01.09.2021, Calvinia

Alle Südafrikaner haben drei große Hobbys. Zu allererst steht “braaien”(zu gut deutsch grillen vor allem von Fleisch und Bratwürsten mit viel Holz und Holzkohle), dann “zelteln” und zu guter letzt “Off-Road 4×4 fahren”. Das Gute an diesen Hobbys ist, dass man sie mühelos miteinander verbinden kann. Da alle Südafrikaner diese nationale Kultur betreiben, ist es eine Sensation, dass braaien einmal verboten werden kann. ( Hier gab es plötzlich auftretende Winde, die die Brandgefahr erhöhten.) Deshalb versteht ihr auch, dass ein Mann mit Kochschürze abgebildet ist.

Wie unterscheidet sich das Braaing (gesprochen “brai-ing”) vom Grillieren in anderen Ländern wie zum Beispiel Iran? Gemeinsam ist ganz sicher, dass Fleisch auf den Grill kommt und Männer die Hauptpersonen sind. In Südafrika stehen sie zusammen vor dem Braai und haben eine Dose oder Flasche kühles Bier in der Hand. Fachmännisch beobachten und diskutieren sie den Bratvorgang von Fleisch und das von Frauen vorbereitete Gemüse und Kartoffeln in Alufolie. Frauen sitzen ein wenig abseits (Rauchvermeidung!) auf Campingstühlen, genießen ein Glas Weißwein und haben den Tisch mit Tischdecke, Teller und Besteck und den weiteren Zutaten wie Saucen und Salate gedeckt und tratschen über Gott und die Welt. Als Desert gibt es “koeksisters”(klebrig süßes Gebäck) oder “melktart” (Käsekuchen mit Zucker und Zimt).

Im Iran wird Teppiche und Kissen auf dem Boden ausgebreitet. Männer sitzen zusammen in der Nähe der Grillstelle mit einem Glas kühlen Saft oder heißen Tee in der Hand und beobachten und diskutieren das Bräteln der Schaschliks, während die Frauen ein wenig abseits auf den Teppichen sitzen (Rauchvermeidung) und gemütlich mit einem Glas Saft oder heißem Tee über Familienangelegenheiten tratschen. Vor sich auf dem Teppich die Fladenbrote, von ihnen vorbereitete Salate, Tomaten, Kräuter, Obst, je nach Jahreszeit Pfirsiche oder Melonen, ausgebreitet. Gegessen wird mit der Hand. Sehr große Unterschiede!

Vom Meer fuhren wir wieder nordwärts Richtung Stellenbosch, wollten wir doch diese berühmte Weingegend sehen, erleben und vor allem den Wein kosten. Die Weindegustation war eher enttäuschend, weil mir der billigere Wein von dieser Gegend, im Spar gekauft, besser mundet als der neue, speziell gekelterte Wein im Weingut.

So erreichten wir die Klein Karoo, eine Halbwüste und plötzlich kam es uns vor, als wären wir im falschen Film: “Mad Max” mit Tina Turner und Mel Gibson.

Gelandetes UFO mit Außerirdischen
Mutprobe:Verabreichung einer Schnupftabakdosis mit Hammerschlag

Leider waren wir zeitlich zu früh an diesem Platz, denn am 1. Oktober findet ein kleines, intimes, familiäres “burning man” Festival mit nur 800 Personen statt . Vor Covid feierten hier 14 000 Menschen!

Ein klein wehmütig nahmen wir Abschied von diesem speziellen Ort und erinnerten uns daran, dass wir nach Südafrika gereist waren, um die “wild flowers” zu sehen. So reisten wir zurück in die Cederberge. Die wilde Pracht der Blumen empfing uns.

Wir waren gefangen im Duft von Honig, Zwiebeln und Maggikraut. Überall Blumen in allen Farben!

Schon in Vorzeiten haben San (Buschmänner) hier gewohnt. Sie haben

gejagt
getanzt

und gemalt.

