20.05.2019, Addis Abeba

Sonntag in einer afrikanischen Großstadt ist nicht gerade lustig, lieber einen Ausflug in die nähere Umgebung machen. Mit dem Ehepaar Gloor, das mit uns nach Ägypten aufgebrochen war und die ich hier in Addis wieder traf, fuhr ich Richtung Süden nach Tiya. Warum nicht gleich mit einem UNESO Kulturerbe beginnen?

Wunderbare gemeißelte Stelen (Grabsteine) aus einer uralten äthiopischen Kultur konnten wir entdecken.

Grabstele von einer Frau
Grabstele von einem Mann

Dann ging es zurück zur Adadi Mariam, einer Felskirchen aus dem 12. Jahrhundert, die von der Erdoberfläche nach unten ausgehoben wurde. Wenn das Kreuz nicht den Mittelpunkt zeigen würde, würde man nicht sehen, dass hier eine Kirche steht. Über Treppen muss man heruntersteigen, um in die Kirche zu gelangen.

Auf der Heimfahrt begegneten uns sehr schwer beladene Esel.

18.05.2019, Addis Abeba

Wenn ich schon in Addis Abeba bin, dann muss ich unbedingt in das National Museum gehen und „Lucy“ guten Tag sagen, Lucy, die missing link zwischen affenartigen und Homos, hier in Äthiopien in den 70-er Jahre entdeckt und genannt Lucy, weil die Anthropologen in dieser Zeit den Beatles Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ liebten. Die Ausstellung ist gut gestaltet. Zuerst können die Knochenfundstücke bewundert werden,

dann in einer anderen Vitrine das Modell

und zu guter letzt „Lucy“ wie sie gelebt hat.

Aber es interessiert mich auch das neue Addis Abeba. So erkundete ich eine Mall und war überrascht, dass Kindergartenkinder auch einen Ausflug dorthin hatten, denn sie besuchten die Spielhölle so wie ich.

Wieder einmal flippern! Und das mit AcDc Outfit! Hat mich gerade ein paar Jahre jünger gemacht.

16.05.2019 Addis Abeba

Kaum zu glauben, gestern dauerte die Verlängerung des Autos bis November nur 1 1/2 h! Mehr nicht!

Meine Vorbereitung Arztzeugnis für Fahruntüchtig von Niggi, die Einwilligung der Verlängerung von Mercedes und die Erinnerung der Zollbeamtin, dass Niggi mein Mann ist (hatte keine Heiratsurkunde dabei) und seine Einwilligung, dass ich Autofahren darf, all das half, dass wir (der Fixer und ich) in so kurzer Zeit wieder draußen standen. Wenn ich pessimistisch bin, war es zu schnell und die böse Überraschung kommt immer November. Aber ich bin optimistisch und Äthiopien zeigt seine funktionstüchtigen Beamtinnen und Beamten.

Zu Mittag gab es Injera (Sauerteig-Fladenbrot aus Treff) mit Wot (Soße) und Lamm (keine Fastenzeit), nur mittel scharf, d.h. Nase lief, aber keine Schweissbildung auf Oberlippe oder Stirne.

Danach Kaffee und

Hmm. Da ich frei bin, habe ich mir das Museum vom roten Terror angesehen. Ein wichtiges Zeugnis, wie Politik Menschen zerstören können.

14.05.2019 Addis Abeba

Fliegen heißt für mich in letzter Zeit „joggen“, sehen wie gut ich noch im sprinten bin. Früh genug war ich am Flughafen, kein Anstehen beim Einchecken, kein Anstehen bei der Gepäckkontrolle, einfach relaxed abreisen! Nur hatte der Abflug von Zürich 40 Minuten Verspätung, so dass ich zum Umsteigen in Wien genau 30 Minuten hatte, wobei das Abflug Gate nach Addis mit einem Shuttlebus zu erreichen war, der nur alle 10 Minuten fährt. Von 7 Personen, die von Zürich nach Addis wollten, haben es 3 Personen zum Flugzeug geschafft und ich war eine davon!

Der Flug war angenehm, hatte ich drei Sitze zur Verfügung und konnte so richtig gehend schlafen. Welcher Luxus!

So würde ich heute morgen empfangen

Als erstes war duschen angesagt, dann mit dem Taxi in die Mercedes Garage. Unser WoMo machte einen Sprung als er mich sah. Oder war das eine Einbildung? Oder war ich es?

Schnell packte ich unsere restlichen Kleider in den Koffer, begrüßte Herrn Gautschi und dann ging es schon zurück ins Hotel, ein Mittagsschläfchen war angesagt.

