08.08.2020, Roccadeterighi, UNESCO 3+4

Ich sitze draußen in Schorts am Morgentisch und Niggi hilft unseren Freunden aus Obwalden Früchte ernten. Es ist wunderbar warm und wir genießen die milden, warmen Sommertag in der Toscana.

Unser 3. UNESCO Welterbe Stop war Brescia. Wir standen früh auf, damit wir noch am Morgen das Museum Santa Guilia besuchen können, einen Rundgang um dem Campitolium unternehmen und weiter fahren können.

Denkste, wir vergaßen, dass es noch Corona Zeit herrscht. UNESCO Welterbe muss verdient werden! Zuerst war das Museum zu! Um 11:00 Uhr am Morgen! Einlass um 12:00 Uhr. O.k. Gehen wir also zu den Ausgrabungsstätten um den Campitolium, denken wir, das wird ja zugänglich sein. Das römische Theater war zu, okay, wegen Renovation.

römischer Tempel
Römisches Theater

Also weiter, barocken Dom ansehen (nicht UNESCO), Kaffee trinken, menschenleeren Domplatz erleben, zurück zum Museum Santa Guilia.

Wirklich pünktlich um 12:00 wurden die Pforten geöffnet und versteckt hinter der Maske konnten wir Ticket erstehen. 10 weitere Kulturbegeisterte wollten mit uns das Museum besuchen. Nur mit einer Museumswärterin konnten wir, unsere kleine Gruppe, die einzelnen Räume ansehen, und bekamen auf Italienisch erklärt, was wir sahen. Unsere Aufpasserin hielt uns zusammen und achtete darauf, dass Niggi nicht zu schnell das Museum durchrast.

Römischer Mosaikboden
Santa Guilia

Danach ging es weiter nach San Giminiano, das wir vor 42 Jahren auf unserer Hochzeitsreise entdeckten. Damals war es noch nicht UNESCO Kulturerbe. In unserer Erinnerung ragten die Türme in den Himmel, Nebel verdeckte die Spitzen, einsam durchstreiften wir die Gassen, eine Bar war geöffnet, wo wir unseren Kaffe trinken und in Zellophan eingepackte Biscotti erstehen konnten.

5 der vielen Türme
Heute können Italiener wieder alleine ihr Kulturhotspot ohne Bustouristen aus aller Welt besuchen
Zum Sommer gehört ein Sonnenschutz
Der Dom ist ausgemalt, einfach wunderschön
Ausblick in die toskanische Hügellandschaft

Und dann ging es nach Roccadeterighi, um Freunde zu besuchen.

Es gibt noch Familien, die in mittelalterlichen Städtchen wohnen.

04.08.2020 UNESCO Welterbe 1. + 2.

Gestern konnte ich nicht weiterschreiben, das Internet wollte auch schlafen gehen.

Am 6.Tag unserer Velotour kamen wir in Lausanne an. Was für einen tollen Ausblick hatten wir!

Mit Volldampf sausten wir die Laveaux hinunter.

Und dann ging es mit dem Zug heim.

In Sarnen angekommen dachten wir unser nächstes Projekt aus: Alle UNESCO Kulturgüter in Italien besuchen. Jetzt wo keine, fast keine Touristen in Italien sind, gehen wir nach Italien. Venedig ohne Kreuzfahrtschiffe, ohne Massentourismus, San Marco wie vor 40 Jahren erleben, neue italienische Weltkulturgüter, die wir verpasst haben, weil wir lieber woanders waren.

Crespi d‘Adda , ein „Juwel der Industriearchaelogie“, war unser 1. Halt. EinIndustrieller lies am Fluss Adda eine Fabrikanlage mit Stadt für die Arbeiterfamilien errichten, um dort Baumwolle und Tuch zu produzieren. Zum Dorf gehörte Warmwasserversorgung, Schule, Arzt, Kirche und Geschäfte. Natürlich sollte es ästhetisch schön aussehen.

Eingang zur Fabrik
Links Fabrikhallen – rechts Häuser der Arbeiter
Jede Halle bekam das gleiche Emblem
Ein Friedhof durfte nicht fehlen -mit dem Mausoleum der Familie Crespi

Dann ging es weiter zu unserem 2. Objekt ins Val Carmonica am Lago d‘Iseo, zu den Felsbildern, die um 8000 Jahre entstanden sind.