Nach dem Erkunden von frühzeitlicher Kultur fragte ich mich, ob es uns nicht gelänge, andere Orte mit spezielleren Pflanzen zu entdecken. Sollten wir nicht doch noch probieren, Lithops, “lebende Steine” zu finden?

Wer suchet, der findet …
Pflanzen, eingebuddelt in der Erde, 10 Rappen groß.

Und da! Der erste Lithops!

Wieviele Lithops sind auf diesem Foto? Die größten waren 1/2 Rappen groß.

Nach diesem Erfolgserlebnis lachte uns eine Schildkröte, die des Weges kam, aus.

Da hilft nur noch braaien und unter die Bettdecke kriechen. Die Abende sind immer noch sehr kühl. Fiel doch Schnee in den Bergen.

26.08.2021, Stellenbosch

Wir haben einen Ruhetag, es regnet! Der Himmel liebt dieses Jahr das südliche Afrika! Endlich wieder einmal Regen!

Alles ist groß in Südafrika. Immer noch fasziniert uns die Weite, die Massen der Blumen und deren Schönheit. Wir besuchen den West Coast NP.

Auch Buntböcke lieben Blumen
Bin ich gut getarnt?
Niggi’s Lieblingsvogel, Black Korhan, ist auch hier. Er genießt die Blumenwelt wie wir und reklamiert nicht, wenn wir ihn fotografieren. (Sonst fast immer!)
Selbst Leuchttürme stehen mitten im Blumenmeer
Wieder einmal können wir Flamingos bewundern

So fahren wir nach Kapstadt uns können den Tafelberg begrüßen. Wir haben enormes Glück, dass die Wolkenhaube nur wie Wattebausch ihn bedeckt.

So gelangen wir ans Kap der guten Hoffnung, wo sich zwei Ozeane treffen, der Atlantik mit dem kalten Benguela Strom und der warme Indische Ozean.

Der südlichste Punkt unserer Afrikareise ist erreicht! Von nun an geht es für uns nur noch in nördliche Richtung weiter. Für den Continent Afrika ist Cape Agulhas (S 34.829357°, E 20.009001°) südlichster Landzipfel.

Dank der beiden verschiedenen Weltmeere gibt es eine nur hier vorkommende Vegetation. Ein Highlight! Für Niggi heisst es wieder einmal anhalten und geduldig warten.

Aber sind diese Proteen nicht wunderschön? Und sie blühen jetzt! Genau, wenn ich hier bin! Für euch nur eine klitzekleine Auswahl!

Natürlich muss ich den Afrika Pinguin fotographieren, der nur hier an der Küste vorkommt.

Ein Teenager, die restlichen warmen Babyfedern im Nacken, lässt sich geduldig bewundern.
Und auch die Klippschliefer, Dassie, genießen die Sonne.

Und ich? Ich bin am Beobachten von Walen in der Hermanus Bucht, die diesen schönen Tag lieber unter Wasser verbringen wollen und nur ab und zu eine kleine Wasserfontäne in die Luft spritzen, um zu sagen, wir sind da!

Da sind mir die kleinen Vögel, wie der farbenprächtige Southern Red Bishop (Oryxweber) lieber, der sich kurz zeigt und wieder zu seinem Harem, manchmal bis zu sieben Weibchen, verschwindet.

18.08.2021, Lambert‘s Bay

Heute herrscht wirklich kein gutes Wetter. Es ist bedeckt und leichter, feiner Nieselregen lässt uns eher an eine kalte Dusche erinnern. Wir beschliessen die Cederberge zu verlassen und gegen die Küste zu fahren.

Letzer Blick vom Pass nach Wuppertal, einer kleinen Ansiedlung, deren Gründer aus dem deutschen Wuppertal stammten.

Heute sind die meisten Blüten geschlossen, da der Himmel bedeckt ist und ein kühler Wind bläst. Aber wir sind trotzdem fasziniert von der Vielfalt der Pflanzen. Blaue Blumen beherrschen die Szenerie. Wie ein blauer Dunst schweben sie über der Ebene.

