.

Eigentlich hat es diesen namibischen Sommer sehr viel geregnet und alle Farmer waren froh. Auch wir, hatten wir eine grüne Wüste gesehen und Gnus, die aus Etosha NP in den Süden auswanderten. Nur in Nordwesten von Namibia, an der Grenze nach Angola, hat es fast nichts geregnet. Auch in Angola fiel dieses Jahr der Regen aus, so dass die Stauseen und Flüsse wie der Cunene zu wenig Wasser führen. Alle andere Stauseen sind 100 % gefüllt, was als Ereignis gefeiert wird.

So waren wir ein wenig enttäuscht, als wir den Epupa Wasserfall besuchten. Was für ein kleiner Rinnsal! Eigentlich donnern hier riesige Wassermassen vom Cunene herab.

Von der Angola Grenze ging es wieder südwärts und wir besuchten den Waterberg, einen speziellen Tafelberg, wo wir wandern wollten. Müssen wir doch für die Schweizer Berge trainieren!

Nun sind wir am Flughafen und stehen am Gate, wartend auf unseren Flug. Leider muss ich aufhören und freue mich, euch die vielen anderen Fotos in der Schweiz zu zeigen.

Bis bald!!!

21.02.2021, Cornie Camp, Nähe Epupa Falls, Grenze Angola

Heute ist Sonntag und wir haben nach fast 2 Wochen Wüste entschlossen einen Ruhetag am Fluss Kuene einzulegen, chillen, schreiben und Wäsche zu waschen.

Nach Swakopmund ging es weiter der Küste entlang zu der zweit größten Robbenkolonie (Arctocephalus pusillus) an der Südafrikanischen Küste, wo sich nur bis zu 100 000 Tiere sich in einer Bucht tummeln. Die größte Kolonie ist in Südafrika mit einer halben Million ! Tiere.

Schon von weitem haben wir das wie Ziegen Gemeckere anhörende Rufen der jungen Seehunde vernommen und vor allem den Geruch der Tiere wahrgenommen.

Sich Sonnen nach einem Tauchgang im eiskaltem Benguelastrom tut gut!
Wo ist meine Mami?
Endlich darf ich trinken!

Auf der Fahrt von der Küstenwüste in die Landwüste begleiteten uns Welwitschias, die hier scheinbar ihren Traum an Lebensbedingungen gefunden haben, viel Platz, viel Sonne und viel Nebel, keine Konkurrenz.

Größte Welwitschia mirabilis die wir entdeckten!
Blühende weibliche Welwitschia, welch ein Glück sie zu finden!
Blätter so dick und hart, dass selbst hier in der Wüste kein Tier sie anknabbern möchte.
Eine besonders schöne Welwitschia mirabilis in der Abendsonne.

Wenn wir Tiere der Wüste sehen und beobachten können, dann fällt mir der Film von Walt Disney „die Wüste lebt“ ein, der mich als Kind sehr beeindruckte.

Klippschliefer (Procavia capensis)
Plötzlich flogen an die 30 Braunadler um uns!

Schon früher lebten hier Menschen vom Stamm, der Damara und San, als Jäger oder später auch als Nomaden mit ihren Tieren. Ihre Felsmalereien und Felsgravuren geben uns ein wenig Hinweis, wie sie damals gelebt und welche Tiere sie gejagt haben.

Oryx, gut an den Hörnern zu erkennen. Schön auf dieser Darstellung ist auch der lange Schweif des Tieres zu sehen!
„White Lady“, ich finde die Bezeichnung richtig. Warum soll nicht einmal eine Frau, Wert gewesen sein, als Schamanin oder Hirtin abgebildet zu werden?
Felsgravuren mit Fußabdruck! Soll der Fuß die Unterschrift des Künstlers sein?
Beweis, dass die damaligen Bewohner auch gerne reisten: ein Pinguin von der Küste.
Nicht ein Löwe, sondern ein Mann, der sich als Löwe verkleidet hat, um Jagdbeute zu erbitten. Oder sich zu bedanken? Gut erkennbar, dass es sich um einen Menschen handelt, sind die 5 Zehen und der überlange Schwanz.
Zum Glück haben schon andere Menschen die Gravuren in der Wüste entdeckt! Übrigens ein weiteres UNESCO World Heritage können wir abhaken.

Und dann ging es wieder einmal auf 4×4 Routen weg von jeder Zivilisation hinein in die Einsamkeit der Wüste und ein weiteres Abenteuer stand uns bevor.

Zuerst erfreuten wir uns an das sprießende Grün!

Nach 2 Tagen kamen wir in das Hoanib Valley. Die Route führte direkt im Flusslauf des Hoanib weiter, was in der Wüste normal ist, weil ja Flüsse selten bis kein Wasser führen oder weil die Flussläufe prähistorisch entstanden waren. Da es aber im Januar so stark geregnet hatte, war die Piste zugewachsen und kaum zu erkennen. Schilf, höher als unser Auto musste durchquert werden. Und plötzlich ging es nicht mehr weiter. Ein riesiger, tiefer See im Flusslauf versperrte uns den Weg. Also zurück, neue Route finden. Aber immer wieder erwiesen sich die neuen Routen als Sackgassen. Berge rechts und links verengten das Tal. Was jetzt? Wie kommen wir aus dem Tal? Zum Glück sahen wir eine neue Route auf der Landkarte, die auch aus dem Tal führte, nur mit 50 km Umweg. Eigentlich nicht schlimm, nur waren wir mit wenig Sprit von der letzt möglichen Tankstelle gefahren, damit wir nicht zu viel Gewicht mitführten. Schaffen wir die 50 km Umweg? Selbst Niggi runzelte die Stirn und atmete tief ein und aus. Es bleibt uns nichts anderes übrig, meinte er. Also zurück zur Abzweigung! Aber denkste, so schnell ging es dieses Mal nicht, denn Niggi, schon leicht müde, es war auch schon 36° heiss, machte im Sand einen Fehler und schon steckten wir fest. Nun hieß es in der Hitze, Räder ausbuddeln, Sandbleche legen, 1 m fahren, Sandbleche finden, Sandbleche ausgraben, Sand von den Rädern schaufeln, Sandbleche platzieren, 1 m rollen, Sandbleche suchen, …… Das ganze Spiel wiederholten wir fünf mal.

Nach 2 Stunden war es geschafft! Nun konnten wir zurück fahren. Da, was hören wir? Ein Landcruiser kommt uns entgegen, Einheimische auf unsere Route. Wir berichten von dem Problem „See“ und er meint, er wisse vielleicht eine versteckte, zugewachsene Route. Wir sollen doch nachfahren. Und wirklich, durch Schilf, Busch kämpfend erreichen wir wieder die Route. Einmal mehr schwörte ich mir, keine abgelegenen Pisten zu fahren.

Kaum waren wir auf der Piste, musste der Reifen von unseren Helfern gewechselt werden. Gerne helfen wir dieses Ungemach behelfen.

Nun schnuppern wir angolanische Luft und bewundern die Landschaft, die Natur. Der Fluss bildet die von Menschen gezogene Grenze.

Hier stimmt der Name des Gebirges: Zebraberge
Halbzahme Stachelschweine werden in einem Camp gefüttert