Val Carmonica
Pferd mit Reiter
Boot? Fisch?

Ich habe nur 2 der 140 000 Felsgravuren gezeigt. Sorry! Dafür habe ich es interessant gefunden, dass Frauen in der Nähe noch am Brunnen auf dem Stein Wäsche waschen.

Am Abend schlenderten wir nach so viel Kultur durch das Dorf Pisogne am Lago d‘Iseo.

Pisogne bei Nacht
Nach getaner Arbeit plaudert man in der Kühle auf der Straße
Die Natur wuchert und erobert sich wieder das Städtchen

03.08.2020 Start UNESCO Welterbe-Projekt Italien

Die ersten beiden Juliwochen haben wir mit Familie in der Schweiz verbracht. Zuerst waren wir am Sarnersee mit Tochter und Enkelkinder, dann am Thunersee mit Kinder und Enkelkinder campen. Es war wunderschön und wir alle genossen diese Ferienstimmung auf Campingplätze. Aber danach hieß es, wieder zu sich selber finden, denn jetzt gab es kein Kinderlärm, keine Glace verschmierte Münder, kein „muss ich jetzt wirklich – bin gerade so schön am Spielen“ mehr.

Also sattelten wir unsere Velos und schon ging es über Luzern – Willisau auf dir Route 99, die Herzroute. Ich gebe es zu, von Sarnen nach Luzern nahmen wir den Zug, weil es in Obwalden so geregnet hat. Ein Freund schrieb uns, seid ihr schon unterwegs? In Luzern scheint die Sonne! Dafür stoppten wir in Willisau nicht und radelten bis nach Langenthal, so dass wir am Abend stolz berichten konnten, 60 km geschafft. Von dort konnte uns keiner mehr bremsen. In 6 Tagen erreichten wir Lausanne.

Die Herzroute beginnt eigentlich in Rorschach und endet nach 13 Etappen in Lausanne. Niggi meinte, die Route 99 heißt so, weil sie direkt diagonal von Ost nach West durch die Schweiz führt. Für mich klang das sehr reizvoll, aber schon nach einem Tag auf der Route von Langenthal nach Burgdorf wusste ich, dass dies nur eine Werbekampagne ist. Die Route führt die Hügel rauf und runter. Gut, wenn ich also rauf gestrampelt bin, wusste ich, es geht wieder erholsam mit Höllenkarachau bergabwärts. Das perfide war aber, kaum sauste ich wie ein Pfeil herab, schon zeigte der Wegweiser „Abbiegen“ und es ging bergauf. Schluss mit dem Spaß, es ging weiter mit Strampeln und Keuchen. Deshalb heißt diese Strecke „Herzroute“, weil das Herz, Kondition gefragt ist.

Aber es war schon etwas für das Herz, für die Seele. Jeden Tag hielten wir so oft irgendwo an und sagten, wie schön ….

Eines der vielen wunderschönen Bauernhäusern im Emmental
Dazu passend das Stöckli
Bauerngärten, einfach phantastisch

Auch wir machten einen Boxenstop in der Emmentaler Schaukäserei, um uns kulinarisch mit Käse verwöhnen zu lassen.

Falls jemand auch dorthin kommt, sie produzieren …….

Die Landschaft war kolossal! Immer wieder staunten wir, wie schön das Schweizer Mittelland ist. Aber auch die Städtchen waren eine Entdeckung wert.

Burgdorf mit einer Plastik von Bernhard Luiginbuehl
Thun
Laufen, ein wunderschönes mittelalterliches Städtchen, das noch Autoparkplätze im Dorfkern anbietet
Murten mit Murtensee und Jura
Avenches mit einem Amphitheater direkt am Stadtrand. Wer kann an römischen Ruinen jeden Tag vorbei spazieren?

Wir waren nach ein paar Radltagen so fit, dass wir Umwege natürlich machten, vorausgesetzt, sie boten etwas an. So gelangten wir nach Payern, das eine der ältesten Kirchen der Schweiz besitzt und diese gerade als Museum renoviert hat.