Blick aus meinem Hotelzimmer

Am Nachmittag ging es zu unsere „Fixer“, zu Mo und Mr Khaled. Wir besprachen das weitere Vorgehen. Morgen heißt es, die Bürokratie, den Zoll zu überzeugen und deren Genehmigung zu erreichen, dass wir unser Auto erst im November wieder fahren werden.

13.05.2019 Sarnen, Abflug Richtung Addis Abeba

Nun sitze ich im Zug nach Zürich und heute Abend geht mein Flieger nach Addis. So viel ist seit unserer Ankunft in die Schweiz am 14.04. passiert und immer wieder wurden Vorankündigungen revidiert, so dass ich manchmal nicht mehr wusste, was gilt jetzt.

Als wir am Sonntag in Zürich landeten, holte uns Florian vom Flughafen ab und wir fuhren nach Sarnen, wo Otto uns wieder anerbot, bei ihm wohnen zu können. Niggi duschte sich und fuhr dann sofort ins Kantonsspital Luzern. Dort untersuchten sie ihn und behielten ihn gleich im Spital. Seitdem leben wir getrennt, er im Spital im 12. Stock und ich in Sarnen im Unterparterre.

Die Diagnose war schnell gestellt, bakterielle Infektion der Bandscheibe zwischen den letzten beiden Lendenwirbeln. In der 1. Woche hiess es warten, ob sich die Bakterien auch außerhalb Niggi’s Körper vermehrten. Nach Lehrplan teilen sich Bakterien am idealen Ort mit idealen Bedingungen alle 20 Minuten. Das wären nach 2 Tagen so ungefähr 2.23 x 10 hoch 43. Das wäre genug, um das spezifische Antibiotikum oder Antibiotikumcocktail zu bestimmen, das diese Bakterien killen könnte. Aber die Bakterien wollten nicht.

So kam die 2. Woche und Niggi bekam die höchstwahrscheinlich wirkenden Antibiotika, nur leider fanden die Bakterien dies nicht furchterregend und vermehrten sich fleißig weiter.

Am Freitag, den 10.05., wurde Niggi operiert. Die Bandscheibe, der Nährboden der Bakterien, wurde entfernt und beide Lendenwirbel wurden mit zwei Spangen fixiert. Nun heißt es wieder warten, ob die wenigen übrig gebliebenen Bakterien vom Antibiotikum gekillt werden können.

Mit Bier aus Kamerun geht die Heilung viel schneller

Warum fliege ich dann nach Addis Abeba?

Als wir Abschied von unserem Wohnmobil nahmen, dachten wir, in einem Monat ist Niggi gesund und wir können weiterreisen. Mit Hilfe von sehr lieben Menschen konnten wir den äthiopischen Zoll überzeugen, dass wir nach einem Monat zurück seien. Was sollen wir jetzt tun? Niggi krank, das Auto in Addis, soll ich es nach Alexandria fahren, wobei ich den instabilen Sudan durchqueren müsste, allein und noch dazu als Frau? Oder sollte ich im Konvoi nach Kenia, Mombasa fahren? Beide Varianten wurden von uns verworfen, weil ich als Frau alleine in männlich orientierten Länder fahren müsste. Ausserdem gibt es einfach immer mehr Waffen. Schnell ist man zur falschen Zeit am falschen Ort.

Nun fliege ich nach Addis und versuche den Zoll zu überzeugen, dass wir erst in November weiterreisen wollen.

Über das Abenteuer werde ich die nächsten Tage berichten. Bin gespannt, wie schnell ich die Papiere mit Stempel bekommen kann.

13.04.2019, Addis Abeba

Wir haben es geschafft! Mit viel Glück und sehr viel Unterstützung von Freunden hier in Addis Abeba haben wir Zollprobleme lösen können und können heute schon in die Schweiz fliegen und morgen am Sonntag unsere Familie in die Arme nehmen. Wir freuen uns riesig. Es war eine gute Entscheidung so schnell wie möglich nach Addis zu reisen. Wir hatten so ein Glück die Grenze passiert zu haben, denn kurz darauf kam es zum Putsch in Sudan und die Grenze war geschlossen. Wir hatten ja schon in Port Sudan befürchtet, dass es brenzlig werden könnte, war das Militär schon ein wenig nervös und sperrte Strassen ab.