Als einzelne Pflanze sind sie so zierlich, klein und zart gebaut.

Heliophila coronopifolia, Brassicaceae

Ein letzter Blick! Mit Wehmut und Begeisterung sehen wir ein riesiges Feld von orangenen Blumen.

Dann geht es zurück in die Zivilisation zu den Webervögeln und Aloen

Aloe khamiesensis

ans Meer, das tosend an den Klippen bricht

zu Meeresvögeln, wie Dominikanermöwen

oder Kaptölpel, die hier in Lambert‘s Bay gerade brüten. Welch ein Glück wir wieder haben!

Eine riesige Kolonie und jeder kennt seinen Platz
Zärtliches Werben zwischen einem Päarchen

Meine Vogelliste wächst heute mit den Eilseeschwalben, die mit ihrem gelben Schnabel und der Sturmfrisur gut zu bestimmen sind. Ein erfolgreicher Tag geht zu Ende.

17.08.2021, Cederberg

Was gibt es schöneres als ein Quivertree-Wald? Wir unternehmen einen kleinen Ausflug dorthin und werden belohnt!

In Nieuwoudtville, einem kleinen Ort im Namaqualand, bekommen wir sehr gute Informationen über die Region und vor allem kann ich endlich ein Botanikbuch über die „wild flowers“ kaufen, um die Blumen bestimmen zu können. Ich bin in meinem Element, dazu ein Glas Weißwein, was will ich mehr?

Im nahen Oorlogskloof Nature Reserve wollen wir ein wenig wandern. Die kleine Tageswanderung dauert sieben Stunden. Da der Trail Leopardentrail heißt, ist auch klettern und kraxeln angesagt.

Aber auch in anstrengenden Abschnitten erfreuen uns Blumen und Eidechsen, so dass wir eine kurze Zeit zum Atmen kommen.

Zurück auf die Hauptstraße durchfahren wir eine Alle von Zedern, für uns ein Erlebnis, für Europa normal, aber nicht für das südliche Afrika, wo dichter Baumbestand eine Sensation ist, weil entweder das Klima für Bäume zu heiss und zu trocken ist oder weil die menschlich bedingte Abholzung zu gross ist.

So fahren wir in die Cederberge, südlich von Nieuwoodtville. Die tiefen Täler sind atemberaubend.

Es muss einmal gesagt werden, Niggi verdient als Fahrer für seine Geduld mit mir ein enormes Lob. Jedes Mal, wenn ich irgend eine neue Blume entdecke, jedes Mal, wenn ich ein besonders schönes Pflanzenmeer sehe, hält er an und wartet, bis ich fotografiert habe und wieder eingestiegen bin, um beim nächsten Ausruf „Stop“ zu bremsen.

Aber die Fynbosh-Vegetation ist auch einmalig! Nicht wahr?

Die Cerderberge sind nicht nur für BotanikerInnen reizvoll, sondern sie sind ein Eldorado für Mountainbiker, Offroadfahrer und WanderInnen. (Mountainbikerinnen und Offroadfahrerinnen bin ich niemals begegnet.) So packten wir unsere Wanderschuhe aus, um zum Maltese Cross zu gelangen. Mitten in einem Tal ragt ein Fels auf, der an ein Kreuz erinnert.

Wenn wir schon im Wanderparadies sind, müssen wir noch eine weitere Attraktion besuchen, den Wolfsberg Arch. Drei Stunden kraxeln waren angesagt, dann zeigte sich der Felsenbogen in weiter Ferne, um uns nochmals die Dimension seiner Größe zu zeigen und uns daran zu erinnern, dass wir ihn erst in einer Stunde mit zügigem bergauf und bergab erreichen würden. Und wir haben es geschafft! Mittagessen unter einem vom Wind erschaffenem Rock Arch! Imposant reicht das aus einem Fels erschaffene Tor über uns auf!

Eigentlich gab es noch andere schöne Felsformationen, die uns aber erst auf dem Rückweg auffielen.