Kirche, Kloster und Kirchhof
Die wenigen erhaltenen Wandmalereien

Rosenheim, 19.06.2020

Vor 2 Wochen wurden die Coronaregeln in der Schweiz soweit gelockert, dass wir zu der Geburtstagsfeier unsere Freundin Christa nach Steckborn an den Bodensee reisen konnten.

Apéro am Bodensee mit einem Glas „Grüner Veltliner“ nach dem Motto, wenn schon die Grenzen nach Österreich geschlossen sind, holen wir die Schmankerln des Landes zu uns.
Das Geburtstagskind und ihr Ex-Ehemann Dominik

Es war ein tolles Fest und wir sahen nach Jahren ! wieder ihre Familie. Natürlich hat uns das Eintauchen in die Vergangenheit, eine gemeinsame Saharadurchquerung 1980, überwältig. Vor 40 Jahren konnten wir als 2 junge Paare nach Tunesien und Libyen mit eigenen Landrover reisen, mit der Idee in den Nordtschad, in das Gebirge Tibesti, zu gelangen. Gut damals war der Tibesti dann doch gesperrt und die Rebellen in Nordtschad ließen keinen Touristen herein. Jahrzehnte später konnte Niggi und ich in einem kurzen friedvollen Zeitfenster im Ennedi (Nordtschad) wandern und Niggi konnte sogar den Emi Koussi (3415 m) besteigen.

Nach diesem schönen Fest ging es zurück nach Bern um die Fahrräder gegen unserer Enkelin zu tauschen und weiter zum Murtensee zu fahren.

Eskarina ruht sich während der Fahrt aus, um Abends länger aufzubleiben….

Leider war das Wetter nicht so schön, dass ein Ausflug nach Murten und ins Papiliorama (Kerzers) eingeplant wurde. Murtensee war für uns eine noch unbekannte Ecke in der Schweiz.

Endlich schön warm im Papiliorama!
Campen macht Spaß und es ist immer etwas interessantes zu beobachten
Maskentragen muss auch geübt werden

2 Tage später ging es zurück nach Bern und Enkelin wurde gegen Enkel getauscht. Welche Attraktion können wir ihm bieten, fragten wir uns. Was ist auch für ihn nebst Campen spannend? Auf zum Zürcher Zoo, wo ein neues Gehege, die Lewa Savanne, ein Nachbau von Kenia vor kurzer Zeit eröffnet wurde.

Leider nicht mit unserem Wohnmobil Richtung Savanne
Kurze Rast auf einem Termitenhügel
3 Nashörner auf einem Fleck, das haben wir bis jetzt in keinem Nationalpark gesehen
Fast wie Afrika ….
Wie in Afrika ….
Zu einem Zoobesuch gehört auch ein Abstecher zum Tiger dazu

Nach 2 Nächten ging es wieder zurück nach Bern und Enkel wurde gegen Fahrräder eingetauscht. Jetzt konnten wir den Murtensee umradeln und zum 1. Mal Murten und Avenches besuchen. Wir wussten gar nicht wie schön Murten ist.

Endlich am 15. Juni wurden die Grenzen nach Deutschland geöffnet und wir konnten nach Bayern einreisen. Natürlich nur mit Masken!

Chiemsee, Bier, Familie … Eine wunderschöne Zeit!

Wieder mobil, 31.05.2020

Am Freitag, den 14. Februar sind wir von Nairobi in die Schweiz zurückgeflogen, mit der Meinung am 30. März geht es dann wieder weiter Richtung Südafrika. Schnell noch Tschüss an alle gesagt und unser „Bänz“ bei Chris abgestellt

Unser Bänz, nicht einsam und allein in Nairobi

und schon waren wir in der Luft. Freudig begrüßten wir unsere Familie und Freunde in der Schweiz und genossen den Frühlingsanfang.