Nach der Grenze ging es nach Gonder. Leider konnten wir den schönen Norden von Äthiopien nicht besuchen, der ein kulturelles Highlight darstellt. Fast 2000 Jahre alte christliche Kirchen, die heute noch von Gläubigen als Gebetsstätte besucht werden. Aber wir hatten das Ziel so schnell wie möglich nach Addis zu gelangen. Trotzdem wurde in Gonder kurz gehalten, um das 1. Bier und Wein zu kaufen. Wir mussten noch durch den Markt, was ein absolutes Erlebnis war. Zwischen Pferdetaxis, Tuktuk, Händler und Lastwagen kam es zu einem friedlichen Schieben und Tricksen um jeden verfügbaren Platz.

Aber auch das Hochland beeindruckte uns.

Aber es war harte Arbeit, die Strecke zu fahren. Jede Stunde mussten wir abwechseln. Denn in Äthiopien gibt es viele Menschen und Dörfer. Die Dörfer sind entlang der Straße angelegt und alles, auch wirklich alles ist und lebt auf der Strasse. So muss man Hühnern, Schafen, Ziegen, Hunde, Eseln, Pferden, Eselfuhrwerken, Kühen, Kälber, Tuktuks, Lastwägen, Menschen ausweichen, denn alle haben ihre eigene Geschwindigkeit. Selbst Paviane versperrten uns einmal den Weg. Wir konnten diese Szene nicht fotografieren, weil die Strasse 1000 Höhenmeter zu einer Brücke über den blauen Nil in vielen Serpentinen herunterging und nach der Brücke wieder 1000 m hinauf ins Hochland führte, was sich ja gar nicht so schlimm anhört, wenn man nicht weiß, in welchem Zustand diese Strasse war. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 20 km, d.h. wir holperten, ruckelten, stolperten von einem Loch zum nächsten.

So kamen wir gestern Mittag in Addis an. Ein Freund gab uns eine Adresse und so stauten wir das 1.Mal am Morgen durch die Stadt, um Hilfe zu erbitten. Wir sind immer wieder erstaunt und enorm dankbar über die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft für unsere ausgefallenen Probleme. So halfen sie uns das richtige Gebäude mit dem richtigen Büro und den richtigen Schreibtisch beim Zoll zu finden, um die Auskunft zu bekommen, dass wir einen sicheren Parkplatz in Addis finden müssen, wenn wir ausfliegen wollen und das Auto hier bleiben soll. Nicht ein Hotel, wie wir es vorschlugen, sondern am besten in der Botschaft. Also nichts wie hin. Wieder durch die Stadt im Nachmittagsstau, bei einem Regenschauer zur Botschaft, die Freitag Nachmittag geschlossen war. Was jetzt? Wir erinnerten uns an die Freundlichkeit und Verständnis von den Mercedes Garagen in Zentralasien. So nichts wie stauend hin. Welcher Empfang! Der General Manager begrüßte uns auf schweizerdeutsch! Wieder erlebten wir enorme Großzügigkeit. Gar kein Problem! Wir können unser Auto in der Mercedes Vertretung parken und bekamen dies für den Zoll schriftlich mit Unterschrift und Stempel. Der Zoll akzeptierte dies heute morgen (arbeitet Samstag morgen!) und wir bekamen eine Bestätigung vom Zoll (mit Stempel und Unterschrift und Eintrag ins große Buch), dass das Fahrzeug temporär alleine hier bleiben darf.

Wir freuen uns auf den Flug heute Nacht!

09.04.2019, An der Grenze nach Äthiopien

Nun ist Arbeit angesagt. Es ist 46.5° heiß (keine Übertreibung!) und ich lasse die Klimaanlage laufen, während Niggi in verschiedene Büros versucht, die richtigen Stempel zu bekommen.

Der Weg nach Äthiopien muss verdient werden, nicht löchrige Strassen lassen uns Slalom fahren, sondern Gruben sind in den Straßen eingegraben und manchmal wissen wir nicht, wie wir sie umfahren können. Dafür wechselt die Landschaft immer mehr in ein Hochland über. Hügel, viele Rinderherden, viele Schafherden, aber leider nehmen die Kamelherden ab. Gestern noch habe ich riesige Kamelherden bewundern dürfen. Der 1. Baobab hat uns begrüßt und viele Bienenfresser beobachteten uns von den Strommasten herab.

Hier noch ein paar Fotos aus Port Sudan am Roten Meer, wo wir uns ein Wenig das Ferienleben am Meer genossen haben. Fisch essen, Crevetten geniessen, Schnorcheln, Volleyball spielen, gemeinsam singen am Abend,…

Bevor wir das Dolce va niente in Port Sudan geniessen konnten, besuchten wir noch die Grabmäler der nubischen Pharaonen, schwarze Pharaonen, die über Ägypten 100 Jahre geherrscht haben.

Auch Ein Kamm hält im Haar.