Nach weiteren vier Stunden laufen kamen wir müde zu unserem treu wartendem Bänz an.

08.08.2021,Strandfontain

Gestern sind wir kurz entschlossen wieder an die Küste gefahren. Die Aussicht auf Muscheln, Austern oder Fisch essen zu können, dafür nahmen wir gern einen Umweg von 100 km in Kauf. Niggi aß zum ersten Mal in seinem Leben Abolone, eine Meeresschnecke, eine Delikatesse, die hier vor der Küste Südafrika gezüchtet und vor allem gewildert wird. Nicht nur Nashörner werden ausgerottet! Unsere waren gezüchtet. Wer sich mehr schreckliche Nachrichten über die Ausrottung von diesen wunderschönen Schnecken zu Gemüte führen möchte, findet ausführliche Artikel auf Wikipedia.

Die Küste, das Meer ist wild und der kalte Benguelastrom sorgt für Nebel. Aber auch hier blühen jetzt Blumen.

Es ist trotz Sonne kalt, wir sitzen lieber im geheiztem Auto.

Nur die Seelöwen fühlen sich wohl. Aber auch sie Sonnen sich gerne auf den Warmen Felsen.

Auf der Fahrt mussten wir natürlich nicht auf Blumen verzichten, Blümli hier, Blümli da, überall Blümli.

Die Umgebung ist nicht nur interessant wegen der zur Zeit „wild flowers“, sondern es gibt tolle Touren durchs Gebirge.

Eine kleine Wanderung führte uns zu einem Wasserfall. Leider war das Wasser zu kalt für ein kleines Bad.

Aber nicht nur die Schönheit von Blumen ließ uns anhalten,

sondern auch Vögel führten zu waghalsigen Stopps.

Paradieskraniche (Blue Crane)
Kapweber

In den höheren Regionen wechselte die Vegetation zur Fynbos, eine Vegetation, die nur hier um Kapstadt gibt. Zum ersten Mal entdeckten wir Proteas. Einfach phantastisch! Nicht eine, sondern Strauchweise!

Aber selbst auf Felsen blühen Blumen.

In den Bergregionen wird Rooibos angepflanzt, der weltweit vermarktet wird, denn nur hier wächst er. Ich trinke ihn sehr gern, Niggi bevorzugt grünen oder schwarzen Tee.

Das waren nicht die letzten Blumenfotos. Wir werden noch länger in diesem Blumenparadies bleiben.

03.08.2021, Namaqua Nationalpark

Waren wir noch fasziniert von der grössten Dattelplantage der südlichen Hemisphäre mitten in der Wüste in Klein Pella am Orange River, so wurden wir von den wilden Blumen im Namaqualand (südlich von Namibia in Südafrika) überwältigt.

Warnung an alle Leserinnen und Leser! Ab jetzt kommen ganz viele! Fotos von Blumen, die in Wirklichkeit noch viel schöner aussehen. Dieses Weltwunder der Natur begeistert nicht nur Botanikerinnen, sondern auch Niggi.

Schon seit meinem Studium wollte ich die blühende Wüste vom Namaqualand sehen, beobachten und erleben. Eigentlich fängt die Blühsaison Mitte August an, aber dank den Socialmedia erfuhr ich, dass es dieses Jahr dank dem gutem Winterregen (Juni/Juli) früher gestartet hat . Also nichts wie hin nach Springbok dem Tor der „wild flowers blooming“.

Die ersten Blumen, Vertreter der Mittagsblüher, hießen uns willkommen. Wie ihr Name sagt, öffnen sie ihre Blüten zur Mittagszeit und neigen diese der Sonne entgegen. Toll für uns, wir müssen uns nicht frühmorgens aufmachen, um sie zu sehen.

Wem wundert es, dass ich fotografierte und bestimmte, ganz in meinem Element!

Es ist einfach phantastisch tausend und abertausende von Blumen der gleichen Art auf einem Fleck zu sehen. Ganze Täler orange, gelb oder pink.

Auch Einzelgänger dazwischen sind wunderschön.