Sarnen, März 2020

Aber, wie ich als Kind oft genug von meinen Eltern gehört habe, der Mensch denkt und Gott lenkt oder es kommt immer anders als man denkt, waren diese „Wahrheiten“ nicht nur Sprüche sondern plötzlich Wirklichkeit. Der Virus Covid 19 verbreitete sich so schnell, zuerst in Italien, dann in der Schweiz und bevor wir uns entschieden hatten, hier zu bleiben oder nach Afrika zu fliegen, wurde der Flugverkehr eingestellt und am 16. März wurde der Lockdown ausgerufen. Alles stand still! Bleib zu Hause, hieß es. Alle über 65 Jahre gehören der Risikogruppe an, bei der die Lungenentzündung tödlich enden kann. So auch wir beide.

Leere Straßen in Sarnen, kein Auto, keine Menschen

Wir konnten bei unserem Freund in Sarnen weiterhin wohnen und er organisierte unseren Einkauf, so dass wir wirklich 3 Wochen keinen persönlichen Kontakt mit anderen Menschen hatten. Er war streng und wir sind ihm enorm dankbar, dass er unseren Eigensinn „selber einzukaufen“ eingeschränkt hatte, denn wir steckten uns nicht an.

Persönlich ging es uns gut, konnten wir in dieser schlimmen Zeit spazierengehen oder Fahrrad fahren, immer mit der Devise, Abstand zu anderen Menschen halten, Hände bei der Rückkehr zu waschen.

Wege wurden gesperrt, um Menschansammlungen zu vermeiden

Wir erlebten einen wunderbaren Frühlingsanfang am Sarnersee.

Dank moderner Kommunikationsmitteln konnten wir mit unserer Familie in Kontakt bleiben, konnten Home Schooling unserer Enkel mitverfolgen und bekamen endlos viele Videos und Fotos von unseren Freunden mit Berichten, wie es ihnen geht und welche schöne Wanderung sie unternommen hatten.

Aber wir waren nicht die einzigen, die in der Schweiz gestrandet waren und den Weiterflug nicht antreten konnten.

Mandarinente am Sarnersee

Nach einem Monat erstand sich Niggi ein E-Bike um nicht nur die nähere Umgebung unsicher zu machen, sondern auch die weiteren Berge zu erforschen.

Mit der Zeit wurde auch uns bewusst, dass die Pandemie nicht so schnell vorüber geht und wir auch den Sommer hier in Zentraleuropa verbringen werden. Am Donnerstag, den 7. Mai sahen wir uns Mobilhomes an, am nächsten Tag am Freitag kauften wir eines und Montag holten wir unseres ab. Unser Entscheidung fiel auf ein Fiat Ducato Adria.

Juidihui! Wir sind wieder mobil. Wir können wieder von „fernen“ Orten träumen, natürlich bis jetzt nur in der Schweiz, aber ….

Als erstes fuhren wir ins Engadin, um die Freiheit zu genießen und das Auto näher kennenzulernen. Es war einfach phantastisch die letzten beiden Monate innerhalb von 2 Stunden nochmals zu erleben. Auf den Pässen Schnee, kalter Wind, keine Pflanzen und dann ins Engadin zu kommen, das uns mit Frühling begrüßte.

Nun planen wir wieder zu reisen, freuen uns auf den 15. Juni, wenn die Grenzen nach Deutschland, Österreich und Frankreich geöffnet werden. So haben wir uns entschlossen den Blog wieder auferstehen zu lassen, damit unsere Familie und Freunden an unsere Erlebnisse teilnehmen können.

Eiger, Mönch und Jungfrau

29.03.2020 Sarnen, Schweiz

Sarnersee
Hier in der Nähe wohnen wir

Ich sitze in unserem Zimmer in der Alters-WG bei unserem Freund in Sarnen, Niggi vergnügt sich mit seinem neuen Spielzeug „Digital Kamera“ und unser geliebtes Reisemobil „Bänz“ steht einsam und verlassen in Nairobi auf dem Campingplatz „Jungel Junction“ unter der Obhut von Chris. Morgen würde unser Flug um 10:00 zurück nach Nairobi gehen und ich würde euch weiter von unserer Reise berichten, wenn nicht …..

Am Anfang der Coronakrise konnten wir uns nicht entscheiden, sollen wir jetzt nach Nairobi fliegen oder hier in der Schweiz ausharren, aber bis wir langsam darüber diskutierten, war der Virus schneller und nahm uns die Entscheidung ab. Seit zwei Wochen sind wir hier daheim und dürfen nur noch einkaufen, spazieren gehen und Fahrrad fahren.

Leere Straßen, kein Verkehr, alle sind Stubenhocker geworden
Spielplätze sind gesperrt

Wir flogen am 14. Februar in die Schweiz, um unser Heimweh nach unseren Kindern und Enkelkinder zu lindern, um unsere Familien zu besuchen, um mit Freunden zu quatschen und die soziale Kontakte in Deutschland und in der Schweiz zu pflegen. Vier Wochen später leben wir in einer Zeit der Social Distance und unsere Kinder und Enkelkinder sehen wir über Skype und WhatsApp ist das wichtigste Medium geworden, um ein wenig mit der Außenwelt zu kommunizieren.

Wir hoffen, dass ihr, unsere lieben vielen Freunde auf der ganzen Welt, sicher und wohlauf seid. Wir wünschen euch viel Geduld, Energie und viel Glück in dieser schweren Zeit. Wir hoffen, dass bald die Krise beendet ist und wir zurück in ein normales Leben finden, wo wir zusammen lachen und tratschen, sich besuchen und miteinander essen können.

Zur Zeit wurde die Welt entschleunigt, Hausarrest auferlegt. Wir sind froh und dankbar, hier sein zu können. Wir können kochen, in der Umgebung spazieren gehen, und ab und zu treffen wir Menschen, die wir in gebührenden Abstand von zwei Metern grüßen und kurz sich mit ihnen austauschen können, wie es ihnen geht, was sie machen. Ein bisschen mehr als WhatsApp und viel weniger als ein gemütlicher Plausch in einem Café.

Der Frühling ist da und wir erfreuen uns an die wunderschönen Pflanzen.

Eins wissen wir noch nicht, konnte die Mandarin Ente nicht mehr nach Hause, nach China, fliegen, weil die Grenzen zu sind

oder war es die Liebe, die sie hier bleiben lässt….

06.02.2020, Mbuyu Beach Lodge

Wir sind wieder am Indischen Ozean angelangt (blauer Punkt).

Nun sitze ich am Strand, höre die Wellen und kann fast nicht auf das Meer schauen, so hell gleissend wird das Licht vom Meer und Strand reflektiert. Aber es ist angenehm warm, der Wind erfrischt und ich habe wieder einmal Zeit und Muse zu schreiben.

Eigentlich wollten wir bis zu unserem Heimflug am nächsten Freitag (14.02.), worauf wir uns schon soooo lange freuen, den Mount Kenia besteigen, eigentlich wollten wir den Osten Kenias bereisen, eigentlich …..

Auf Reisen erlebt man sehr schnell, dass es nicht immer so funktioniert wie man es geplant hat. Plan B im voraus in der Tasche haben, flexibel auf neue Situationen reagieren, heißt die Devise. Im November glaubten wir es perfekt zu planen, erst nach Tansania zu reisen und im Januar in der Trockenzeit den Mount Kenia zu besteigen, denn dann wäre das Klima perfekt und wir hätten eine tolle Aussicht, ein angenehmes Trekking, kein Schnee, …. Aber das Wetter, der Regen und die Kälte, 10° am Fuße des Berges auf 2000 m Höhe, vermieste uns die Freude auf ein langes Trekking auf die Spitze, die doch über 4300 m liegt. Der Wetterbericht über wochenlangen Schnee und Regen liess uns bibbern.

Also kein in Pose gestelltes Gipfelphoto! Plan B, lass uns doch den Osten bereisen! Denkste, ersten ist die Luft nicht nur bleihaltig, weil die al-Shabaab Kämpfer aktiv sind, sondern es wimmelt auch von fliegenden Wanderheuschrecken in Nord- und Westkenia, die schlimmste Plage seit 70 Jahren. Kahlgefressene Felder, grosse Heuschrecken überall, verzweifelte Menschen und nicht helfen können, das wollen wir nicht erleben.

Was sollen wir tun? Die Zeit bis zum Abflug in Nairobi verbringen? Zum Glück gibt es immer wieder Treffen mit anderen Touristen, die einem von einer wunderschönen Loge vorschwärmen. Das ist Plan C.

So sind wir hier am Meer angelangt, genießen den Stand und das Wasser. Endlich kann ich mir den Wusch, im marinen Nationalpark, am Corallen Riff zu schnorcheln, erfüllen.

Danach geht es zur Lodge zurück! Am Straßenrand muss ich kurz warten, aber allein bin ich nicht. Schulkinder gönnen sich vor dem Nachhauseweg auch eine Pause.

Es ist Apérozeit. Selbst die Kühe wandern nach Hause.

22.01.2020, Eldoret

Vielleicht erinnert ihr euch, dass wir schon einmal am 5./6.11. in Eldoret waren.

Unsere Reise von Masai Mara führte uns zuerst westwärts. Wir wollten in Lela nordwärts zum Victoriasee fahren, aber die starken Regenfälle liessen den Fluss Migori über die Ufer treten.

Da half auch diskutieren nichts,

umkehren war die einzige Lösung und nordwärts über Kilgoris zum Victoriasee reisen.

Das“Mittelmeer Ostafrikas“ wird von Kenia, Tansania und Uganda geteilt. Wie so vielen Seen auf der Welt geht es dem See nicht so gut. Eine immense Bevölkerungsexplosion, damit verbundene Überfischung, Verschmutzung, alles überwuchernde eingeschleppte Wasserhyazinthen reduzieren den Sauerstoffgehalt im Wasser, Aussetzung von fremden Fischarten wie den Nilbarsch hat die einheimischen Fische (Talapia) reduziert. Weil es weniger Tilapia gibt, nehmen die Wasserschnecken zu und die Krankheit Bilharziose lässt das Baden vergessen. Wasserschnecken sind die Zwischenwirte vom Saugwürmer, deren Larven an der Wasseroberfläche auf den Wirt Mensch warten. Schon beim Waten im Wasser können die Larven in die Haut eindringen und sich zur Harnblase vorarbeiten. Dies führt zu Blasenkrebs.

Das umliegende Agrarland ist sehr fruchtbar, aber die vielen Menschen sind sehr arm. Selbst die kleinsten Fische werden gefangen, auf der Straße getrocknet und verkauft.

Zur Zeit ist Maisernte. Auch Mais wird auf riesengroßen Plastikplanen auf dem Boden getrocknet. Hühner picken genüsslich Körner auf und geben so nebenbei ihr Kot auf die Ernte ab, Motorradfahrer vermeiden den Umweg und fahren über die Körner, LKWs werden mit gefüllten Säcken beladen. Warum außerhalb der Planen mit dem Mais parkieren, wenn es einfacher ist mitten herein auf die Planen zu fahren? Der Mais wird dann in die Mühlen gebracht, wo er gemahlen wird. Aus Maismehl wird Ugali, das Nationalessen von Kenia, Tansania gekocht.

Die HIV Rate um den Victoriasee ist doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt, weil es sich eingebürgert hat, dass die Fischer „Fish for Sex“ den Frauen anbieten, die den Fisch weiterverkaufen und diese so die Erwerbskosten durch „Sex for Fish“ reduzieren. Obwohl der Staat Kondome kostenlos verteilt und Aufklärung betreibt, ist Schutz bei Sex verpönt.

Von einem schön gelegenem Campingplatz buchten wir eine kleine Segeltour.

Leider mussten die Segel eingestrichen werden

und mit rudern ging es weiter.

Trotzdem kann man ja schnell mit vorbeifahrenden Fischer quatschen.

Auch vom Strand aus werden Fische per Netz gefangen.

Vom Victoriasee ging es in den Kakamega Forest, wo wir am 17.01. übernachteten. Ganz luxuriös! Ganz englisch, amerikanisch nobel, auf einer alten Missionsstation mitten im Regenwald! Es war so wunderschön dort, der Garten war phantastisch angelegt, da mussten wir bleiben!

Afternoon Tea mit Kuchen allein im Garten.

Wieder einmal in einem großen Bett übernachten!

Und dann die Blumen!!!

Natürlich gab es Orchideen zu bewundern.

Eine kleine Rundwanderung führte uns tiefer in den Regenwald.

Zur Zeit hatte es ganz viele verschiedene Schmetterlingsarten, da sehr viele Blumen blühten.

In einem Regenwald dürfen Pilze nicht fehlen.

Nach diesem Verwöhnungstag ging es weiter in den Norden zum Mount Elgon, einem erloschenem Vulkan, der über 4000 m hoch ist. Auf den Weg zum Campingplatz (Wiese) unterhalb des Gipfels auf 3500 m begegneten uns noch ein paar sehr scheue Colobus-Affen.

Am frühen Morgen zogen wir los, um zum den Kraterrand zu kommen und nach Uganda zu schauen. Muss ich sagen, dass die Flora am Mount Elgon speziell und einfach wunderschön ist?

Blick zurück zum Auto

Blühende Distel

Strohblumen

Durch einen Lobelienwald

Und zurück in die Zivilisation!

Ein richtiger Kaffee in einem Restaurant ist ein Hochgenuss.

13.01.2020, Masai Mara

Am 8.01. fuhren wir von Nairobi westwärts zum Vulkan Suswa. Die Ausfahrt aus Nairobi war afrikanisch, total chaotisch, rechts und links wurden wir von Minibussen überholt, deren Fahrer die Einstellung hatten, jetzt ist Ralleyzeit, dazwischen kurvten Motorräder, die fanden, es ist genügend Platz dazwischen zu fahren und zuletzt wurden wir von PKWs auf der Gegenfahrbahn überholt, dessen Fahrer der Geduldsfaden geplatzt war und fanden der entgegenkommende Fahrer hat Verständnis und weicht aus oder wir würden genügend Angst haben und ihn im letzten Augenblick einbiegen lassen.

Hatten wir dann Nairobi hinter uns gelassen und freuten uns auf einen Abend in der Natur, hieß es zuerst noch auf den Vulkan zu kommen! Das musste verdient werden! 30 km bergaufwärts über Felsen, Matsch und überflutete Straßen und das nur in Schritttempo! Unser Benz zeigte was er kann. Selbst Treppensteigen oder durch tiefes Wasser waten war kein Problem, kein einziges Mal blieb er stehen und meinte, jetzt langt es.

Campen am Kraterand

Blick in den Krater

Am Morgen. Der Nebel im Krater durch Dampf aus heißen Quellen

Wir blieben gleich 2 Nächte und wanderten durch einen Akazienwald zum nächsten Gipfel.

Die „Kugeln“ an den Ästen sind Wohnhäuser von Ameisen, die bei Erschütterung sich auf den Feind stürzen und mit ihren Gift ihn zu verjagen versuchen. Manchmal sind es Kamele, Ziegen oder eben Wanderer, die sich zu nahe heranwagten.

Weiter ging es westwärts zum Masai Mara Nationalpark, dem nördlichen Teil vom Serengeti, der in Kenia liegt. Der größte Teil von der Serengeti mit dem Norogoro Krater liegt in Tansania. Wir hatten uns entschieden zum westlichsten Teil, zum Mara Triangle, zu fahren, da dieser Teil weniger touristisch ist.

Auch das musste verdient werden. Nichts ist umsonst in Kenia! Alles hat seinen Preis! Die Zufahrtsstraße ist so miserabel, das wir für die 90 km von der Hauptstraße zum Camp in der Nähe des Gates fünf Stunden brauchten. Jetzt können wir auch es verstehen, warum alle Touristen in den Nationalpark fliegen und es am Gate gleich 2 Flugpisten gibt.

Wieder wurden wir belohnt. Zebras begrüßten uns am Morgen!

Und dann war es nur noch phantastisch. Der Park ist sensationell! Wir sahen ein Nashorn! Mit unserer kleinen Kamera konnten wir es natürlich nicht fotografieren, aber durch das Fernglas es zu beobachten, genügte uns. Natürlich sahen wir ganz viele Elefanten, Giraffen, Büffel, Impalas, Thomsen Garzellen.

Wir übernachteten im Park auf dem Public Campsite, auf einer erlaubten Wiese mit Blick auf den Mara Fluss für 60 Dollar, dafür gab es auch sonst nichts.

Am Morgen fuhren wir zum Mara Fluss. Und da wurde die Safari zu einem besonderem Erlebnis. Zuerst sahen wir 10 Hyänen, die sich immer mehr einem Löwenversteck näherten, wo ein Aas lag. Wann kommen wir zum Essen, schienen sie sich zu fragen.

Auch Schakale strichen hungrig herum, bereit sich ein Stückchen Fleisch zu ergattern.

Aber Löwen sind nicht sehr freizügig, wenn sie endlich ein Tier erbeuten konnten. Nur jede 24. Jagd ist erfolgreich!

Nun wurden wir nicht nur von den Tieren beeindruckt. Auch ein Tourist fand, er möchte am Morgen einen kleinen Spaziergang zum Fluss unternehmen und wanderte die Straße zwischen Hyänen entlang. Zum Glück sah dies ein Ranger und gabelte ihn auf, bevor wir ihn in unser Auto einladen konnten.

Der Masai Mara NP ist so berühmt, weil hier jedes Jahr tausende von Tiere aus Südserengeti in den nördlichen Teil wandern und den Fluss Mara überqueren. Dann beginnt ein Festmahl für Krokodile.

Auch Hippos leben im Fluss.

In der Nacht verlassen die Hippos den Fluss um zu grasen. Mein Schuh (Größe 38) ist kleiner als derjenige von Mamma Hippo. Der kleine stammt von ihrem Baby.

Wir sahen so viele verschiedene Arten von Tieren. Nur eine kleine Auswahl kann ich zeigen.

Topimännchen

Topiweibchen mit Junge

Impala

Southern Ground-Hornbill

Thompson Garzelle und Graureiher

Wasserbock

Herde von Wasserböcken

Kronenkranich

Und eine Menge von Warzenschweine, die bei der Flucht wie eine Radioantenne ihren Schwanz aufstellen. Einfach immer wieder toll dies zu beobachten.

06.01.2020, Wieder in Nairobi

Zuerst einmal wünschen wir allen „Happy New Year“!

Die letzten Tage des Jahres verbrachten wir mit Wanderungen durch den Regenwald in Masumbai. Es gehört zu einen der schönsten Erlebnissen von uns sich durch einen intakten Urwald zu kämpfen, einmal mit einem Führer, der den Weg mit Manchetenhieben herausschlug oder alleine ohne Erleichterung einer Manchete den Weg zu finden und über Wurzeln zu stolpern, durch Matsch und kleinen Flüsschen den Weg zu erobern.

Urwaldbäume haben ein spezielles Wurzelwerk, da die Humusschicht sehr gering ist. Sie konkurrieren mit den Nachbarn um Nährstoffe und die Bäume müssen sich gleichzeitig stabilisieren, denn die Wurzeln ragen nicht tief in den Boden. So war die „Erfindung“ von Stelzwurzeln erfolgreich.

Natürlich bewunderten und bestaunten wir die Vielzahl der Pflanzen

Blumen

Orchidee, die am Stamm eines Baumes wächst

und Pilze, manche sogar essbar!

Mit jedem Schritt entdeckten wir wieder etwas Neues. Ein Baum, der sich mit Dornen vor Fressfeinden wehrt.

Kaffeepflanzung

Und so viele bunte Schmetterlinge! Diese wunderschönen Tiere sind äußerst schwierig zu fotografieren. Niggi gelang es bei einem.

Wieder zurück beim Farmhaus Masumbai, das heute ein Hotel ist.

Bis vor 2 Jahren wurde hier erfolgreich Tee gepflanzt und gewonnen, aber weil die Straße nach Masumbai so schlecht geworden ist und die Lastwägen nicht die Teeblätter abholen konnten, und weil die Teefabrik in Bumbuli, dem nächst größerem Ort, schloss, werden die Teepflanzen von Wicken überwuchert. Bestenfalls werden Bohnen auf den Pflückwegen gepflanzt. Es tut einem richtig weh, dass die Dörfler kein Geld mehr verdienen können.

Und nun haben wir doch noch auf den Weg nach Nairobi den Kilimanjaro gesehen!